Zwei Krisen flankieren dieses Jahrzehnt, das mit dem Platzen der DotCom-Blase und 9/11 dramatisch begann und mit der Immobilien-, Automobil- und Bankenkrise auch dramatisch endet.

Was der Spiegel in seiner letzten Ausgabe "eine Dekade der Unvernunft und ein verlorenes Jahrzehnt" nennt, stellt sich jedoch technologisch ganz anders dar. Das Social Web von heute hat mit dem Web vor 10 Jahren nur mehr wenig gemein, Infrastrukturen sind dynamisch wie nie zuvor und auch auf der Zugangs- und Interaktionsseite hat sich viel getan.

Grund genug für uns, an dieser Stelle ein Interview mit Bob Muglia (im Bild), dem Head der Server and Tools Business Group von Microsoft, in leicht gekürzter Form wiederzugeben, in dem er die Entwicklungen des letzten Jahrzehnts Revue passieren lässt und einen Ausblick auf die Zukunft wagt.

image

PressPass: Welche der IT-Entwicklungen des letzten Jahrzehnts sind nachhaltig und werden in die Zukunft führen?

Muglia: Zum einen sehen wir eine Explosion auf der Zugangsseite - bei den Geräten und Möglichkeiten, wie wir zu Informationen kommen und diese austauschen. Dieser Prozess der Diversifizierung in Bezug auf Anwendungs- und Informationstypen ist noch lange nicht abgeschlossen.

Zum anderen hat das Web die Art und Weise verändert, wie wir Computer gebrauchen. Auch für Unternehmen wurde das Web zunehmend ein Instrument, um interne und externe Systeme, Prozesse und Informationen zu teilen, zu integrieren und zusammenzuhalten. So haben die ersten Beta-Versionen von .NET, die Microsoft im Jahr 2000 veröffentlichte, den Weg in Richtung SOA (Service Orientierte Architektur) und Web Service Entwicklung vorgegeben. Auch im Bereich Anwendungsentwicklung war das ein wichtiger Schritt, der es ermöglicht hat, Anwendungen geräteneutral zur Verfügung zu stellen.

Wichtig war auch die Entwicklung von selbstverwalteten Systemen - als Reaktion auf die zunehmende Komplexität von Enterprise IT-Umgebungen. Die Dynamic Systems Initiative war unsere Antwort darauf, wie IT-Abteilungen ihre Softwaresysteme in einem Klima der permanenten Veränderung betreuen können. Und: wir haben diese Vision auch wirklich umgesetzt. Heute basiert diese Dynamik auf  Anwendungsplattformen, mit denen man flexibel und rasch auf neue Geschäfts- und Technologieanforderungen reagieren kann.

Und dann gibt es natürlich das Thema der Virtualisierung. Das Besondere daran: es handelt sich dabei um ein langfristig wirksames Konzept, mit dem man sehr schnell ROIs und mehr mit weniger erreichen kann. Mehr Effizienz mit weniger Hardware- und Energieaufwand. Und: Auch der nächste große Schritt - Cloud Computing - wäre ohne Virtualisierung und die dynamische Verteilung von Arbeitslasten nicht denkbar.  

PressPass: Wie wichtig wird Cloud Computing im nächsten Jahrzehnt sein?

Muglia: Die Cloud wird zusammen mit Anwendungsmodellen der nächsten Generation zweifellos DAS Thema des nächsten Jahrzehnts sein. Die Vorteile für Unternehmen und ihre Kunden in Bezug auf Verfügbarkeit, Skalierbarkeit, Erschwinglichkeit sind so offensichtlich. Natürlich bedeutet das auch, dass in Zukunft Anwendungen ganz anders geschrieben werden. Auf dem Weg in die Cloud geht es zum einen darum, die Investitionen unserer Kunden abzusichern, zum anderen eine Basis zu schaffen, die sie in die Lage versetzt, auf einfache Weise bestehende Anwendungen zu modifizieren und neue zu schreiben, um die Cloud Potenziale zu realisieren. Es geht hier um neue Freiheiten für den Anwender, Cloud Anwendungen zu entwickeln, einzusetzen und zu skalieren.

Entscheidend dabei: Wir bieten kein Entweder-Oder. Es geht darum, dass Unternehmen den Mix zwischen OnPremise-Anwendungen bzw. OnPremise-Rechenzentren und begleitenden Cloud Services fahren können, der ihnen am besten entspricht.

Ich bin überzeugt davon, dass wir uns in wenigen Jahren an diese Zeit als eine Wendezeit erinnern. Obwohl wir heute die Auswirkungen für Handel, Wissenschaft, Technik und wirtschaftliche Entwicklung noch nicht absehen können, glaube ich ganz fest daran, dass wir über die Cloud und den dynamischen Gebrauch von Computer-Ressourcen im nächsten Jahrzehnt ganz erstaunliche Dinge bewegen werden. Natürlich passiert zur Zeit jede Menge Hype rund um die Cloud und natürlich steckt der Markt noch in den Kinderschuhen. Studien zufolge nutzen erst 4% der kleinen und großen Unternehmen die Vorteile, die die Cloud bietet ...

PressPass: Welche großen Veränderung erwarten sie für die Enterprise IT in den nächsten fünf Jahren?

Muglia: Die zwei großen Veränderungen sehe ich in den Bereichen Anwenderzentrierung und Rechenzentrum. Heute geht es darum, dem Anwender im Unternehmen alle Möglichkeiten zu bieten, damit er seinen Job gut und effizient gestalten kann - unabhängig davon, wo er sich befindet. Gleichzeitig müssen Richtlinien und Kontrollmechanismen entwickelt und etabliert werden, die sicherstellen, dass diese neue Beweglichkeit der Mitarbeiter mit den Geschäftserfordernissen des Unternehmens abgestimmt ist.

Im Bereich Rechenzentrum bewegen wir uns weg von einer Welt, in der jede Abteilung ihre eigenen Rechner und Anwendungen betrieb, hin zu einer Welt, in der Computer-Ressourcen dynamisch verfügbar sind und zu einem Bruchteil der Kosten verwaltet werden können. Der gemeinsame Nenner für beide Bereiche - Rechenzentrum-Back-End und Anwender-Front-End - heißt Flexibilität.

Unternehmen und Anwender sind heute viel fordernder gegenüber der IT als früher. Dieser neue Zugang wird den Wandel weiter beschleunigen und die Art und Weise, wie wir Technologie konsumieren, bereitstellen und erleben, grundsätzlich verändern.

Das komplette Interview in Englisch finden Sie hier!

posted by Wolfgang Tonninger