Bei früheren Betriebsystemen von Microsoft mußte man als Administrator immer auf der Hut sein, von welchem Installationsmedium eigentlich ein Server eingerichtet war. Da gab es Retail, Evaluation, Volumenlizenz-Programme, MSDN, TechNet, OEM, Checked build, etc. Ich erinnere mich noch sehr genau an meine Zeit als Consultant, wie ich Kunden erklären mußte, dass der Server stündlich rebootet oder keine Anmeldung mehr zuläßt, weil er die falsche CD bei der Installation benutzt hatte. Oder der Kollege hatte es ganz eilig und nahm einfach den Datenträger aus der MSDN, wo manche Produkte durchaus auf nur 10 Verbindungen begrenzt waren. Was für die Entwicklung kein Problem ist, stößt dann im Produktiveinsatz schnell bitter auf. Um das herauszufinden halfen nur Artikel wie How to determine the channel that your copy of Windows Server 2003 was obtained through.

Mit neueren Windows-Versionen wird hier vieles einfacher. Windows Vista, Windows 7, Windows Server 2008 und die kommende R2-Version benutzen eine neue Technologie zur Produktverwaltung. Es gibt nur noch jeweils einen Datenträger (32- oder 64-bit) für den Retail- oder Volumenlizenz-Kanal. Die Version wird durch die Eingabe eines Product Keys festgelegt. Man braucht während der Installation keinen Schlüssel eingeben (das gilt auch für Windows XP mit slipstreamed SP3) und hinterher sich entscheiden, ob eine Retail- oder Volumenlizenz-Version zum Einsatz kommen soll. Lediglich die verwendete Produktversion (zum Beispiel Home Premium vs. Business, Standard vs. Enterprise oder mit Hyper-V vs. ohne Hyper-V) muss man bei der Installation festlegen - sie ist nur durch Neuinstallation veränderbar.

Hinterher kann man problemlos die Installation mit dem richtigen Key versehen. Wie geht man dazu vor? Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder via GUI oder via Kommadozeile. fangen wir mit der GUI an. Wenn man während der Installation keinen Key eingibt, wird ein Standardschlüssel zur Installation benutzt, der auf den Aktivierungsservern geblockt ist. Bei Windows Server 2008 bedeutet das, dass die Installation 120 Tage als initiale Evaluierungsphase läuft. Wer mehr als 120 Tage braucht, findet in How to extend the Windows Server 2008 evaluation period eine Anleitung zur Verlängerung, die auch auf Windows Vista und Windows 7 funktioniert.

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Danach muss man in der Systemsteuerung unter System und Wartung > System > Product Key ändern den gewünschten Key eingeben und den Server aktivieren (wem das zuviele Mausklicks sind: Rechter Mausklick > Eigenschaften auf den Eintrag Computer im Startmenü geht auch). Zum Wechsel von Retail- oder MAK-Version zu KMS gibt man den jeweils passenden Standardkey ein.

Operating System Edition

Product Key

Windows Vista Business YFKBB-PQJJV-G996G-VWGXY-2V3X8
Windows Vista Business N HMBQG-8H2RH-C77VX-27R82-VMQBT
Windows Vista Enterprise VKK3X-68KWM-X2YGT-QR4M6-4BWMV
Windows Vista Enterprise N VTC42-BM838-43QHV-84HX6-XJXKV
Windows Server 2008 Datacenter 7M67G-PC374-GR742-YH8V4-TCBY3
Windows Server 2008 Datacenter without Hyper-V 22XQ2-VRXRG-P8D42-K34TD-G3QQC
Windows Server 2008 for Itanium-Based Systems 4DWFP-JF3DJ-B7DTH-78FJB-PDRHK
Windows Server 2008 Enterprise YQGMW-MPWTJ-34KDK-48M3W-X4Q6V
Windows Server 2008 Enterprise without Hyper-V 39BXF-X8Q23-P2WWT-38T2F-G3FPG
Windows Server 2008 Standard TM24T-X9RMF-VWXK6-X8JC9-BFGM2
Windows Server 2008 Standard without Hyper-V W7VD6-7JFBR-RX26B-YKQ3Y-6FFFJ
Windows Web Server 2008 WYR28-R7TFJ-3X2YQ-YCY4H-M249D

Zum Wechslen von KMS auf Reail oder MAK gibt man einfach den jeweils vorhandenen, eigenen Key ein. Als Alternative kann man das auch über die Kommandozeile erldigen. Dieser zweite Weg ist vor allem auf der Server Core-Rolle notwendig, da hier die GUI nicht zur Verfügung steh. Man benötigt dafür eine Kommandozeile mit administrativen Rechten (Start > cmd > Shift+Strg+Enter). Hier gibt man dann ein:

cscript \windows\system32\slmgr.vbs /ipk <KmsSetupKey>

Den gewünschten Schlüssel nimmt man aus der obigen Tabelle. Wichtig ist, dass der Schlüssel so wie oben eingegeben werden muss, also auch inklusive der Striche zwischen den fünf Zeichen. Jetzt prüft man nach, ob der KMS auch erreichbar ist:

nslookup -type=SRV _vlmcs._tcp

Zum Schluss aktiviert man die Installation bei dem KMS:

cscript \windows\system32\slmgr.vbs /ato

Wann braucht man nun so etwas? Ich habe zum Beispiel einmal auf einem Laptop, den ich als Vorserienmodell zum Testen bekommen hatte, Windows Vista Enterprise installieren wollen. Das geht bei Microsoft intern über einen WDS sehr komfortabel. Zum Aktivieren steht ein interner KMS zur Verfügung. Leider bekam ich auf diesem Rechner nur den Error Code: 0xC004F059 bei Aktivieren zurück. Die Ursache erklärt der Artikel You receive an error message when you try to activate Windows Vista on a computer that was obtained from an OEM. Bei meinem Modell fehlten also die Lizenzinformationen im BIOS. Da kein BIOS-Upgrade zur Verfügung stand, konnte ich auf obigem Weg meine Windows Vista Enterprise-Version von KMS auf MAK umstellen und problemlos aktivieren. Ein zweites Beispiel ist ein Kollege, der einen Server Core von Retail-Medien installiert hatte und damit nachträglich auf KMS-Aktivierung umstellen konnte.

BTW: Wer die Aktivierung für zum Beispiel Testlabs nicht durchführen möchte und wen die Erinnerungen an die fällige Aktivierung während der Livedemos stören, kann die Benachrichtungen via Registry unterbinden. Man kann in der Registry unter HKLM \ SOFTWARE \ Microsoft \ Windows NT \ CurrentVersion \ SL \ Activation einen DWORD (32-bit) mit dem Namen NotificationDisabled anlegen. Setzt man den Wert auf "1", werden keine Benachrichtigungen mehr angezeigt. Das Ende der Testperiode muss man dann natürlich selbst im Auge behalten.

Weitere Informationen zu diesem Thema findet man auch im Volume Activation 2.0 Deployment Guide.