"Die Finanzmarktkrise und die auf sie folgende Weltwirtschaftskrise seien komplex wie keine zuvor, eröffnete der frühere britische Premier Tony Blair die Tagung. So komplex, dass sie selbst gestandene Experten vor Fragen stelle" - das lesen wir Anfang Jänner auf der Website der deutschen Bundesregierung.

Ich weiß, man soll das Wort "Krise" nicht in den Mund nehmen, denn es ist eines von jenen, das größer wird, wenn man es kaut. Und dann hat es auch noch so einen Beigeschmack, hinten am Gaumen - unangenehm. Ähnlich geht es mir übrigens mit dem Wort "Klima" - auch hier hat man das Gefühl, dass man wenig tun und eigentlich nur zuschauen kann. Es lähmt genauso wie das dritte K-Wort im Bunde, das im obigen Zitat gleich 2x vorkommt: "komplex". Der Satz: "Das ist ein komplexes Thema" meint landläufig so viel wie: "Es hat nicht viel Sinn, darüber zu reden."

Komplexität, so heißt es in Wikipedia, "bezeichnet allgemein die Eigenschaft eines Systems oder Modells, dass sein Gesamtverhalten nicht beschrieben werden kann, selbst wenn man vollständige Informationen über seine Einzelkomponenten und ihre Wechselwirkungen besitzt."

Vielleicht liegt das Problem einfach darin, dass man immer auf das Gesamte aus ist, statt Aspekte des Problems herauszunehmen, anzuschauen und darauf zu imagereagieren. Vielleicht liegt das Problem auch darin, dass wir einfachen Antworten misstrauen. Solchen, die auf einer Serviette Platz haben, die klar sind und einleuchtend und uns ins sofortige Handeln entlassen. Da bleiben wir lieber sitzen und lamentieren über die großen Sachen, die wir heute nicht ändern können. Und auch nicht morgen.

Wenn  Sie nicht darauf warten wollen, was uns die gestandenen Experten (das sind die, die uns die Krise eingebrockt haben und nun an ihr verdienen) erzählen, dann empfehle ich Ihnen das Buch von Dan ROAM: The Back of the Napkin. Es ruft in Erinnerung, wie einfach manche Dinge sind. Schönen Tag!

posted by Wolfgang Tonninger