#schhabhals wie man hier in Köln sagt, oder anderswo vielleicht: Mir schwillt der Kamm.

Und zwar jedes Mal, wenn ich Anne Haemings Kritik an Microsofts "Manifest für ein neues Arbeiten" lese.

Verstehen wir uns nicht falsch. An dem Manifest kann man sich durchaus abarbeiten. Die Thesen sind nicht alle neu. Nicht jede Arbeitsumgebung lässt sich auf dem Tablet abbilden. Und außerdem ist alles sehr lila.

Aber darum soll es hier gar nicht mehr gehen. Heise und die Heise Diskutanten haben das wesentliche dazu schon gesagt, mal mehr, mal weniger glaubwürdig, mal mehr, mal weniger gut erzogen, mal mehr, mal weniger intelligent. Jeder einzelne dort hat ein paar subjektive (mal mehr, mal weniger gute) Gründe für seine Meinung. Der Spiegel jedoch tut nicht mal so, als würde er sich mehr Gedanken machen als der Durchschnittstroll. Anne Haeming errechnet in ihrem total kritischen Stück einfach die Summe aller “weniger” und kommt dann zu folgendem Fazit:

    • Arbeit ist Mist, Freizeit ist gut.
    • Der Unternehmer ist ein neoliberaler, raubtierkapitalistischer Ausbeuter.
    • Alle Arbeitnehmer sind Opfer.
    • Wer Geld verdient, darf keine Meinung haben.
    • Lieber #mallassen als #einfachmachen.

Anne Heaming, ich fasse meine Meinung dazu mit Hilfe meines Großen Latinums mal folgendermaßen zusammen: “Si tacuisses, philosophus mansisses.” (Ich spare mir den Link zur Übersetzung, den können Sie mit Hilfe Ihres Smartphones bestimmt ganz schnell rauskriegen.) Ich halte ihren Beitrag für ziemlich schlechten Journalismus, den sie besser bei Heise im Forum gepostet als im SPON veröffentlicht hätten.

Etwas differenzierter, oder zumindest wortreicher, will ich dazu sagen:

    • Vielen Leuten macht Arbeit Spaß. Die tun das freiwillig und manchmal sogar abends und zu Hause, wenn sie noch Lust drauf haben. Gerade die, die sich einen Traum erfüllen, etwas Eigenes gründen, einen Plan haben und #einfachwasmachen wollen. Und viele von denen können das erst, seitdem es günstige, überall verfügbare Infrastruktur gibt, die es ihnen ermöglicht, sich schon mit einer kleinen Zuwendung von Oma selbständig zu machen.
    • Viele Menschen müssen viel arbeiten, weil ihr Unternehmen im Wettbewerb steht, manchmal sogar in einem globalen. Da sind sie froh, wenn sie jederzeit reagieren, mitarbeiten und dennoch gleichzeitig Fotos von ihren Kindern für die Dropbox (sorry, das OneDrive) machen können. Das ist jedenfalls besser als Quality Time mit der Familie in der ARGE.
    • Mitarbeiter dürfen in Deutschland nicht nur mitmachen sondern auch mitreden und mitbestimmen. Deshalb löscht Daimler z.B. die Emails im Urlaub. Steht im Spiegel
    • Ich bin gegen Gartzweiler, Fracking und gegen CO2 und Wasserverschmutzung im Allgemeinen. Ich mag Wissensarbeiter. Die machen weniger Dreck. Folgerichtig finde ich es gut, wenn Unternehmen wie Microsoft mit der Digitalen Transformation Geld verdienen, auch wenn sie zu diesem Zweck ein Manifest veröffentlichen. Das ist nicht weniger wert, nur weil es den Absatz steigert. Unternehmen wie Microsoft – ganz zu schweigen von unseren hoffnungsvollen Berliner Startups – gestalten unsere Zukunft mit. Und sie haben jedes Recht dazu.
    • Sie sind Freie Journalistin. Das verdient Respekt. Denn irgendwann haben sie einfachmalgemacht und jetzt schreiben Sie für ein Online Magazin mit sehr großer Reichweite.  Sie haben sich die Freiheit genommen – also gönnen sie das auch anderen. Bei der Arbeit, zu Hause, im Biergarten.

Anders gesagt: Ich würde mir einfach wünschen, dass Journalisten wie Sie Dinge von mehr als einer Seite beleuchten. Die Polemik ist mir für den Spiegel zu unreflektiert und billig. Vielleicht braucht’s hier und da bessere Manager. Aber auch im Journalismus ist noch Luft nach oben.

Und jetzt noch die Disclaimer:

Ich bin Unternehmer. Aber mein Vater war Lehrer. // Ich arbeite mit Microsoft Produkten. Aber auch mit welchen von IBM. // Ich habe ein Buch mit Thomas Mickeleit veröffentlicht. Aber auch mit Lars Dörfel. // Ich habe eine Familie mit drei Kindern. Aber auch viel Spaß an der Arbeit. // Ich verdiene mein Geld mit dem Thema. Aber ich schalt’ jetzt meinen Rechner aus.

 

Posted by Diana Heinrichs

PR-Managerin Vernetztes Arbeiten

Mit seinem Manifest fordert Microsoft eine Debatte zum neuen Arbeiten in Deutschland. Starre Büroarbeit soll flexiblen und mobilen Arbeitsverhältnissen weichen, traditionelle Hierarchien müssen sich auflösen und Unternehmen vielmehr wie ein Netzwerk arbeiten. Was Blogger, Wissensarbeiter und Vertreter der digitalen Gesellschaft dazu zu sagen haben, teilen sie uns in Gastbeiträgen mit.