Zugegeben: die Sache verfolgt mich irgendwie. Denn seit ich vor mehr als einem Jahr das Buch von Jonathan Zittrain mit dem sperrig schillernden Titel „The Future of the Internet: And How to Stop it“ in die Hände bekam, scheint für mich die Debatte „offene“ vs. „geschlossene“ Systeme in einem einigermaßen schiefen Licht. Zeigt doch der nähere Blick auf die neuesten Appliances und Devices, dass heute beileibe nicht alles „offen“ ist, was „cool“ daherkommt.

„The iPhone is a product of both fashion and fear“ beschreibt Jonathan Zittrain treffend das Ringen um die Balance zwischen Komfort und Sicherheit, das heute weder auf Hersteller- noch auf Anwenderseite entschieden ist. Denn während sich die Erfinder geschlossener Systeme auf schicke, aber hermetisch verpackte Appliances berufen, die dem Anwender viel Freude und möglichst wenig Sorgen bereiten sollen, schrillen auf der Entwicklerseite die Alarmglocken, weil sie grundlegende Freiheiten bedroht und neue Abhängigkeiten entstehen sehen. Wer es beiden Seiten recht machen will, steht dabei meist auf verlorenem Posten.

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In diesem Zusammenhang aufschlussreich ist eine Grafik von Harvard Professor Tom Eisenmann, die ich im Blog von Chris Dixon fand. Sie zeigt, dass es höchste Zeit ist, den ehernen Systemgegensatz „offen“ vs. „geschlossen“ zu entideologisieren und differenziert zu zeigen, welche Effekte mit welcher Strategie verbunden sind: “Closed platforms provide more incentive for innovation because platform owner can collect and redistribute more rent and can ensure that there’s a manageable level of competition in any given application category. Open platform harnesses strong network effects, attracting more application developers, and  thus stimulates lots of competition. There’s some interesting recent work that suggests that markets may evolve in directions that favor the presence of one strong closed player plus one strong open player (consider: Windows + Linux; iPhone + Android). In this scenario, society/economy gets best of both approaches.”

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber irgendwie scheint es, als ob Tom Eisenmann von einer anderen Grafik spricht, wenn er die Proponenten für „offene“ und „geschlossene“ Zugänge gegenüberstellt. Microsoft steht jedenfalls eindeutig auf der “offenen” Seite.

posted by Wolfgang Tonninger