Hier ein Thema an dem sich echt die Geister scheiden oder auch manch eine hitzige Diskussion ihren Anfang findet – wie rette ich Funktionen meines alten Windows XP Arbeitsplatzes, die nun mal partout nicht unter Windows 7 funktionieren wollen?

Den alten Rechner am Platz stehen lassen und per KVM Switch zwischen alt und neu wechseln mag ja charmant klingen, dürfte aber nur in den wenigsten Fällen ein praktikabler Ansatz sein. Mancher sagt vielleicht, klar, ab auf einen Terminal Server. Dumm nur, wenn der sinnvollerweise auf Windows Server 2008 R2 läuft. In der Regel kommt die Antwort “XP Mode”, also die für Windows 7 Enterprise Edition und Ultimate verfügbare/lizenzierte Windows XP SP3 VM, die man nur herunterladen und installieren muss. Nachteil: Ich muss alle Anwendungen neu installieren, damit ich sie dort nutzen kann.
Anmerkung: Der häufig zitierte Grund, dass dies nur auf Rechnern funktioniert, die die Hardware unterstützte Virtualisierung unterstützen gilt schon lange nicht mehr, solange man den den dann benötigten Hotfix (KB977206) installiert hat.

Aber: Die Lösung ist da.

Das Tool, das die ganze “Magie” erledigt, gibt es schon länger: disk2vhd, ein Sysinternals Tool. Mit dem gerade erschienenen Solution Accelerator “P2V Migration for Software Assurance” (Download Link) lässt sich dies im Rahmen des Deployments bzw. der Migration erledigen. Durch die enge Integration in die Aufgabensequenzen des Microsoft Deployment Toolkit ergibt so eine abgerundete Migration bestehender Windows XP Maschinen – der existierende Rechner wird als virtuelle Festplatte für Virtual PC oder Hyper-V gespeichert und danach automatisiert Windows 7 mit den benötigten Komponenten und Anwendungen auf dem Rechner installiert. Per USMT (User State Migration Toolkit) werden dabei auch die Daten und Einstellungen vom alten Rechner auf die neue Installation übernommen.

Am Ende steht einmal eine neue Installation mit den benötigten Anwendungen. Die Daten und Einstellungen des Benutzers sind soweit sinnvoll, möglich und vorgesehen dabei übernommen worden. Zur Sicherheit oder für den Fall, dass es keine kompatible Lösungen für bisherige Anwendungen gibt, existiert die alte Arbeitsumgebung als virtuelle Maschine weiter. Je nach verfügbarer lokaler Leistungsfähigkeit kann die Maschine lokal unter dem Windows Virtual PC laufen oder aber zentral auf einem Server mit Hyper-V.

Zwei Punkte will ich aber noch besonders anmerken: Wie auch beim genannten Solution Accelerator erwähnt, sollte die Möglichkeit der Virtualisierung nicht das Allheilmittel für alle Systeme sein! Es ist auf jeden Fall bei weitem sinnvoller, sich der Kompatibilität der Anwendungen zu widmen und hier die Probleme zu lösen, auch, wenn dies heißen sollte neue Anwendungen für benötigte Funktionalitäten zu beschaffen. Es ist immer sinnvoll, erst einmal die Virtualisierung als den letzten möglichen Notnagel zu betrachten. Der wird vermutlich eh noch häufig genug benötigt.
Der zweite Punkt ist die Anmerkung unten auf der Seite von “disk2vhd” – die beschriebene Virtualisierung setzt bestimmte Windows Lizenzen voraus. Beispiel: Eine reine OEM Lizenz reicht nicht aus, um korrekt lizenziert zu sein. Das ist auch der Grund, warum der Solution Accelerator “… for Software Assurance” benannt ist.