Es muss 1989 gewesen sein. Mein Studium neigte sich dem Ende zu, unzählige Seminararbeiten hatte ich mühevoll auf einer Reiseschreibmaschine getippt. Meine Finger waren ständig weiß, die Firma Tipp-Ex hatte ein Vermögen an mir verdient. Nun stand die Examensarbeit bevor, und es war klar, ein Computer musste her. Ich entschied mich damals für einen Apple Macintosh SE1/20 - die 20 stand tatsächlich für stolze 20 MB Festplattenspeicher. Studenten bekamen den exotischen „Würfel“, der bereits über eine grafische Benutzeroberfläche verfügte, zu einem – immer noch unverschämten – Sonderpreis.

Mit dem Mac kam die Textverarbeitung Word 4 in meine Studentenbude. Es war von Anfang an eine Offenbarung. Das Tipp-Ex-Zeitalter war beendet. Unter den unzähligen Innovationen, die Word in mein akademisches Leben brachte, war mir die heute so selbstverständliche Copy-and-Paste-Funktion die wichtigste. Wer jahrelang auf einer Schreibmaschine getippt hat, weiß, was für einen Fortschritt es bedeutet, Textpassagen ausschneiden und an anderer Stelle wieder einfügen zu können.

Textverarbeitungen waren damals zwar nicht mehr neu, aber den meisten Menschen doch noch fremd und etwas unheimlich. Ich erinnere mich an eine Diskussion mit meinem Professor, der die durchaus gängige Meinung vertrat, Copy and Paste schade dem Gedankenfluss im Text und verursache inhaltliches Chaos. Die lineare Schreibweise handschriftlicher oder per Schreibmaschine verfasster Texte hingegen führe zu geordneten Ergebnissen. Offensichtlich hatte der Hochschullehrer noch keine praktischen Erfahrungen gesammelt.

Meine Macintosh-Word-Kombination jedenfalls funktionierte tadellos. Formatierungen, Seitenzahlen, Ränder, sogar die Fußnoten auf den Seiten bekam ich sauber hin. Und trotzdem wurde das digitale Erlebnis erst einmal getrübt. Schuld war mein gebraucht erworbener Neun-Nadel-Drucker, dessen Schriftbild nicht mal mit meiner Reiseschreibmaschine mithalten konnte. Also kopierte ich die Examensarbeit auf eine Diskette (!) und marschierte zu einem Freund, der bereits einen Tintenstrahler von HP besaß. Die Examensarbeit war gerettet und – wer hätte das gedacht – der Professor konnte meinen Gedanken folgen.

Wenn ich ehrlich bin, war Word 4 auf dem Knubbel-Mac für mich das eigentliche Erweckungserlebnis. Dieses Programm hatte schon sehr viel von dem, was eine optimale Textverarbeitung bis heute braucht. Deshalb mein Tipp an Microsoft: Lasst Word in Ruhe und kümmert Euch um all die anderen Programme!


Ein Gastbeitrag von Heinrich Vaske
posted by Diana Heinrichs

#officeparty

25 Jahre: das entspricht einer Silberhochzeit, der Reifezeit eines sehr edlen Single-Malt-Whiskeys, zwei bis drei „Goldenen Generationen“ im Weltfußball, drei bis vier Bausparverträgen – und eben der Karriere eines der meistgenutzten Bürosoftwarepakete des Globus. Mit 25 Gastbeiträgen feiert Microsoft auf dem offiziellen Presseblog den großen Office-Geburtstag.

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Autoren-Information

Heinrich Vaske

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Dieser Aufgabe widmet er sich in enger, kooperativer Zusammenarbeit mit dem Redaktionsteam. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Privat gehört sein Herz seiner Familie und dem SV Werder Bremen.