Nein, ich bin kein Entwickler. Aber mitunter ist es einfach so, dass mir mein Teller zu klein wird und ich nur mehr sehe, was neben dem Tellerrand liegt. So geschehen bei meinem jüngsten Projekt rund um Silverlight, das mich virtuell zur MIX10 nach Las Vegas und mitten hinein in die Entwickler-Community von Microsoft brachte. Und während ich mich noch insgeheim auf jede Menge Entwicklerlatein und knochentrockenes Meta-Coding einstellte, betrat der charismatische Bill Buxton die Bühne und zog mich in seinen Bann.

Die Rede war von Natural User Interfaces. Dabei ging es um nichts Geringeres als um die Zukunft der Interaktion zwischen dem Benutzer und seinen Anwendungen. Es ist wirklich beeindruckend, wie sehr Bill Buxton in der Lage ist, von weither ins Herz der Technologie zu stoßen. Hier ein paar Auszüge: “Nehmen wir an Technologie ist ein Spiegel.  Es geht nicht darum, wie cool eine Anwendung ist. Sondern “wie sehr sie imstande ist, meine natürlichen Bedürfnisse als Anwender abzubilden und meine Fähigkeiten zu erweitern … Schlechtes Design verstümmelt den Anwender. Gutes Design beflügelt ihn. Es geht nicht um Hardware und Software. Es geht darum, den Menschen mit seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten zu verstehen.”

Wie ernst es ihm damit ist, beweist Bill Buxton am Ende seiner Rede, als er auf das Projekt Gustave zu sprechen kommt. Es geht auch hier in erster Linie nicht um Features und Functions, sondern um den Respekt gegenüber den Fähigkeiten und Techniken eines Malers, die dieser ein Leben lang entwickelt hat. Gutes Design ist eines, das den Maler nicht zwingt, seine Techniken abzulegen, sondern gerade aus diesen heraus die Interaktion mit dem Künstler gestaltet.

Schauen Sie sich an, wie intuitiv und nahe an den Techniken des Malers sich das Paintbrushing-Programm Gustave bewegt. Schauen Sie (in der VIDEO-Timeline ab Minute 107) und staunen Sie!

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Und hören Sie vor allem als Anwender endlich auf damit, Ihre Wünsche im vorhinein zu beschneiden, wenn es um die Entwicklung von Software oder die Umsetzung von WEB-Anwendungen geht.

Hören Sie auf, in den Kategorien der Technologie zu denken und vertrauen Sie jenen Kategorien, die Sie tagtäglich begleiten. Und beginnen Sie wieder damit, aus diesem Alltag, aus Ihrem konkreten Leben heraus, Wünsche zu formulieren, die Sie an die Technologie herantragen. Sie werden sehen, dass heute schon sehr viel möglich ist.

Oder wie Bill Buxton es formuliert: “Wir haben heute die richtigen Tools für richtiges Design. Jetzt geht es nur mehr darum, auch das Richtige zu designen.”

posted by Wolfgang Tonninger