Windows 8 startet durch und mit dieser Version von Windows startet gleichzeitig die größte App Plattform, die es je gegeben hat. IDC geht davon aus, dass im nächsten Jahr über 400 Millionen PCs weltweit verkauft werden. Jede App, die in den Windows Marketplace gepublished wird, trifft also potentiell auf einen gigantischen Zielmarkt. Doch was bedeutet das eigentlich? War Windows nicht schon davor die größte Softwareplattform und warum sind plötzlich alle so wild auf Apps? Was unterscheidet Apps von bisher üblichen Windows Programmen und was bedeutet das für Benutzer, Programmierer und Unternehmen?

Mit Blick auf das App Phänomen glaube ich, dass sich die IT Branche derzeit komplett im Umbruch befindet. Die Änderungen fangen bei den technologischen Anforderungen an, erstrecken sich über typische Einsatzszenarien für Software und reichen bis in die Geschäftsmodelle, mit denen aus App-Plattform und App-Entwickler ein App-Ecosystem wird.

In diesem ersten Post möchte ich eine Definition versuchen und der Frage nachgehen, was eine App von klassischer Anwendungssoftware unterscheidet.

Apps – Versuch einer Definition

Wenn man - wie ich - einen technologischen Hintergrund hat, ist es sehr naheliegend, Apps zunächst technisch zu betrachten. Dabei fällt auf, dass Apps im Grunde relativ einfach zu fassen sind. Als eine App wird eine Software bezeichnet, die folgende Kriterien erfüllt:

  • Konzentration auf einzelne Anwendungsszenarien (Apps sind „einfach“)
  • Bedienbarkeit / Design als Mehrwert für den Nutzer spielt eine zentrale Rolle
  • Technologisch meist „leichtgewichtig“, Technologien im Web-Umfeld spielen eine wichtige Rolle.
  • Deployment über wenige Mechanismen (bei Apple und Windows 8 im Normalfall nur über einen Kanal, dem jeweiligen Store)
  • Lokale Resourcen und Cloud-Dienste werden gleichermaßen genutzt (eine App funktioniert damit z.B. auch offline)

Wir bei Microsoft waren uns schon immer der extrem wichtigen Rolle bewußt, die Entwickler für den Erfolg einer Plattform spielen. Beim Design der Windows 8 App Plattform spielen wir damit auch eine Stärke aus. So unterstützt Windows 8 beispielsweise die komplette Bandbreite üblicher Technologien, um native App Entwicklung zu betreiben. Ob der Entwickler nun einen Web Hintergrund hat und damit bei HTML5/Java Script zu Hause ist oder C#/XAML, Basic oder C++ seine Lieblingstechnologie ist, spielt keine Rolle. Man kann mit all diesen Kombinationen Apps nativ entwickeln. Damit sind wir gleich bei einem weiteren Superlativ: Noch nie hatten derart viele Entwickler einen derart leichten Zugang zu einer App Plattform.

Doch ist das wirklich schon alles? Wenn man sich den Kriterienkatalog weiter oben ansieht, dann kommt man nicht umhin, dass das doch auch früher schon auf manche Software zugetroffen hat. Und erklärt sich damit tatsächlich schon der Erfolg des Modells? Ich denke, es fehlt noch ein zentrales Element: Der Nutzer...

Von „Ease of Use“ zur App als ersten Schritt zum endgültig persönlichen Computer

Technisch sind Apps nicht spektakulär. Dennoch gibt es - verglichen mit klassischer Standardsoftware - einige eklatante Unterschiede: 

  • Der Benutzer steht bei erfolgreichen Apps kompromisslos im Vordergrund.
  • Design ist wichtig.
  • Apps werden meist exklusiv betrieben und haben Zugriff auf den Großteil der Systemresourcen, während Standardsoftware häufig mit vielen anderen Anwendungen gleichzeitig aktiv ist.
  • Während Software eher wie ein Werkzeug gewählt und seine Verwendung erlernt wird, lässt sich der Einsatz von Apps mit Konsum von Software vergleichen.
  • Durch den Erfolg von natürlichen Eingabemöglichkeiten wie Berührung und Stimmeingabe werden Apps immer einfacher bedienbar.

Es ist also der Benutzer, der letztlich durch die einfache Auffindbarkeit, die hohe Start- und Ausführungsperformance und durch die zunehmend attraktiveren Designs angesprochen wird und damit indirekt die Entwicklung von App Plattformen voran treibt. Bisherige Betriebssysteme lassen Anwendungen dabei häufig wie ein separates Element erscheinen, sie werden im Betriebssystem gestartet und agieren dann für sich allein. Mit Apps jedoch verschwimmen die Unterschiede zwischen System und Software zunehmend. Die Apps ermöglichen dabei, ein Gerät systematisch auf persönliche Bedürfnisse, Vorlieben, ja, auf das eigene Leben anzupassen. Damit werden Computer, ganz gleich ob es sich nun um ein Telefon, einen Tablet, einen Notebook oder ein Entertainment-System, handelt perfekt auf mich abstimmbar.

Der Nutzer konfiguriert sich sein persönliches System. Je besser das gelingt, desto stärker die App-Plattform. Drei Kernbedingungen müssen dabei erfüllt werden:

  1. Es müssen Apps für die für mich wichtigen Aufgaben und Lebensbereiche vorhanden sein.
    Da gibt es nichts herumzudeuten: Je mehr gute Apps eine Plattform bietet, desto mehr lässt sie sich anpassen. Wir starten mit einer Plattform neu in den Markt. Natürlich sind da noch nicht alle Szenarien abgedeckt. Allerdings zeugen bereits jetzt tausende Registrierungen und eine rasant steigende Anzahl übermittelter Apps davon, dass das ein vorübergehender Zustand ist.
     
  2. Die Plattform muss es hergeben, diese Apps möglichst nahtlos ineinander zu verweben.
    Ob es nun Bedienkonzepte allgemein oder Kernfunktionen wie die Suche von Information, das Mitteilen oder Freigeben oder zentrale Einstellungen sind: Je mehr die Mischung an Apps sich für den Nutzer in der Bedienung als ein großes Ganzes anfühlt, desto besser. Unter Windows finden sich zentrale Bedienelemente wie Suchfunktion oder die Möglichkeit, Inhalte mit anderen Apps zu teilen, an zentraler Stelle. Die Apps können interagieren, ohne sich untereinander bekannt zu sein. Die Bedienung dabei ist einheitlich und der Nutzer damit produktiver.
     
  3. Kernaufgaben des Nutzers sollten im Mittelpunkt der Plattform stehen
    Was sind Kernaufgaben? Interaktion mit anderen Nutzern, Informationskonsum, Datensicherheit,... Diese Elemente und viele mehr sind in Windows 8 zentral eingebunden. Ob es nun die Funktionen des Personen-hubs, der News App oder die bewährten Möglichkeiten, in Windows Informationen auf Nutzerbasis abzusichern, sind. All das bereichert natürlich auch die App Plattform und sorgt dafür, dass von Anfang an die Infrastruktur existiert, um dem Nutzer vom Wohnzimmer bis ins Rechenzentrum zu unterstützen und zu unterhalten.

Nutzen Apps zusätzlich noch die Möglichkeit, Einstellungen und Daten in der Cloud abzulegen, verschwimmen für den Nutzer auch die Grenzen zwischen den Devices. Nutzt er dann beispielsweise auf Telefon, Tablet oder Notebook die selben Apps, dann kann er seinen persönlichen Kontext dort jeweils mitnehmen.

Ein kleines Fazit

Apps sind technisch also erstmal kleine Anwendungen. Schaut man aber genauer hin und betrachtet dabei die Rolle des Anwenders, dann sind sie aber auch gleichzeitig viel mehr als das. Durch sie lassen sich moderne Devices umfassend auf den jeweiligen Nutzer anpassen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen den Apps, dem Betriebssystem und bei konsequenter Nutzung der Möglichkeiten auch zunehmend den unterschiedlichen Devices. Windows ist dabei die einzige Plattform am Markt, die tatsächlich all diese Formfaktoren bedient und sich vom Wohnzimmer bis ins Rechenzentrum erstreckt und dabei auch Privat- wie Unternehmenswelt verbinden kann.

In jedem Fall befinden wir uns am Anfang einer neuen Ära der IT Nutzung: Der PC Plus Ära. Aus dem „Personal Computer“ wird „personalized Computing“. Das personalized Computing beginnt mit Apps und einer zunehmend flexiblen Hardwareplattform und wird ultimativ die Beziehung des Einzelnen zu IT und Kommunikation verändern und die digitale Identität jedes Einzelnen definieren.