Interoperabilität(sprobleme) mit OpenDocument
Ein erfrischend ehrlicher Blog Eintrag eines Open Office Fans zum Thema Interoperabilität mit OpenDocument (oder Probleme damit) findet sich auf dem OesterBlog.
Einer der Vorwürfe an Microsoft ist ja, dass zum Beispiel mit Office Open XML ein eigenes Dateiformat entwickelt, und dann an die ECMA zur Standardisierung übergeben wurde. Es gibt ein Hauptargument, das gegen den gerade diskutierten ISO Standard ISO/DIS 29500 vorgebracht wird. Dieses lautet: Es gäbe schon einen anderen Standard, und man möge doch Open XML damit zusammenzuführen. Klarerweise weiß man z.B. bei der FFII, dass sich zum Beispiel Sun und IBM da quer legen. Aber das muss man ja nicht jedem erzählen.
Nun, wie sich zeigt, werden jetzt sogar von ursprünglichen Verfechtern dieser Aussage Zweifel ob der Machbarkeit laut, und auch gleich ausführlich belegt:
Seit OpenDocument 1.1 im Frühjahr bei der OASIS als offizielles Dokument verabschiedet worden ist, habe ich die Mailinglisten der ODF-Macher verfolgt und bin etwas kritischer geworden, was die Entwicklung der Interoperabilität von ODF angeht.
Die FFII hat auf Ihrer Anti Open XML Kampagnen Seite nicht nur einen substantiellen Geldpreis für das sabotieren von Standartisierungs Aktivitäten ausgeschrieben. Zusätzlich versucht man mit bewusst(?) falschen Anschuldigungen Stimmung gegen Open XML zu machen. Ich habe mir jetzt erlaubt ein paar Absätze aus dem OesterBlog (wohlgemerkt von einem OpenOffice Fan!!) herzukopieren, und stelle diese einigen Anschuldigungnen der FFII gegenüber.
FFII Anschuldigung # 1: Es gäbe schon eine Norm ISO26300, auch Open Document Format (ODF) genannt: eine doppelte Normung würde die Kostenbelastung für Wirtschaft, Regierungen und Bürger erhöhen;
Fakten zum FFII favorisierten Dateiformat:
"Interoperabilität besitzt noch nicht die nötige Priorität in den OpenDocument- Arbeitsgruppen, weshalb ODF noch nicht wirklich und nachdrücklich zum Durchbruch verholfen werden konnte.
In der Mailingliste wurde ein abweisender Kommentar dazu abgegeben. Kurz umrissen: Man werde ODF nicht verändern, nur um mit Funktionen von MS Office-Dateiformaten besser umgehen zu können, für die es in ODF noch keine Entsprechung gibt.
Diese Abwehrhaltung widerspricht aber dem Gedanken von OpenDocument als anwendungsunabhängiges Dateiformat. Zusätzlich hilft diese Abwehrhaltung auch nicht, ODF als Austauschformat bei Behörden durchzusetzen, da es der ODF-Arbeitsgruppe offensichtlich am Willen fehlt, auch Fremdprodukte zu unterstützen und eine reibungslose Konvertierung zu ermöglichen.
Aufgrund der fehlenden, von der ODF-Arbeitsgruppe nicht aufgegriffenen Anpassungen von ODF, ohne die es keine reibungslose Konvertierung geben kann, wurde in Massachusetts (wie auch in anderen US-Bundesstaaten und Dänemark) entschieden, dass auch OOXML als offiziell anerkanntes Dateiformat gelten darf.
Ich frage mich persönlich, wie dies Sun als gewinnträchtige Firma hilft in seiner Verbreitung von StarOffice, wenn ODF in Zukunft nicht mehr in Betracht gezogen wird, weil es sich nicht gut genug in den täglichen Arbeitsprozess von Behörden/Firmen einfügen lässt.
Die allgemeine Ablehnung gegen Anpassungen von ODF hinsichtlich Kompatibilität zu MS Office/OOXML mag auch mit einer Abstimmung zusammenhängen, bei der IBM und andere dagegen stimmten, Konformität von ODF mit einem Format einer einzelnen Firma herzustellen (erwähnt in einem Archiv-Kommentar).
Interoperabilität mit anderen ODF-Programmen und anderen Dateiformaten wie OOXML und UOF scheint auf ODF nach Version 1.2 hinausgeschoben zu werden, wie hier, hier und hier (letzter Absatz zu ODF 1.3) als Beispiel nachzulesen ist. Doch kann es sein, dass alle Behörden und Firmen schon auf OOXML umgestiegen sein werden, bevor ODF 1.3 im Jahr 2008 oder 2009 das Licht der Welt erblickt."
FFII Anschuldigung # 2: Es existiert keine belegte Implementierung der OOXML Spezifikation: Microsoft Office 2007 unterstützt ein Derivat von OOXML, aber kein Dokumentformat, das mit der Spezifikation übereinstimmt;
Fakten zum FFII favorisierten Dateiformat:
"Sogar zwischen OpenOffice.org und KOffice gibt es Inkompatibilitäten, die erst noch aus dem Weg geräumt werden müssen, also zwischen zwei Programmen, die ODF als Standarddateiformat implementiert haben."
FFII Anschuldigung # 3: In dem Spezifikationsdokument fehlen Informationen, zum Beispiel wie ein autoSpaceLikeWord95 or ein useWord97LineBreakRules funktioniert;
Fakten zum FFII favorisierten Dateiformat:
Alle Absätze in der (ODF) Spezifikation, bei denen es um bestimmte Elemente, fremde Inhalte („alien elements”) oder Metadaten geht, die man für die Interoperabilität mit anderen Programmen bewahren müsste, werden schwammig oder locker formuliert. Zum Beispiel darf ein Programm alle Metadaten löschen und ist trotzdem konform mit der Spezifikation (in Folge davon fehlen einem anderen Programm, mit dem man die Datei weiterverarbeiten will, wichtige Daten).
Und schließlich noch:
FFII Anschuldigung # 8: Die Norm wäre nicht aus der versammelten Erfahrung und Expertise von allen interessierten Kreisen (z.B. Produzenten, Verkäufer, Käufer, Nutzer und Regulierern) gespeist sondern nur durch Microsoft allein.
Fakten zum FFII favorisierten Dateiformat:
"Sun Microsystems spielt immer noch die bestimmend(st)e Rolle bei der Weiterentwicklung von ODF (welches ein Ableger ihres älteren OpenOffice.org 1.0 Dateiformats darstellt). " und
"Sun will ODF weiterhin abgrenzen gegen Microsofts OOXML"
Weiter:
"Aber die Materie ist komplex und nur wenige Personen haben das Wissen, eine umfangreiche Spezifikation wie ODF (mitsamt den damit verknüpften Techniken XML, RDF, SVG, …) zu verstehen und daran mitzuwirken. Wenn man die offiziellen Mailinglisten verfolgt, so sieht man großteils nur wenige Personen weniger Firmen wie Sun, IBM, Novell, Trolltech/KDE.
Gut, diese Gegebenheiten sind an sich nichts Schlechtes. Zu viele Köche verderben den Brei."
Na gut, bei der letzten Aussage kommt dann wieder der OpenOffice Fan hervor. Was man beim einen bekrittelt, soll dann beim anderen plötzlich sogar von Vorteil sein.
Alles in allem zeigt aber der Blog Eintrag auf den Oesterblog sehr schön, dass die Anschuldigungne der FFII jeglicher Grundlage entbehren. Hier wurde einfach nur eine Kampagne bewusst angezettelt , um eigene Interessen durchzusetzen. Und das vorbei an den Wünschen von Kunden und Industrie.
Zum Glück haben das die relevanten Experten erkannt, und richten Ihr Stimmverhalten danach, wie das Beispiel Deutschland zeigt: Armer Jan Dittberner! (oder: Deutsches Institut für Normung spricht sich für Open XML aus).