Was vor 25 Jahren der Fuchsschwanz am Opel Manta oder die Tachometeranzeige, sind heute die Bits, die wir täglich schaufeln. Je mehr unsere Inbox droht, aus den Nähten zu platzen, desto potenter fühlen wir uns.

Doch was tun wir mit diesen Daten? Machen wir etwas aus ihnen oder versuchen wir nur, sie möglichst schnell wieder loszuwerden, indem wir sie forwarden? Es ist wie beim Fußballspiel: suchen wir den Pass in den leeren Raum, wo plötzlich alles einfach wird oder schieben wir den Ball sehr österreichisch zu einem bereits bedrängten Mitspieler, damit er den Fehler macht - Hauptsache der Ball ist weg.

Eckbuehlplaetz

 

 

Der Wikipedia-Beitrag zum Thema (und das dazugehörige Foto) bestätigen übrigens den Fuchschwanz als Narrenattribut.

 

Solange wir den Blick nicht heben, werden wir so weitermachen. Jeden Tag weiter ziellos Informationen schaufeln. Und Analphabeten des digitalen Zeitalters bleiben. Wir werden weiter in der TASCHE leben, wie Don DeLillo in seinem Roman Unterwelt einen "geschützten" Arbeitsplatz irgendwo in der Wüste von Utah nennt, wo Menschen in den 70er Jahren an Atomsprengköpfen wie an Modellflugzeugen bastelten, weil sie das, was sie taten, nicht einordnen konnten:

"Die Tasche war einer jener netten Gemeinschaften, die die Welt ersetzen. Sie war die Welt, persönlich gestaltet und durchweg interessant, denn sie bestand nur aus dem, was man tat, man selbst und andere wie man selbst, sie war von sich selbst umgeben, auf sich selbst bezogen, und man tat alles gemeinsam, an einem Ort und in einer Sprache, die anderen nicht zugänglich waren."

Die Tasche ist Ihre Arbeit. Und wenn Sie nicht aufpassen, werden Sie bald nur mehr in und aus Ihrer Tasche leben!

Das Buch zum Thema schrieb Usability-Guru Mark Hurst und nennt sich Bit Literacy. Wir haben 3 Exemplare vor uns liegen und wundern uns, warum sie niemand abholt? Ja, ja ich weiß. Sie haben heute noch 150 Mails zu lesen.

posted by Wolfgang Tonninger