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Mythos Windows XP

Mythos Windows XP

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Die Neunziger waren eine harte Zeit. Denn wir hatten nur Windows 98, eine Windows-Version, die man sich so vorstellen kann: Ein Quader balanciert auf einer Kugel. Die Kugel hieß „DOS“, und die Stabilität des Systems war legendär. Wir Software-Tester hangelten uns von Crash zu Crash.

Wir lechzten nach einem Windows, das nicht jedes Mal komplett abstürzte, wenn man es auch nur schief ansah. Wir lechzten danach, nicht zwei Mal am Tag den Resetknopf drücken zu müssen, weil der Monitor wieder einmal den „Blue Screen of Death“ zeigte. Wir wollten arbeiten, programmieren, Software testen, Artikel schreiben. Wir wollten ein funktionierendes Windows.

Und wir bekamen es.

Windows XP hat so vieles geändert. Ich erinnere mich noch an meine Freude, als zum ersten Mal eine Anwendung unter Windows XP abschmierte. Nur die Anwendung. Das Betriebssystem lief weiter. Nur eine Fleischwunde, kein „er ist tot, Jim“. Juhu!

Perfektes Timing

Windows XP kam zur rechten Zeit. Die Computer-Branche boomte, auch die ältere Generation freundete sich mit PC und Internet an. Aldi schob palettenweise neue Computer in den Markt, die Computer Bild zeigte, wie man damit umgeht. Windows war endlich angekommen.

Ich glaube, das begründet den Mythos Windows XP: Wer damals mit XP seinen Computer und das Internet kennen gelernt hat, mag das lieb gewonnene Betriebssystem nicht mehr missen. Und die anderen freuten sich über das erste Windows, das stabil und zuverlässig lief. Windows XP war der Held.

Die Sache mit den Helden

Mit den Helden ist das so eine Sache. Manche ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus. Sie setzen sich auf ihren Thron, bleiben dort kleben, werden feist und hässlich.

So ging es auch XP. Um 2001 noch der Retter, wurde es mit den Jahren unansehnlich. Denn es war anfällig für Viren. Microsoft hatte zwar ein Betriebssystem gebaut, das in sich stabil war. Aber gegen Angriffe von außen war es nicht ausreichend gewappnet.

Dennoch behielt XP sein großes Gefolge. Man hatte sich damit abgefunden, dass XP nicht perfekt war und laufend geflickt werden musste. Patch folgte auf Patch, Pflaster auf Pflaster. Der Held war alt geworden, verletzt, krank, verschrumpelt und doch hielt man ihn am Leben.

Windows Vista hat versagt

Schon nach zwei, drei Jahren wäre es Zeit gewesen für ein neues Windows. Doch bis 2007 passierte nichts. Dann kam ausgerechnet Vista: Ein goldener Ritter, stolz, mit glänzender Rüstung und nicht zu gebrauchen. Die Kunden verweigerten sich dem trägen Glitzerding und blieben bei XP.

Erst 2009 fing der Mythos XP an, endlich zu bröckeln. Die ersten XP- Getreuen wechselten zu Windows 7. XP war da schon acht Jahre alt. Das sind etwa 1.200 Menschenjahre.

Weg mit Windows XP

Und heute? Viele weigern sich weiterhin. Die Bequemlichkeit ist Feind des Neuen. Solange alles einigermaßen funktioniert, gibt es wenig Motivation für den Umstieg.

Jeder Monat mehr mit XP legt die Hürde für den Umstieg höher. Denn es gilt ja nicht nur, XP zu verlassen, sondern auch noch jede Menge Programme neu zu lernen: Mail, Office und so weiter.

Deshalb geht Microsoft den längst überfälligen Schritt und dreht XP den Support ab.

Gut so! Ich weine XP keine Träne nach. Es ist hoffnungslos veraltet und unsicher. Übrig bleibt eine gute Erinnerung an die Anfangszeit mit XP. Es war ein toller Fortschritt. Damals, vor 13 Jahren.

 

Martin Goldmann war mehr als 20 Jahre Autor für Computer-Zeitschriften wie PC-Professionell, Chip und Computer Bild. Heute arbeitet er als Redakteur für Videoproduktionen und ist Mitinhaber von Tippscout.de (http://www.tippscout.de).

 

Posted by Irene Nadler

Comments
  • Schöner Artikel von Martin, der das alles "hautnah" mit erlitten hat. Hab die Windows 98-Abstürze eigentlich nicht so in Erinnerung - hier lief alles stabil (bei Windows 98 2n Edition und Millenium war das deutlich anders). Aber Windows XP hat "vom Scratch" überzeugt - bis halt Windows 7 kam.

    Ja, und die Paletten an Windows XP-Maschinen bei Aldi, Media Markt & Co. sind mir auch noch geläufig. Da wurde Windows XP noch mit dem Palettenhubwagen oder Gabelstapler ausgefahren. Wenn man bei denen durch die Gänge ging, musste man schon ein "bisserl" aufpassen, dass nicht ein Stapel Ware (waren ja damals - erinnerungsmäßig - haushohe Türme) mit Windows XP auf die Füße krachte. Gab böse blaue Flecke. Aber wir haben die Windows XP-Ära (und sogar Vista) kollateralschädenfrei überstanden.

    Und dann kamen schleichend die Änderungen - keine wuchtige Betriebssystem-Boxen mehr, sondern schnöde Downloads - nix, was man tragen, riechen, schmecken kann - einfach nur Bits & Bytes per Datenleitung. Da lässt sich nachvollziehen, dass Anwender auf den alten Schätzchen (sozusagen der Gold-Standard) hocken bleiben - könnte man in "schlechte Zeiten vielleicht sogar gegen andere Waren tauschen". Hier harren wir jetzt eines würdigen Windows 7-Nachfolgers - könnte 20xx so weit sein ;-).

  • Um Himmels Willen, Millenium... was für ein Desaster das war. Die Oberfläche von 2000 auf dem Kern von 98. Grauenhaft. XP war eben wirklich die Vereinigung zweier Welten. Davor war ich in den Redaktionen als NT-Spezialist ein bisschen "neben der Spur" der Hauptkosnumenten, auch 2000 brachte noch nicht den Durchbruch. Aber dann XP und ich war wieder mitten im Fokus. Was konnte man mit XP nicht alles machen?

    Registry tunen? Kenssde? Weissde noch? Tausend geheime Tipps für XP - großartig.

    Aber mit XP stirbt dann auch der Bedarf für solche Tipps. Heute ist alles leicht zugänglich oder unnötig. Damit geht auch die Faszination von Windows flöten. Bei mir zuhasue laufen nun Android, iOS, MacOS und Windows 8.1 friedlich nebeneinander - und es ist mir total egal, welches da gerade an ist, solange es mich nicht in der Ausübung meiner Tätigkeiten stört.

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