Zuerst wurde gemunkelt, dann wurde geschossen - den Vogel ab schoss dabei zweifellos die Computerzeitung, die in Ihrer Headline Gartner-Analyst Michael Silver (Foto) bemüht: "XP-Modus wird zum Alptraum" - heißt es da in BILDZeitung-Manier.

image Mit großen Lettern wird betitelt, was beim zweiten Hinsehen eher wie ein salopp formuliertes Missverständnis daherkommt als eine fundierte Analyse: „Das wird ein Alptraum für alle Administratoren, denn dann müssen sie pro PC zwei Betriebssysteme patchen, absichern, mit Antivirus-Software und einer Firewall ausstatten“, lautet seine massive Kritik, der er die Befürchtung nachstellt, dass die Firmen damit keine Notwendigkeit mehr haben, ihre veralteten Anwendungen auf Windows 7 anzuheben.

Wir halten an dieser Stelle inne und vergegenwärtigen uns, worum es eigentlichimage geht. Microsoft hat aus dem schwierigen Start mit Windows Vista offenbar die Lehren gezogen und bietet bei Windows 7 zeitgemäße Alternativen, die durch die Weiterentwicklung der  Virtualisierungstechnologie möglich geworden sind. Folgerichtig heißt es in den cnet news:
"Windows XP Mode is specifically designed to help small businesses move to Windows 7," Microsoft's Scott Woodgate said in the blog. "Windows XP Mode provides you with the flexibility to run many older productivity applications on a Windows 7 based PC."

Wenn man sich die Lifecycle-Prozesse in dynamischen IT-Umgebungen ansieht, wird man feststellen, dass es selten ein einheitliches Update-Niveau gibt. Rollouts laufen in der Praxis versetzt ab und werden auf die Bedürfnisse der einzelnen Abteilungen zugeschnitten - zumal es immer wieder Legacy-Anwendungen gibt, die nicht mehr portiert werden können und trotzdem für kleine Benutzergruppen spezifische Funktionalitäten in Systemnischen weiterhin anbieten.

Weil Dynamik und Heterogenität in der Praxis zusammengehören, sind die Freiheiten, die man durch Virtualisierung im Umgang mit unterschiedlichen Produktlebenszyklen erhält, so wichtig (siehe auch; Virtualisierung - eine Reise im Sitzen). Auf der anderen Seite bedeutet Virtualisierung immer auch einen Komplexitätszuwachs, der nur durch gesteigerte Management-Anstrengungen kompensiert werden kann - was Thomas Bittman, ebenfalls Analyst der Gartner Group, folgendermaßen auf den Punkt bringt: "Virtualization without good management is more dangerous than not using virtualization in the first place."  

Worauf ich hinaus will?

Ich glaube, dass man den XP-Mode von Windows 7 nicht zum Anlass nehmen sollte, seine Virtualisierungsvorbehalte zu formulieren. Komplexität muss gemanagt werden, das ist klar! Oder könnte es sein, dass Michael Silver Microsoft die Realität vorwirft, auf die der XP-Mode von Windows 7 eine Antwort gibt? 

posted by Wolfgang Tonninger