Populäre aktuelle Browser nutzen einen am Browser ausgerichteten Ansatz für ihre Benutzeroberfläche. Wörter wie „Minimal“, „Schnell“, „Anpassbar“, „Offen“ und „Einfach“ werden gern in Beschreibungen von Browsern verwendet. Mit Internet Explorer 9 haben wir die Rolle der Benutzeroberfläche unter Windows jedoch neu definiert. Warum ist dies passiert? Die meisten Menschen interessieren sich heute nicht für den Browser als solches. Sie interessieren sich für ihre Lieblingswebsites und -anwendungen. Genau diese Websites und Anwendungen werden heute jedoch in Bezug auf die Benutzerumgebung und Interaktivität bei weitem zu oft als zweitrangig angesehen.

Ein Teil der Beseitigung der unsichtbaren Barrieren im Internet sind die Investitionen in Internet Explorer 9, über die wir im Rahmen dieses Dokuments bereits berichtet haben – die einfachere Erstellung von interaktiven Websites durch Entwickler, die Verbesserung der Leistung und die Nutzung der Leistung des gesamten PCs. Ein anderer wichtiger Teil ist unser Ansatz, das Internet als den Teil von Windows zu behandeln, den die Menschen am häufigsten nutzen, und die Möglichkeiten zu nutzen, über die die Menschen normalerweise mit Windows interagieren.

Viele Aufgaben sind den Menschen, besonders unter Windows 7, bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Beispielsweise das Andocken von Fenstern mit Aero Snap, die Personalisierung der Taskleiste und das Wechseln zwischen Fenstern. Wir haben uns mit unseren Kunden unterhalten, und es wurde klar, dass sich der Browser nicht anders verhalten soll. Er soll die Webumgebung einfach nahtlos in die vorhandene und vertraute Umgebung integrieren. Er soll sich so verhalten und so mit dem Benutzer interagieren, wie dieser es bereits von der Arbeit mit seinem Computer kennt und erwartet. In einem Satz: Der Browser soll die Benutzer dort abholen, wo sie stehen.

Wir haben uns also zu Beginn damit befasst, was die Menschen an ihren Anwendungen unter Windows in Bezug auf die Benutzeroberfläche am besten finden (vor allem im Rahmen von Windows 7 und seiner aufgeräumten und einfachen Umgebung, mit der die Aufgaben und Anwendungen im Mittelpunkt stehen, die die Benutzer nutzen möchten). Hier treten Anwendungen hervor, auf die direkt und einfach zugegriffen werden kann – egal, ob über die Taskleiste oder über Sprunglisten. Das ganze Konzept ist aufgeräumt und tiefgreifend; die Anwendungen stehen im Vordergrund – sonst nichts. Es ist intuitiv interaktiv – genau das, was der Benutzer erwartet, passiert auch – Aero Snap, Drag-and-Drop usw.

Also haben wir diese Erkenntnisse in die Benutzerumgebung für Internet Explorer 9 einfließen lassen. Wir haben die besten Elemente aus Windows 7 genommen und einen Designansatz genutzt, der sich an Websites ausrichtet und sich darauf konzentriert, Websites über Windows attraktiv darzustellen. Auf diese Art und Weise macht das Internet unter Windows einen übersichtlichen, einfachen und natürlichen Eindruck.

Genau wie beim Design der Benutzeroberfläche von Windows 7 sind wir auch bei Internet Explorer 9 einfach einen großen Schritt zurückgetreten und haben uns selbst gefragt, was die Menschen eigentlich tagtäglich machen (und was sie machen wollen), wenn sie ihren PC starten und ihren Browser öffnen. Im Verlauf dieser Einschätzung haben wir einige Dinge darüber gelernt, wie die Menschen ihre Computer, ihren Browser und das Internet nutzen:

Die Menschen verbringen 57 Prozent ihrer Zeit mit Windows online im Browser. Die meisten Menschen nutzen im Internet jedoch nur eine zentrale Gruppe von Funktionen. Tatsächlich gibt es nur zwölf Aktionen, die von mehr als der Hälfte der Benutzer durchgeführt wird. Zu diesen Aktionen gehören so grundlegende Dinge wie das Schließen eines Fensters, das Klicken auf einen Link, das Nutzen der Zurück-Schaltfläche und das Navigieren über die Adressleiste. Diese Dinge zählen zu den grundlegenden Sachen, die Menschen in einem Browser machen.

Es gibt außerdem eine Menge Verhaltensweisen, die möglicherweise sogar Leute mit echter Begeisterung für Browser überraschen:

  • Weniger als ein Drittel der Benutzer haben die Favoriten geöffnet.
  • Weniger als ein Viertel der Benutzer haben die Schaltfläche Startseite genutzt.
  • 15 Prozent der Benutzer haben einen Link mit Strg+Mausklick in einer neuen Registerkarte geöffnet.
  • Sieben Prozent der Benutzer haben ihren Browserverlauf gelöscht – etwas, das nur Leute mit echter Begeisterung für Browser tun.

Überraschend ist vielleicht auch, dass die Benutzer einige erweiterte Funktionen von Windows konsistenter nutzen als Funktionen, die die meisten Menschen wohl als Kernbestandteile des Browsers ansehen würden (beispielsweise die Favoriten oder die Startseite).

  • 62 Prozent der Benutzer fügen der Taskleiste mindestens eine Anwendung hinzu, die dort standardmäßig nicht vorhanden ist.
  • 87 Prozent der Benutzer haben eine Anwendung über die Taskleiste gestartet.

Die größte Erkenntnis ist, dass Anwender in ihrem Feedback neben dem Wunsch nach einem besseren Browser am häufigsten Wünsche äußerten, die sich darauf bezogen, das Internet selbst besser zu gestalten. In Internet Explorer 9 haben wir also die gleichen Designprinzipien wie in Windows 7 angewandt: Die Anwendungen und Aufgaben der Benutzer in den Vordergrund zu stellen. Das Beste, was wir mit dem Browser anstellen konnten, war, diesen so gut wie unsichtbar zu machen. Das Beste, was wir für die Kunden machen konnten, war, das Internet auf ihren Computern unter Windows attraktiver zu machen. Die meisten Menschen wollen sich nicht damit beschäftigen, ihren Browser anzupassen. Personalisierung passiert stattdessen auf Computern unter Windows ganz natürlich.

Nehmen wir beispielsweise eine interne Studie zu den Möglichkeiten der Nutzung von Websites als „Angeheftete Sites“. Eines der wichtigsten Resultate der Studie waren die veränderten Erwartungen. Die Befragten gingen davon aus, dass die Website über die gleiche Funktionalität verfügen würde wie eine Client-Anwendung mit Suchmöglichkeiten oder eine native Anwendung des Betriebssystems selbst, wie beispielsweise die Sprunglisten.

Seite für neue Registerkarten

Bei einer genaueren Untersuchung stellten wir fest, dass die Benutzer nach dem Öffnen einer neuen Registerkarte in 47 Prozent aller Fälle zur Registerkarte wechselten und zu einer der am häufigsten besuchten Seiten navigierten. Aus diesem Grund haben wir eine Seite für neue Registerkarten entwickelt, die dieses Verhalten berücksichtigt. Auf ihr werden die wichtigsten Seiten ganz vorne angezeigt. Der Benutzer bekommt so die Website angezeigt, nach der er wahrscheinlich sucht, und kann mit einem Mausklick zu dieser Website navigieren.

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Benachrichtigungsmodell

Wir haben uns darin engagiert, mehr Leistung zu bieten und die Websites in den Vordergrund zu stellen. Leistung definiert sich jedoch nicht allein durch nackte Geschwindigkeit – sie umfasst auch den Zeitaufwand, der für Aufgaben erforderlich wird, die nichts mit dem direkten Aufrufen von Websites zu tun haben.

In Bezug auf die Benachrichtigungen haben wir beispielsweise feststellen können, dass unser Modell die Leistung verschlechtert. Wir haben uns daher dazu entschlossen, dieses Modell zu verwerfen und es stattdessen flüssiger zu gestalten – was sich jedoch als recht schwierig erwies. Jeder Dialog, jede Statusanzeige und jede Benachrichtigung hat einen Grund und ist in bestimmten Situationen von Nutzen.

Wir haben uns daher dazu entschlossen, das Problem nicht von einem technischen Standpunkt aus, sondern aus Perspektive des Benutzers anzugehen. Zu diesem Zweck haben wir alle Benachrichtigungselemente in eine von vier möglichen Benutzeraussagen kategorisiert:

  1. „Warum nervst Du mich?“
    1. Unterbrechung der Arbeit
    2. Abrufen von Entscheidungen zur falschen Zeit
    3. Kontrollverlust
  2. „Was erwartest Du von mir?“
    1. Unklare und inkonsistente Sprache
    2. Layout/Fluss bietet keine klare Wahlmöglichkeit
  3. „Das kümmert mich nicht!“
    1. Desensibilisierung gegen Benachrichtigungen insgesamt
  4. „Wo muss ich suchen, wenn ich wirklich etwas finden möchte?“
    1. Zu viele Kanäle, über die Benachrichtigungen angezeigt werden
    2. Die gleichen Informationsarten werden über verschiedene Stellen angezeigt

Durch die Betrachtung der Benachrichtigungen aus diesem Blickwinkel waren wir in der Lage, ihren tatsächlichen Nutzen für die Benutzer zu bewerten, und konnten so feststellen, welche Benachrichtigungen weniger wichtig waren und welche im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit bleiben sollten (beispielsweise Sicherheitswarnungen zu Phishing-Seiten). Durch die Priorisierung in die oben genannten vier „Bereiche“ konnten wir viele Benachrichtigungen entfernen, relativieren und vereinfachen – was letztendlich zu einem schnelleren und flüssigeren Umgang mit dem Browser führte.

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Anheften von Sites

10_01_pinned_jumplistDurch die Weiterentwicklung des Internets von simplen Websites, auf denen die Menschen nach Informationen suchen, hin zu Anwendungen für Aufgaben wie die Kommunikation mit Freunden oder das Anhören von Musik haben sich auch die Erwartungen der Benutzer an das Internet verändert. Die Menschen setzen einfach voraus, dass sie Microsoft Office Outlook in die Taskleiste aufnehmen können.

Warum ist dies mit Windows Live Hotmail nicht auch möglich? Oder warum kann die Lieblings-Musikwebsite des Benutzers nicht auch dort sein? Bei der Beobachtung von Benutzern in Testumgebungen und der Analyse der entsprechenden Daten stellten wir zwei Dinge fest:

  • Erstens wurde klar, dass die Benutzer der neuen Taskleiste von Windows 7 auch Websites zur Taskleiste hinzufügen wollten (denn diese Websites waren für die Arbeitsabläufe genauso wichtig wie andere Elemente).
  • Zweitens stellten wir fest, dass die Benutzer mehr und mehr Zeit im Browser verbrachten (circa 57 Prozent ihrer Zeit).

Aus diesem Grund haben wir uns gefragt, wie Internet Explorer 9 Websites noch besser gestalten kann. Das Ergebnis war die Möglichkeit, Websites in die Taskleiste aufzunehmen und mit den Websites über Sprunglisten interagieren zu können – genauso wie mit nativen Windows-Anwendungen.

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Übersichtliches Design

Als wir uns das erste Mal damit beschäftigten, was die Menschen im Browser am häufigsten nutzen, haben wir uns gefragt, was das Internet für die Menschen überhaupt bedeutet. In diesem Rahmen kam eine Analogie zu einem Kinofilm auf. Genau wie ein Kinoregisseur Licht und Farbe dazu nutzt, den wichtigsten Teil einer Szene herauszustellen, haben wir den größten Teil der Oberfläche entfernt und nur die Teile erhalten, die eine Website aufwerten. So sorgt die Oberfläche von Internet Explorer 9 dafür, die Website herauszustellen. Dies hat uns zur Transparenz des Browserfensters und zur Ausweitung des Brandings einer Website auf die Symbole und die Zurück-Schaltfläche (über die Nutzung der Primärfarben der Website) geführt. Auf diese Art und Weise kommt die Website nach vorn und der Browser tritt in den Hintergrund.

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Die Tests zu der neuen Umgebung waren sehr positiv. Die Benutzer fanden sie nützlich, deutlich aufgeräumter und moderner. Sie hatten das Gefühlt, dass die neue Umgebung mehr Raum für die Website selbst schafft. Dieses an Websites ausgerichtete Design sorgt somit dafür, dass nicht der Browser, sondern die Website im Mittelpunkt steht. Die Benutzer wünschen sich mehr Internet und weniger Browser – und genau das bietet Internet Explorer 9.