Gestern wurde auf Focus Online über eine HP Studie berichtet, die sich mit den Kosten des Linux Projekts der Stadt München beschäftigt. Der Focus Artikel findet sich hier.

Es dürfte nicht überraschen, dass wir nach den erstaunlichen Aussagen der Stadt München zu den vermeintlichen Sparerfolgen ihrer Linux Strategie eine Menge Fragen zu beantworten hatten, auch intern von vielen internationalen Microsoft Kollegen und aus der Zentrale in Redmond. Wir haben die Studie deshalb primär für uns selber in Auftrag gegeben, um einmal faktenbasiert eine klare Sicht auf den wirklichen Zustand zu bekommen und die Diskussionsgrundlage zu verbessern.

Zu den Inhalten:

Ja, Microsoft verkauft kommerzielle Software, Services und Devices und verdient damit Geld. Punkt.

Aber…

Nicht nur Microsoft verdient, sondern vor allem auch die lokalen Partner, vornehmlich aus dem Mittelstand. Jeder Euro, den Microsoft verdient, induziert etwa 8 Euro Umsatz bei den Partnern… und das sind dann keine Lizenzkosten, sondern im Wesentlichen Beratungs-, Implementierungs- und Unterstützungsleistungen, sprich: Arbeitsplätze. Auf einen Arbeitsplatz von Microsoft in Deutschland kommen etwa 100 Arbeitsplätze bei den Partnerunternehmen. Wer also nur von der „Lizenzkrake“ spricht, könnte auch mal weiter denken…

Microsoft investiert Jahr für Jahr einen erheblichen Teil seine Umsätze in Forschung- und Entwicklung, im Jahr 2011 waren dies rund 9 Milliarden US Dollar.  Hieraus entstehen Innovationen mit breiter Wirkung in vielen Bereichen der IT Industrie und darüber hinaus, die ohne eine Gegenfinanzierung über Einnahmen niemals denkbar wären.

Und ja, wir denken, dass Anwender mit Open Source basierten Lösungen allein zu große Einschränkungen hinsichtlich Funktionalität, Sicherheit, Anwenderfreundlichkeit oder Integrierbarkeit eingehen müssen und haben keine Bedenken, uns da dem Wettbewerb zu stellen. Open Source Software ist heute ein wichtiges Element und ein Innovationstreiber der IT, dem sich auch Microsoft z.B. in der Cloud absolut geöffnet hat. Wir sind nicht gegen Open Source Software, sondern für anwenderfreundliche Lösungen, die für den Steuerzahler wie für den Anwender vertretbar sind.

Daher unterstützen wir in erheblichem Umfang Open Source Projekte. Allein auf unserer Open Source Plattform Codeplex sind über 28,000 Open Source Projekte von über 300,000 registrierten Usern entstanden. Deutsche Start-ups und Unternehmen wie Agheera, Symfony und MobileBits setzen auf Microsofts Offenheit und verwirklichen ihre Open Source Projekte auf der Microsoft Cloud Plattform Windows Azure, auf der wir auch z.B. Apache Hadoop Cluster für Big Data Projekte anbieten.

Und ja, die Studie belegt: Berücksichtigt man bei den Gesamtkosten alle Variablen (Total Cost of Ownership), bietet der Einsatz von Microsoft Produkten häufig eben doch erhebliche wirtschaftliche Vorteile gegenüber einer undifferenzierten Open Source Strategie. So denken wir auch, dass der Umfang des IT Personals, das in München für die Umsetzung der Linux Strategie erforderlich ist, erheblich über dem erforderlichen Personalumfang der IT Abteilungen anderer Kommunen liegt.

Wir möchten also gerne die Diskussion zu Nutzen und Wirtschaftlichkeit jenseits beliebter Dogmen und Vorurteile führen. Dazu sollte man aber zunächst akzeptieren, dass Open Source nicht per se „gut“ und „kostenlos“ ist und Microsoft (oder auch andere kommerzielle Software) grundsätzlich „böse“ und „teuer“.

Man kann und sollte alle Studien, Kalkulationen und Untersuchung sicher immer hinterfragen… warum dann nicht auch mal die Berechnung der vermeintlichen Einsparungen in München?

Thomas Langkabel

National Technology Officer
Microsoft Deutschland