Wir sprachen mit Claudia Virag-Sulzenbacher (Bild), Web-Consultant für KMUs und Master Mind hinter der Online-Plattform Enjoy Living, über Möglichkeiten und Hürden beim Einsatz von Social Software.

foto1 Frau Virag-Sulzenbacher, was ist der Grund dafür, dass kleinere Unternehmen ihre Web-Auslagen oft immer noch wie Abstellräume benutzen?

ClaudiaVS: Das hat damit zu tun, dass es im Bereich Web-Design kein einheitliches Umsetzungsniveau gibt und viele Unternehmen in Österreich immer noch davon ausgehen, dass die Gestaltung Ihrer Homepage nichts kosten darf. Daher wird vielfach einem Bekannter oder Verwandten, der irgendwann einmal ein Buch über Webseitenerstellung gelesen hat, zum „Freundschaftspreis“ die Gestaltung der Website überlassen.

Mit dem Effekt, dass man sich mit dem Webauftritt, der ein Schritt der kommunikativen Öffnung und in den Markt sein sollte, nur Unzufriedenheit und Abhängigkeiten einhandelt. Das sind kleine Tragödien, die sich hinter Unternehmenstüren abspielen, weil einem danach meist die Hände gebunden sind, etwas zu verändern.

Wie kann man sich davor schützen?

ClaudiaVS: Zuallererst indem man Kostentransparenz und eine gewisse Modularität einfordert. Das Prinzip von vorgefertigten Web-Modulen, die individuell angepasst werden können, hat für den Kunden viele Vorteile: es ist günstig und es bietet ihm einen Rahmen, in dem er sich die wichtigsten Fragen im Zusammenhang seines Web-Auftritts automatisch stellen muss. Zu guter Letzt muss man dem Kunden einen eigenen Administrationsbereich bieten, über den er seine Webseite jederzeit selbständig und ohne jegliche Programmierkenntnisse warten und erweitern kann. Alles andere ist Kundenknebelung, also falsch verstandene Kundenbindung.

Welche Möglichkeiten haben kleinere Unternehmen, das Web als Marketing- oder CRM-Instrument einzusetzen?

ClaudiaVS: Da gibt es viele Möglichkeiten im Bereich themenspezifischer Werbung, Suchmaschinen-Marketing und individualisierter Kommunikaiton, die heute oft noch ausgelassen werden. Mund-zu-Mund Propaganda ist nicht erst seit Einführung des Internets ein wichtiges Instrument zur Neukundengewinnung. Online-Networking basiert auf demselben Prinzip. Und wie im wirklichen Leben, geht es auch hier nicht um einmalige Aktivitäten, sondern um regelmäßiges, aktives „Net“-Working.

Dabei geht ja nicht nur um technische Möglichkeiten, sondern auch um neue Kulturtechniken. Wo gibt es für kleine Unternehmen mehr zu tun?

CVS: Ich denke, dass KMUs ihre Potenziale in beiden Richtungen noch viel zu wenig ausschöpfen. Beispielsweise sind bis zum Jahr 2013 allein an EU-Fördergeldern knapp 1,5 Milliarden Euro für österreichische Unternehmen reserviert – viele dieser Fördermittel bleiben jedoch ungenutzt. Warum? Weil viele Unternehmen Angst haben hinsichtlich der Komplexität des Förderansuchens. Dabei gibt es auch hier spezialisierte Unternehmen, die Firmen bei der Antragsstellung beratend und unterstützend zur Seite stehen. Das Entscheidende dabei: selbst diese Kosten können gefördert werden.

Ebenfalls von nur wenigen Unternehmen werden bis dato Synergieeffekte im Rahmen von Gemeinschaftsprojekten genutzt. Für eine Firma alleine ist ein Messestand oft zu teuer – aber wenn sich die Kosten auf zwei oder mehrere Unternehmen aufteilen, die sich optimalerweise auch inhaltlich noch ergänzen, wird die Messepräsenz auf einmal doch leistbar.

Für diese Art des Networking gibt es halt immer noch große Barrieren im Kopf. Dabei wäre es im Umfeld des Web 2.0 so wichtig!

CVS: Sie sagen es. Viele Unternehmen verzichten darauf, sich zu profilieren, nur weil sie Angst haben, dass Ihnen die Konkurrenz etwas klauen können. So steht man sich stumm in einer Art Pattstellung gegenüber – wie das Kaninchen und die Schlange. Das Web 2.0 ist aber vor allem eines: dynamisch. Diese Dynamik muss man sich zutrauen und bereit sein, in Wettbewerbsvorteile zu verwandeln. Darum geht es. Wer stattdessen immer nur zur Konkurrenz schielt, wird selber keinen Schritt machen, der ihm einen Vorsprung verschafft ... 

Das gesamte Interview finden Sie im KMU-Web von Microsoft Österreich.

posted by Wolfgang Tonninger