„Wenn wir alle schlagen, können wir es schaffen“, hat der legendäre Horst Hrubesch über die Aussichten des deutschen Teams bei der WM 1982 in Spanien gesagt. Diese Aussage ist absolut richtig, auch wenn der bullige Mittelstürmer aus dem Westfälischen am Ende damit nur fast richtig lag: Im Endspiel musste sich das deutsche Team Italien geschlagen geben, was – rein statistisch gesehen – die Vorhersage eher bestätigt als widerlegt hat.

Eine sichere Prognose, wer dieses Jahr Weltmeister in Brasilien wird, wäre Millionen wert. Um es vorweg zu sagen: Wir wissen es auch nicht. Aber wir arbeiten intensiv daran, es vorherzusagen. Unser Kollege David Rothschild, Microsoft-Forscher und Ökonom aus New York, ist überzeugt: „Sport ist extrem vorhersehbar.“ Allerdings, schränkt David in seinem aktuellen Blogbeitrag ein, gilt das nicht für das heute beginnende Fußballspektakel mit seinen Eigenheiten. Denn sobald der Ball rollt, kann sich alles ändern.

Unvorhersehbares vorhersagen
Die Weltmeisterschaft ist eben auch für Statistiker etwas Besonderes. Anders als ein normaler Ligabetrieb, der sich über Monate begleiten und analysieren lässt, ist eine WM eine einzige Ansammlung von Endspielen, die valide Vorhersagen erschweren. Für David Rothschild liegt aber genau hier der Reiz: „Über die Zeit lernen wir mit den Daten, die uns zur Verfügung stehen, auch unvorhersehbare Ereignisse vorherzusagen.“ Die Erkenntnisse werden Unternehmen bei ähnlichen Fragestellungen helfen und am Ende haben wir alle was davon.

And the Oscar goes to…: David Rothschild wusste, an wen
Und David kann das: Unvorhersehbares sehen. Seine „PredictWise“ genannte Methode holt sich ihre Daten vor allem von Glücksspiel-Seiten wie Betfair oder PaddyPower sowie von Youtube-Videos oder Nennungen auf Social Media Kanälen, insbesondere auf Twitter. Damit hat David zum Beispiel bei der Präsidentschaftswahl 2012 in den USA die Resultate aller Staaten bis auf einen vorhergesagt. Er lag mit seinen Prognosen in diesem Jahr auch bei 21 von 24 Oscar-Kategorien richtig. Und er wusste, dass Dänemark beim Eurovision Song Contest gewinnt. Stimmt gar nicht, das war doch Conchita Wurst für Österreich? Ja, aber nicht 2013 – hier gewann wie vorhergesagt Dänemark!

Wissenschaft statt Bauchgefühl
Auf sein Bauchgefühl verlässt sich David Rothschild dabei am allerwenigsten. Neben den vielen öffentlich zugänglichen Zahlen aus den genannten Quellen greift er auf einen großen Schatz historischer Daten und Statistiken zu. Diese Daten nutzt David, um die Zusammenhänge zwischen einzelnen Informationen zu verstehen und um eine Infrastruktur aufzubauen, mit der er vorhandene Vorhersagen laufend aktualisieren kann. „Ich treffe meine Vorhersagen auf der Grundlage von so vielen Daten und so wenig Gefühlen wie möglich.“
Und weil sich die Rohdaten, die David zur Vorhersage des kommenden Weltmeisters verarbeitet, oft stündlich ändern, steht logischerweise auch das Ergebnis noch nicht fest. Sie können das auf der Webseite des Projekts von David Rothschild, PredictWise, live mitverfolgen.

Brasilien liegt im Moment vorne, aber das kann sich heute schon wieder ändern
Im Moment führt Brasilien mit einer Wahrscheinlichkeit von 23,7 Prozent. Deutschland verbunden mit unserer Hoffnung, die titellose Zeit seit 1996 zu beenden, liegt mit 12,6 Prozent nur auf Platz vier – hinter Argentinien und Spanien. Unser Team hat in den vergangenen Tagen in der Vorhersage einen Platz verloren, weil sich Marco Reus im letzten Testspiel gegen Armenien leider so schwer verletzt hat, dass er für die WM ausfällt. An diesen Unwägbarkeiten sehen Sie, wie schwer es für David ist, tatsächlich vorherzusagen, wie die WM ausgehen wird. Mich freut das, denn das macht ja auch den Reiz aus. Ach ja, und ich werde mir ganz entspannt das erste Spiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal anschauen. Auch, weil David mit einer Wahrscheinlichkeit von 44 Prozent davon ausgeht, dass unser Team gewinnt.

Posted by Peter Jaeger
Senior Director Developer Experience & Evangelism (DX) und Mitglied der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland