Gastbeitrag von Georg Binder, selbständiger IT-Dienstleister und Autor von windowsblog.at.

Diese Woche wird Windows 7 endgültig der Öffentlichkeit freigegeben. Bisher hatte man nur über TechNet oder MSDN Abo bzw. als Volumenslizenzkunde legal Zugriff auf Windows 7, mit dem Launch am 22. Oktober wird Windows 7 für jedermann erhältlich sein. Mal eine persönliche Situationseinschätzung.

Warum Windows 7, was kommt an?
Hier Dinge, die “ziehen”, d.h. solche wo nachgefragt wird, die offenbar ankommen. Ist persönliches Feedback aus unzähligen Treffen mit Firmen, Präsentationen , Roadshows, etc.. die ich in letzter Zeit halten oder begleiten durfte.

Für alle: Taskbar, Suche und Fensterschubsereien. Das was man in dem Zusammenhang am öftesten hört: “Microsoft hat es geschafft, “Klicks zu sparen” und Dinge für den Benutzer zu beschleunigen.

Für Unternehmen: Top Favorit in Gespächen ist DirectAccess. Aber auch AppLocker/BitLocker sowie BranchCache stoßen auf hohes Interesse. Beinahe “verheiratet” mit Windows 7 dürfte hier das Microsoft Desktop Optimization Pack (MDOP) sein, das bei vielen Migrationen mit eingeplant wird (App-V, MED-V,…). Was ich noch nie live gehört habe: “da ist nix drin, kein Mehrwert”. Eher das Problem: “uff, da ist aber einiges zu tun”, vor allem weil einige Dinge auch Änderungen an der Infrastruktur notwendig machen, und sei es nur, dass man einen Server 2008 R2 braucht. Ja,…

Für Private: da weiß ich es ehrlich gesagt gar nicht so, weil ich momentan im Consumer Markt noch nicht so unterwegs war. Aber so was wie die Heimnetzgruppen sind sicher was nettes, genauso wie die Media Streaming Möglichkeiten. Muss ich eh auch noch hier auf dem Blog mal genauer betrachten.

Und, kommts an?
Ja, es kommt an. Ich war jetzt in letzter Zeit oft bei Firmen, die bereits fix den Umstieg planen oder diesen sogar bereits beschlossen haben (ok, manchmal heißt beschlossen gerade bei Enterprise Kunden trotzdem erst 2011). Wenn ich gerade jetzt, wo ich den Artikel schreibe, auf Twitter schaue (ich scanne immer auf #Win7 und “Windows 7”) dann bekomme ich solche Aussagen mit:

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Kritik
Klar, es sind auch negative dabei, aber die haben die Größenordnung von: das Startmenü sieht nicht so aus wie unter XP, deswegen mag ich Windows 7 nicht inklusive obligatorischem “nehmt Linux”-Sager (weil man da ja von XP aus nicht umlernen muss, oder wie?):

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Genau,… übrigens, der TinyURL Link führt auf ein HowTo, wie man tatsächlich mit Hilfe eines Tools das alte Startmenü wieder bekommt. Oh mein Gott. Da sitzt das Problem aber sprichwörtlich VOR dem PC. Leider kann man nur dieses Problem nicht nur so mit diesem Hinweis abtun, das sitzt etwas tiefer, nämlich dem, dass viele – bedingt durch das Überspringen von Vista – auf einem technischen Wissenstand von 2001 stehen geblieben sind – auch in Firmen. Dann kommen solche Aussagen:

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Geil. Da sind so viele lustige Sätze drin, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Offenbar wird hier vor dem Einsatz von Software eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt, die IT schafft es aufgrund des vorhandenen Wissens Windows 7 als “Desktopeffekte” ans Management zu verkaufen und die Admins haben “lebenslang Lernen” so richtig verstanden. Wär ja letztlich wirklich lustig, wenn’s nicht real tatsächlich solche Fälle gäbe. Das ist definitiv kein Windows 7 Problem, aber ein Problem für Windows 7 (wenn klar ist, was ich damit meine).

Risiko Presse
Wäre da noch die Presse, die es über Jahre geschafft hat, Windows Vista schlecht zumachen. Oh, ja, es mag schon Probleme gegeben haben, gerade anfangs, aber das war nicht vergleichbar mit dem, was daraus gemacht wurde. Eine fetzige Schlagzeile ist wichtiger, als seriösen Journalismus zu betreiben. Und sie hören nicht auf,…

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Es wird tatsächlich mit Bild und Text suggeriert, der Sager “Man schämte sich, Vista mitentwickelt zu haben” käme von Steve Ballmer. Das ist natürlich nicht der Fall, im Text weiter unter steht dann “so wird ein ehemaliger Senior Executive von Microsoft von CNN zitiert”. Ja genau. Der ist so ehemalig, dass er nicht mal einen Namen hat, auch bei CNN nicht. Was solls, ich brauch Vista auch nicht mehr verteidigen, es gibt ab 22. Oktober Windows 7 und zumindest eine Art der Genugtuung kann sich Microsoft ja doch gutschreiben: viele Funktionen, die jetzt zu begeisterten Reaktionen bei Windows 7 führen, hat es schon unter Vista gegeben. Mojave lässt grüßen. Und für Vista User ist genug drin, das auch Spaß macht oder für Firmen den Umstieg mehr als rechtfertigt. Andererseits, es gibt auch die positiven Berichte, und das nicht zu knapp:

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Klar, Kritik gibt es immer wieder und das ist auch gut so. Tatsächlich hat sich allerdings die bisherige Kritik an Windows 7 ungefähr auf dem Niveau abgespielt “Hintergrundbild ist nicht hübsch”, große “Issues” sind mir nicht bekannt – und sind angesichts der Verbreitung auch eher unwahrscheinlich. Bereits im September, also fast ein Monat VOR der allgemeinen Verfügbarkeit (“General Availability”) hat Windows 7 einen beachtlichen Marktanteil.

Marktanteil
Laut NetApplications nutzen bereits mehr Benutzer Windows 7 als Linux oder MacOSX 10.6 Snow Leopard. Fast, aber nur fast hätte man sagen können, mehr als Linux und Snow Leopard *zusammen* genommen. Siehe http://marketshare.hitslink.com/os-market-share.aspx?qprid=11

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Auch bei anderen Statistikauswerter kommt Windows 7 bereits deutlich vor, so z.B. bei StatCounter:

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Für ein Betriebssystem, das offiziell erst nächsten Mittwoch gelauncht wird, sicher kein schlechter Wert. Übrigens, Anteil auf WindowsBlog: 35% Windows 7 (!), 31% Vista und 29% XP.

Es bleibt spannend.