Die Zukunft der Arbeit hat schon längst begonnen. Viele haben es jedoch noch gar nicht bemerkt und versuchen sich krampfhaft, an dem festzuhalten, was sie bisher Arbeit nennen. Diese alten Werte und Ideale hätten eigentlich schon längst ausgedient, wenn wir uns nur trauen würden. Man muss nur einmal vor sich blicken und überlegen:

Ein Stuhl, ein Tisch und ein Laptop mit Internetzugang. Das Smartphone müsste man irgendwo noch ablegen können und etwas Papier zum Schreiben könnte auch nicht schaden. Eine Pflanze vielleicht noch und ein großer Kaffeebecher wären ein angenehmer Zusatz, doch kein Muss. Mehr benötigt man nicht, um in der heutigen Zeit einer Vielzahl von unterschiedlichen Arbeiten nachzugehen. 

Der Computer verändert alles

Dies verdanken wir der Einführung des Computers. Er half uns dabei einfache und berechenbare Aufgaben zu automatisieren, wodurch wir begannen den bis dato unersetzlichen Menschen innerhalb der Warenproduktion, mit schneller und präziser arbeitenden Robotern zu ersetzen. Es begann eine neue industrielle Revolution, die von einigen Experten mit der Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts verglichen wurde. In dieser Zeit, geprägt durch die Einführung der Dampfmaschine und der Fließbandarbeit, begannen die Menschen ihren Lebensmittelpunkt vom Land, in die Städte zu verlagern. Aus dieser neuen Art des Lebens und der Beschäftigung entwickelte sich unser heutiges Verständnis von Arbeit. 

Diese Arbeit unterlag strikten Vorgaben und war zeitlich und örtlich geregelt. Der Arbeitgeber stellte die nötigen Werkzeuge und die passende Infrastruktur, damit der Arbeiter „neue Werte“ schaffen konnte. Mit der Einführung des Computers wurde diese ortsgebundene Produktion von Robotern übernommen und der Mensch nach und nach verdrängt. Er musste sich jetzt andere Möglichkeiten suchen, mit denen er neue Werte  schaffen konnte. Mit Hilfe neuer Technologien entwickelte er sich und seine Aufgaben weiter. Weg von einer reinen Arbeitskraft - hin zu einem Wissensarbeiter, dessen Aufgaben nun darin bestehen, Kreativität und Innovationen zu schaffen, statt wie bisher Massenware und Fließbandarbeit zu leisten. 

Wandel in Arbeit und Gesellschaft

Dieser Wandel hat nicht nur Auswirkungen auf unsere Arbeitswelt, sondern zieht sich wie ein unsichtbarer roter Faden durch unsere Gesellschaft. Dank der Digitalisierung und der damit einhergehenden neuen Möglichkeiten zur sozialen Vernetzung verschwimmen nach und nach die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem. Wir sind zu jeder Zeit erreichbar. Während der Bahnfahrt kurz noch die E-Mails checken oder gleich nach dem Tatort einen Tweet absetzen, um den firmeneigenen Social-Media Kanal upzudaten. Neue Technologien machen es möglich. 

Die Arbeit, so wie sie unsere Eltern und Großeltern kennengelernt haben, wird es irgendwann nicht mehr geben. Den Arbeiter, der einem geregelten 9to5-Job nachgeht, wird es irgendwann nicht mehr geben. Den Arbeitgeber, der sich nicht auf die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter einstellt, wird es…  

Es ist schwer zu sagen, wie lange es dauern wird, bis sich diese bereits vorhandenen neuen Möglichkeiten in den Unternehmen durchsetzen werden. In Anbetracht des viel beschworenen demografischen Wandels und des damit zusammenhängenden zukünftigen Fachkräftemangels, sollte sich jedoch jeder Entscheidungsträger fragen: Wird es nicht vielleicht jetzt für eine neue Unternehmenskultur Zeit? 

Neue Möglichkeiten kennenlernen 

Doch was bedeutet das? Zu einer neuen Unternehmenskultur gehört nicht nur die Einführung einer neuen Gleitzeitregelung - vielmehr gehört dazu der Einsatz von neuen Techniken oder die Umsetzung von alternativen Bürokonzepten. Da wir nicht mehr wie vor hundert Jahren physische Waren produzieren, sondern vielmehr flüchtige und nicht greifbare Werte erdenken, gibt uns die Digitalisierung die Möglichkeit, unsere Arbeit zeit- und ortsunabhängig von anderen Mitarbeitern zu verrichten. Wir könnten mit Hilfe neuer Tools aus unserer Arbeitszeit wieder unsere Lebenszeit machen. 

„Arbeit muss wieder das bezeichnen, was man tut und nicht das, wohin man geht“, lautet eine Aussage von Ulrich Klotz, Arbeitswissenschaftler und Experte zu Arbeitsformen der Zukunft. Eine Aussage, die ich nur unterstreichen kann. 

Bei aller Vorfreude auf das kommende Home-Office und die schönen Recherche-Stunden im Café, sollte jedoch eines immer berücksichtigt werden: Kein Hang-Out, keine Telko und keine Social-Media-Freundschaft kann einen persönlichen Kontakt ersetzen. Diese ganze Reihe von neuen Arbeitstools sind lediglich Hilfsmittel, um uns unseren Arbeitsalltag einfacher und flexibler zu gestalten. Als Wissensarbeiter, bei dem es auf den kreativen und innovativen Output ankommt, wird man den regelmäßigen, persönlichen Austausch weiterhin benötigen, um neue Ideen und Inspirationen zu erlangen. Dafür wird weiterhin ein Ort gebraucht, an dem man zusammen arbeiten kann. Sei es die bekannte Büroumgebung oder die sogenannten Co-Working Spaces, in denen Arbeitsplätze den unterschiedlichsten Arbeits- und Wissensgebieten zur Verfügung gestellt werden. 

Die Zukunft der Arbeit wird also weiterhin viele Aspekte beinhalten, die wir bereits kennen. Der große Unterschied wird jedoch in unserer Unabhängigkeit liegen. Wir werden selbst entscheiden können, wann wir wo und wie arbeiten. Schließlich benötigen wir im Grunde genommen nur einen Stuhl, einen Tisch und einen Laptop mit Internetzugang. Vielleicht auch noch eine Pflanze und einen Kaffeebecher - doch das ist kein Muss. 

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Von Florian Ertel, Redakteur bei den Netzpiloten und Blogger

Posted by Diana Heinrichs
PR-Managerin Vernetztes Arbeiten
 

Mit seinem Manifest fordert Microsoft eine Debatte zum neuen Arbeiten in Deutschland. Starre Büroarbeit soll flexiblen und mobilen Arbeitsverhältnissen weichen, traditionelle Hierarchien müssen sich auflösen und Unternehmen vielmehr wie ein Netzwerk arbeiten. Was Blogger, Wissensarbeiter und Vertreter der digitalen Gesellschaft dazu zu sagen haben, teilen sie uns in Gastbeiträgen mit.