“Technologie-Guru“, „Internet-Pionier“, „Vater des Begriffs «virtuelle Realität»“, Computer-wissenschaftler bei Microsoft Research, Komponist und Musikliebhaber und Buchautor– die Liste der „Jobs“ von Jaron Lanier könnte noch weiter geführt werden. Allem, was er tut, liegt dabei der Wunsch zugrunde, der Gesellschaft die Macht der Gestaltung zurück zu geben und die Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen, die in der heutigen hoch technologisierten Welt trotz eines Gewinns an Vielfalt und Freiheit oft auf digitale Kategorien reduziert werden.

Janier hat schon früh vor der Entmonetarisierung der Filmindustrie, der Musikbranche und einer damit einhergehenden Enteignung eines kreativen und werte-vollen Mittelstands gewarnt. Er ist gegen die Umsonstkultur, gegen die "Geek-Religion", die Anbetung des Internets als Organismus, in dem jedem alles offen ist, und gegen den – oft anonymen – Netzaktivismus. In seinem Buch Gadget (2010) wandte er sich vor allem gegen einen "kybernetischen Totalitarismus", der das Individuum zugunsten einer Verklärung des Kollektivs marginalisiere, in der alles "Information" ist, jedoch hierarchielos und fragmentiert als Datenmasse nebeneinander her existiert und sich selbst banalisiert.  In seinem neuesten Werk „Wem gehört die Zukunft?“ schreibt er über die Gefahren der digitalen Welt: Daten-Missbrauch, eine Herrschaft von Maschinen über den Menschen, die Macht des Kollektivs über den Einzelnen. Dabei ist er weit davon entfernt, ein „tech pessimist“ zu sein, er fordert unter anderem in seinem Manifest „You are not a Gadget“, dass der Unterschied zwischen Menschen und Maschinen gewahrt wird, dass Daten und Informationen immer interpretiert und bewertet werden müssen und der Preis der Offenheit nicht die Entrechtung des Menschen bedeuten darf.

Nun hat Jaron Lanier für seine Arbeit und sein Engagement den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Der seit 1950 vergebene Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen des Landes. Geehrt wird damit eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland, die vor allem auf den Gebieten Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat. JLaron selbst war sehr überrascht über die Auszeichnung: “It was a shock to me,” he says from his kitchen in Berkeley, Calif., between fielding press inquiries. “This prize in prominent in Europe but is associated with literary and political figures. It hasn’t gone to a technical sort of person before, so it was certainly a surprise on many levels.” Mit der Auszeichnung wird somit anerkannt, wie sich die Welt verändert und wie Technologie Kultur und Gesellschaft bestimmt.

Der Stiftungsrat ehrt „… einen Pionier der digitalen Welt, der erkannt hat, welche Risiken diese für die freie Lebensgestaltung eines jeden Menschen birgt. Eindringlich weist Jaron Lanier auf die Gefahren hin, die unserer offenen Gesellschaft drohen, wenn ihr die Macht der Gestaltung entzogen wird und wenn Menschen, trotz eines Gewinns an Vielfalt und Freiheit, auf digitale Kategorien reduziert werden. Sein jüngstes Werk „Wem gehört die Zukunft“ wird somit zu einem Appell, wachsam gegenüber Unfreiheit, Missbrauch und Überwachung zu sein und der digitalen Welt Strukturen vorzugeben, die die Rechte des Individuums beachten und die demokratische Teilhabe aller fördern. Mit der Forderung, dem schöpferischen Beitrag des Einzelnen im Internet einen nachhaltigen und ökonomischen Wert zu sichern, setzt Jaron Lanier sich für das Bewahren der humanen Werte ein, die Grundlage eines friedlichen Zusammenlebens, auch in der digitalen Welt, sind.“

Ein Video, inklusive musikalischer Einlage von Jaron gibt es hier: http://blogs.technet.com/b/inside_microsoft_research/archive/2014/06/05/jaron-lanier-wins-german-book-trade-s-peace-prize.aspx