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Gastbeitrag von Raul Krauthausen: Digitales Feuer

Gastbeitrag von Raul Krauthausen: Digitales Feuer

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Da ich Rollstuhlfahrer bin, muss ich meinen Alltag anders planen: ich kann nicht jedes Café besuchen, brauche von A nach B je nach öffentlichen Verkehrsmitteln manchmal länger und bin auch an einigen Stellen auf Assistenz angewiesen. Dazu bin ich aber auch ein sehr kommunikativer Typ und freue mich, wenn ich mit anderen Menschen in Kontakt komme. An der Stelle sind neue Kommunikationskanäle allen voran Smartphones ein wichtiges Mittel geworden. Denn wenn es schon schwer wird, sich in einem Café zu treffen, dann ist Skype schon eine bessere Lösung als ein schnödes Telefonat. Manche Mails können auch schnell von unterwegs beantwortet werden und es ist einfacher gemeinsam an einem Dokument zu arbeiten, als alleine vor sich hin.

Digitale Güter sollen jedoch auf keinen Fall ein Ersatz für das persönliche Treffen werden und deswegen setzen wir uns auch in der Arbeit des SOZIALHELDEN e.V. stark dafür ein, dass Barrieren abgebaut werden und Inklusion gefördert werden. Eines unserer Werkzeuge ist dafür Wheelmap.org eine Onlinekarte zum Suchen und Finden von rollstuhlgerechten Orten. Bei dieser Karte kann jeder mitmachen und Orte markieren, ob sie für Rollstuhlfahrerinnen, Familien mit Kinderwagen oder älteren Menschen mit Rollatoren zugänglich sind. Durch dieses Crowdsourcing-Prinzip wollen wir auch besonders Menschen ohne Behinderung darauf hinweisen, welche Barrieren im Alltag von Menschen mit Behinderungen warten, weil wir nur gemeinsam diese abbauen können.

Das Digitale ersetzt nicht den Außeneinsatz

Wheelmap.org ist für mich ein Beispiel in meiner Arbeit, wie man digitale Produkte in der Arbeit einsetzen kann und trotzdem nicht vergessen sollte, dass die Änderungen im “Offline” entstehen sollten. Denn so schön es ist, dass auf der Wheelmap mehr als 450.000 Orte weltweit markiert sind, ändert es noch nichts daran, dass ein Ort barrierefreier wird. Mit der App oder dem Smartphone als solches komme ich immer noch nicht in den Laden, der Stufen am Eingang hat. Bei dem Problem mit den Stufen haben wir als eine Lösung Wheelramp.de ins Leben gerufen, wo man kostengünstig eine mobile Rampe für sein Geschäft erwerben kann.

Neue digitale Kommunikationswege vereinfachen meine Arbeit und auch bei den Sozialhelden sind wir durch den Einsatz kollaborativer Office-Lösungen effektiver geworden, aber auf die Straße müssen wir immer noch, um die Änderungen voranzubringen.

Wenn es um kollaborative Kommunikationslösungen geht, muss ich auch eine andere Perspektive als die persönliche einnehmen. Denn als Vorstandsmitglied des SOZIALHELDEN e.V. bin ich dort verantwortlich für acht Mitarbeiter. Wir bekommen hier sehr viele Mails und wollen diese auch in kurzer Zeit beantworten, aber auch wenn ich als Privatperson gerne rund um die Uhr Mails beantworte, darf ich das als “Chef” nicht vom Team erwarten. Ich glaube, dass das ein ständiger Prozess des Hinterfragens ist, weil wir die Kommunikationsmittel überall zugänglich gemacht haben. Früher hat ja auch nicht der Autobauer von seinen Mitarbeitern erwartet, dass sie noch in der Freizeit am neuen Golf weiterschrauben sollten, weil er ja das Werkzeug auch zu Hause hat. So sollte man auch die Arbeitsmails verstehen: es ist ein Schraubenschlüssel der im Büro liegt und nicht mit nach Hause genommen werden soll. Wenn ein Chef oder Chefin dieses aber trotzdem von seinen Mitarbeitern verlangt, dann sollte es auch dementsprechend vergütet werden.

Segen oder Fluch?

Wenn ich mal wieder in einem Sozialen Netzwerk ein Video geteilt bekomme, wo es darum geht, dass eine Welt ohne Smartphones und das ganze Internetgedöns doch besser wäre oder im TV über “Internet - Segen oder Fluch” diskutiert wird, muss ich immer schmunzeln. Denn diese Frage stellt sich für mich schon lange nicht mehr - neue digitale Kommunikationskanäle sind einfach vorhanden und werden auch nicht mehr so schnell verschwinden, sondern wir sollten darüber sprechen, wie wir sie in einem gesunden Verhältnis einsetzen können. Es hat doch bestimmt auch keine Talkshow in der Steinzeit gegeben “Feuer - Segen oder Fluch”, sondern man hat angefangen zu lernen, wie man es fürs Kochen nutzt ohne die Höhle abzufackeln.

Wir haben jetzt einfach eine digitale und vernetzte Welt und sollten lernen uns daran nicht die Finger zu verbrennen.


Von Raul Krauthausen, Berliner Aktivist, Wegbereiter und wheelmap.org-Gründer.

Posted by Diana Heinrichs
PR-Managerin Vernetztes Arbeiten
 

Mit seinem Manifest fordert Microsoft eine Debatte zum neuen Arbeiten in Deutschland. Starre Büroarbeit soll flexiblen und mobilen Arbeitsverhältnissen weichen, traditionelle Hierarchien müssen sich auflösen und Unternehmen vielmehr wie ein Netzwerk arbeiten. Was Blogger, Wissensarbeiter und Vertreter der digitalen Gesellschaft dazu zu sagen haben, teilen sie uns in Gastbeiträgen mit.  

 

 

Comments
  • Für mich als (immerhin fest angestellten) Internet-Heimarbeiter ist das noch schwerer zu trennen ... ich habe weder einen festen Arbeitsort ("überall wo Netz ist") noch dedizierte Arbeitswerkzeuge (private und berufliche Mail-Accounts sind auf Phone/Tablet/Laptop eingerichtet und für keines der Geräte möchte ich getrennte private und berufliche Version mitschleppen ... für mich und meien aktuellen Arbeitgeber funktioniert das recht gut, aber beiden Seiten muss bewust sein dass die damit einhergehende Verfügbarkeit nicht selbstverständlich und jederzeit aussetzbar ist (im Urlaub zB. fliegen die beruflichen Mailkonten von den mitgeführten Geräten)

    Und was die Technologie-Debatte angeht ... in der Landwirtschaft hat sich im letzten Jahrhundert wohl auch recht lange die Meinung gehalten dass das Pferd unverzichtbar sein und Traktoren nur eine vorübergehende Modeeescheinung ohne tatsächlichen Mehrwert darstellen .... ;)

  • Ja, das habe ich inzwischen auch eingesehen, dass es nix bringt, sich einen Rückzug zu verordnen,
    bloss weil man angst hat,gläserner Mensch zu werden. Ausserdem ist ja schriftliche Kommunikation per mail mittlerweile ganz normal auch für Firmen.
    Es ist nur so, die Entwicklung von Software geht sehr schnell voran. Dann den Umgang damit lernen,ist nicht einfach,noch dazu, wenn immer wieder englische Texte auftauchen, die eben nicht über ein automatisches Übersetzungsprogramm übersetzt werden. Erst neulich ist mir das wieder passiert, als ich ein Schutzprogramm ergänzen sollte. Ich hab es abgelehnt, weil ich nicht wusste, ob ich alle Programmpunkte brauche
    und wollte die Festplatte nicht verstopfen. Gruss Dorena

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