Die neue Studie von Microsoft Research über die Geschäftspraktiken der Schattenökonomie räumt mit dem Mythos auf, dass auf dieser Seite der Wirtschaft nur "Muss-Geschäfte" warten. "Die Ökonomie des Untergrunds wird oft als kriminelles Utopia des schnellen Geldes dargestellt, wo auch gänzlich Unbedarfte alles für Phishing Nötige erwerben, Hosting-Services anmieten und ihre Dienste dann über IRC-Kanäle profitabel vermarkten könnten. Dieses Bild hält einer Überprüfung jedoch nicht stand", schreiben Cormac Herley und Dinei Florencio in ihrem Forschungsbericht: "A Profitless Endeavor: Phishing as Tragedy of the Commons" (pdf-Datei).

Herley und Florencio zeichnen dagegen das Bild eines dualen Marktes (einem sogenannten Lemon Market), "in dem Newcomer" - also solche, die bei diesem kriminellen Spiel mitmischen wollen - "systematisch abgezockt werden."

Besonders interessant liest sich dieser Bericht - über den in der Futurezone ein halbes Jahr! nach Heise Online berichtet wird -, wenn es darum geht, die technische Infrastruktur zu beschreiben, die die Basis für Cyberkriminalität dieser Art bildet. Denn diese besteht in den meisten Fällen aus einem losen Netz von rund um die Welt gekaperten und ferngesteuerten Rechnern, die als Spamverteiler für Pishing-Raubzüge oder ähnliches genutzt werden. Gemeinsam ist all diesen Zombie-Rechnern, dass sie auf einem schlecht abgesicherten Betriebssystem laufen und die Besitzer zumeist keine Ahnung vom "Nebenjob" ihrer Rechner haben.

In einer Zeit, in der Mailstörungen beinahe zum Alltag gehören, Google einen Spam-Zuwachs von 52% bezeichnet und auch die nicht immer honore Twitter-Gemeinde den Abzockern in den eigenen Reihen beinahe hilflos gegenübersteht, ist diese Art Schattenwirtschaft im Netz zur hässlichen Normalität geworden.

Was in diesem Zusammenhang versöhnlich stimmt, ist, dass die Ergebnisse der Microsoft Studie zumindest mit dem Mythos aufräumen, dass sich mit Pishing mit wenig Aufwand viel Geld verdienen lässt: "Statt als einen einfachen Weg zum Reichtum, sehen sie Pishing als Tätigkeit für Geringqualifizierte, die wenig Einkommen abwirft" (Heise Online).

posted by Wolfgang Tonninger