Das Café Sperl bot den passenden Rahmen für ein Gespräch über "Business Intelligence to the Masses" und die neue BI-Strategie von Microsoft. Wimageir führten es mit Martin Zimmermann, seines Zeichens Blog-Mitstreiter und BI-Verantwortlicher in der Server Business Group von Microsoft Österreich, sozusagen in den eigenen Reihen: ungezwungene Fragen und ungeschminkte Antworten.

Hier ein Auszug aus dem Business-orientierten Teil. Wenn Sie mehr über die produktstrategischen Hintergründe (wie die Zukunft des PerformancePoint Server oder die Annährung von SharePoint Server und SQL Server) wissen wollen, dann lesen Sie die mindestens ebenso spannende Langversion am Serverweb!

Herr Zimmermann, es ist nicht lange her, da war Business Intelligence etwas total Elitäres und für Leute gedacht, die im stillen Kämmerlein irgendwelche Datenwürfel (Cubes) solange wendeten, bis sie daraus etwas ablesen konnten. Warum ist plötzlich alles anders?

image MZimmermann: Solche Leute gibt es heute auch noch, auch wenn ihre Beschreibung ziemlich überzeichnet ist. Entscheidend ist, dass heute die Türen zum Data Warehouse aufgestoßen sind und wettbewerbskritische Informationen den Leuten im Unternehmen, die mit Entscheidungen zu tun haben, direkt zur Verfügung gestellt werden. Damit rückt plötzlich der kommunikative Aspekt von Business-Intelligence in den Vordergrund. Denn was nützen die besten Auswertungen, wenn sie nicht kommunizierbar sind …

… weil jeder ein anderes Tool im Einsatz hat?

MZimmermann: Exakt! In der Praxis haben wir unterschiedliche Menschen, Teams, Abteilungen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Was passiert? Weil Sie vom Unternehmen nicht das bekommen, was sie brauchen, bauen sie sich selber irgendwelche Reporting-Tools – und produzieren damit ein Chaos, das für die IT-Abteilungen kaum mehr zu administrieren aber auch für die Anwender unbefriedigend ist, weil die Betrachtungsweisen und Auswertungen, die jeder ins Meeting bringt, nicht mehr zu vergleichen sind.

Kann es nicht sein, dass man das Data Warehouse zu sehr geöffnet hat und jetzt feststellen muss, dass BI eben doch kein Selbstbedienungsladen ist.

MZimmermann: So einfach ist das nicht! Mit der Self-Service-Analyse, die in der nächste Version des SQL Server hinzukommen wird, werden dem Endbenutzer, der kein Datenbank-Vorwissen hat, neue Möglichkeiten geboten, um persönliche Analysen zu machen, die seine Produktivität steigern. Das ist der „Selbstbedienungsladen“, den Sie meinen, und der ist wichtig. Auf der anderen Seite muss BI aber immer auch ein „Versandhaus“ sein, das vorkonfektionierte Lösungen anbietet – mit klar definierten KPIs (Key Performance Indicators) und Zielen, die an der Unternehmenskultur ausgerichtet sind.

Weil die Gefahr besteht, dass jeder seine eigenen Reports zieht, die  unterschiedlichen Perspektiven im Meeting jedoch nicht vergleichen kann - eben weil die organisatorische Einbettung fehlt?

MZimmermann: Richtig. Und deshalb versuchen wir hier einen Spagat – der die Bedürfnisse des Benutzers und sein Verlangen nach größtmöglicher Flexibilität ebenso berücksichtigt, wie die Anliegen der IT-Abteilung, die im Sinne der Unternehmensziele eine Kontrollinstanz sein muss, die für die Einhaltung von Standards in bezug auf Werkzeuge, Fragestellungen und Reports sorgt. Diese Alignment-Aufgaben einer organisatorisch verankerten BI wird der neue SharePoint Server als Vermittler zwischen der BI-Infrastruktur (mit dem SQL Server) und den Office-Anwendungen übernehmen.

Wie dynamisch kann man sich das Verhältnis von Personal BI (Ad-hoc Abfragen) und Organizational BI (Template-basiert) vorstellen?

MZimmermann: Sehr dynamisch. In den neuen Versionen wird es für den Admin möglich sein, aus einer Self-Service BI eine Organizational BI zu machen und damit auf die Anforderungen der Anwender zu reagieren. Wenn er sieht, dass viele Leute im Unternehmen immer wieder die gleiche Datenbankabfrage starten, kann er daraus einen Standardreport machen und ihn über das Sharepoint-Portal zur Verfügung stellen.

Was bedeutet diese organisatorische Ausrichtung der BI für die Rollenbeschreibung des IT-Managers?

MZimmermann: Während seine Aufgabe früher vor allem darin bestand, Datenbankserver aufzustellen und zu überwachen und Reports zu ziehen, ist er jetzt Service-Anbieter für die Fachabteilungen und muss sich um die Etablierung und Einhaltung eines Regelwerks kümmern, das mit den Unternehmensrichtlinien übereinstimmt. Der Vorteil: In Zukunft wird es einfacher sein, einen IT-Manager vom Business-Nutzen einer Lösung zu überzeugen, weil sein Job auch davon abhängt, dass er IT nicht als Kostenstelle, sondern als Produktivmotor begreift.

Stichwort Kosten: Was bringen all diese Veränderung auf der Kostenseite der Unternehmen, die Ihre Lösungen einsetzen?

MZimmermann: Eigentlich hilft alles, was wir bisher gesagt haben, auch dabei, die Kosten zu senken: 1) Wenn der Wildwuchs in Bezug auf Analysetools gestoppt wird, kann man bei Lizenzkosten, Supportkosten, Schulungskosten und Verwaltungskosten entscheidend einsparen. 2) Gleichzeitig führt die nahtlose Interaktion zwischen User und IT Back-End zu einer Standardisierung der Abfragen und damit wiederum zu produktiveren Mitarbeiter. Da haben wir 3) noch gar nicht davon gesprochen, was sich das Unternehmen ersparen kann, wenn durch das Alignment der früher getrennten Bereiche Entscheidungen präziser und rascher getroffen werden.

Was bedeutet für Sie dir Rede von einer „pervasiven BI“? Wie weit geht für Sie diese „Durchdringung“?

MZimmermann: Dass der Umgang jedes einzelnen Mitarbeiter mit Daten zur Intelligenz des Unternehmen beiträgt. Dass es nicht mehr die BI-Brille gibt, die man sich aufsetzt, sondern BI integrativer Bestandteil von Zusammen-Arbeit und Kommunikation ist. Und dass die Leute im Unternehmen gar nicht mehr wissen, welche Tools sie nun einsetzen, weil jedes einzelne Werkzeug eingebettet ist in eine intuitiv zu bedienende Office-Oberfläche.

Danke für das Gespräch.

Das Gespräch führte Wolfgang Tonninger