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Es gibt kein Start mehr – In Memoriam Windows XP

Es gibt kein Start mehr – In Memoriam Windows XP

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Windows-Versionen kommen und gehen. Wenn aber in diesem Jahr am 8. April der Support für Windows XP eingestellt wird, dann geht für mich eine Epoche zu Ende. Denn mit Windows XP hatte Microsoft einst den Zenit des Windows-Zeitalters markiert. Und das war mein Zeitalter.

Ich bin ein typischer Repräsentant der Windows-Generation. Zwar haben wir Windowsianer den Computer noch mit einem C-Prompt kennengelernt, aber im Gegensatz zu den echten DV-Hasen haben wir dieses „C“ gehasst; dieses „C“, das aus dem fernen Wunderland der Großrechner kam und uns frühe PC-Anwender allen Schneid nahm.

Mein erster richtiger PC war ein Olivetti M24. Irgendwann im Sommer 1985 stand er samt MS-DOS auf meinem Schreibtisch. Nach einem beherzten Druck auf den Anschaltknopf blinkte auf seinem grün fluoreszierenden Monitor dieser schauderhafte C-Prompt, der die Geheimnisse der damals noch recht überschaubaren Arbeits- und Festplattenspeicher erst durch die Eingabe kryptischer Befehle freigeben wollte. Dieses MS-DOS war alles andere als benutzerfreundlich. Wahrlich ein Dirty Operation System.

Also testete ich so ziemlich alle damals verfügbaren alternativen Bedienoberflächen, die eine angenehmere Schnittstelle zwischen dem Rechner und mir versprachen: neben meinem Liebling 1DIR auch GEM und Microsoft Windows, letzteres in der Version 1.3. Meine erste Windows-Erfahrung: die Version 1 war hübsch programmiert, aber unbrauchbar. Dass sie „hübsch programmiert“ war, merkte man daran, dass schon für die nächste Version 2.0 ab 1987 erste Programme unabhängiger Softwarehäuser zur Verfügung standen. Das Beste an Windows waren lange Zeit die API. Stark wurde Microsoft immer über sein OEM-Geschäft und die Förderung unabhängiger Softwareentwickler. Die Markteinführung von Windows 2.0 war übrigens eines der ersten Projekte, die ich als damals frisch gekürter Microsoft Pressesprecher in Zentraleuropa begleiten durfte.

Windows 3.0, erhältlich ab 1990, war dann schon ein richtig gutes Interface für den PC und wurde im Jahr 1995 von der vierten Windows-Version, die unter dem Namen „Windows 95“ erschien getoppt. Windows 95 machte zugleich deutlich, dass die anfängliche klare Dominanz der Entwickler und Programmierer bei Microsoft langsam von den Marketing-Leuten aufgebrochen wurde. Schließlich waren es die Werbe-Menschen, die den Abschied von der guten alten Software-Nomenklatur bewirkten. Windows sollte in ihren Augen schon damals eine alltägliche Gebrauchsmarke werden und den Habitus einer Computersoftware ablegen.

Zugleich gewannen die Usability-Entwickler an Bedeutung gegenüber den Entwicklern neuer Features und Funktionen. Das Erscheinungsbild der Software änderte sich grundlegend: Der Windows-Start-Button wurde eingeführt! Zum ersten Mal kam eine Software auf den Markt, die man nur beenden konnte, wenn man erstmal auf Start klickt. Jedem normalem Menschen mussten sich die Gehirnwindungen blähen, ob einer solchen Bedienungslogik. Die Microsoft-Fans aber lernten es in den nächsten Jahren zu lieben.

Windows XP, als fünfte große Windows-Version entwickelt und von Microsoft zwischen 2001 und 2007 vertrieben, war nicht nur die bis dato meistverkaufte Windows-Version, sie war auch schneller, stabiler und leistungsfähiger als alle bisherigen Varianten. Windows XP brachte endlich wieder die Windows-Welten für private und berufliche Anwender zusammen, die nach der Einführung von Windows NT für professionelle Nutzer im Jahr 1993 voneinander geschieden wurden. Und: Windows XP verfügte letztmals über den Start-Knopf. Kurz: bei Windows XP fügten sich die Erfahrungen der Programmierer und diejenigen der Marketing-Leute zu einem genialen Ganzen!

In der Zukunft sollte auch bei Microsoft der Trend zur Consumerization dominieren. Nach dem Zwischenspiel Windows Vista folgte mit Windows 7 eine vor allem heftig aufgehübschte Version: die Taskleiste wurde dem Dock der schicken Mac-Rechner nachempfunden, Aero Snap wurde eingeführt und so weiter und so bunt. Die Einführung der Medienbibliotheken machte bereits klar, wohin die Reise gehen soll: weg vom PC und hin zum Medien-Center. Das allerschlimmste aber: Der gute alte Start-Button wurde zur textfreien Windows-Ikone stilisiert. Bei Windows 7 brauchte man keinen Start-Befehl mehr, um es zu beenden. Die kühle Unlogik des Computerzeitalters war der kalten Bildschirmerotik des Massengeschmacks geopfert worden.

Im Kacheldesign von Windows 8 verschwand dann mit diesem Icon gar die letzte Erinnerung an das Start-Zeitalter. Mit der Metro-Oberfläche verdrängte das Design den Charme der PC-Pioniere ins Unterirdische.
Es stimmt schon: Nie war Windows schöner als in der Version 8. Auf dem Handy, auf dem Tablet und notfalls sogar auf dem Computer. Nie war Windows reduzierter, nie klarer.  Aber der Start-Knopf repräsentiert für alle Zeiten den Höhepunkt des klassischen Microsoft Windows als Benutzeroberfläche für Personal Computer. Der Start-Knopf war das späte Nachheulen von autoexec.bat und config.sys, das letzte Anzeichen, dass nicht normale Menschen, sondern Programmierer dieses Stück Software sich ausgedacht hatten. Der Start-Knopf von Windows XP war das letzte sympathische Irrlicht des PC-Zeitalters. Heute ist Windows nur noch ein Kleidchen für Medien-Center, für Computer, die keine Computer mehr sein wollen, für Buntes, Lautes und Schrilles. Mein Windows ist das nicht …



Michael Kausch ist Inhaber und Geschäftsführer der PR- und Social-Media-Agentur vibrio. Kommunikationsmanagement Dr. Kausch GmbH mit Büros in München, Wien und Zürich. Er ist seit mehr als 25 Jahren in der IT-Branche und konzentriert sich heute auf strategische und konzeptionelle Unternehmensberatung und Coaching im Bereich integrierter Unternehmens- und Marketingkommunikation, Krisen-PR sowie auf strategisches Social Media Marketing.

Posted by Irene Nadler
Communications Manager Consumer

Comments
  • toll, dass das von Microsoft gepostet wurde...und bringt uns das alte Startmenü wieder, bitte!

  • "Es stimmt schon: Nie war Windows schöner als in der Version 8." Da ist doch bestimmt etwas Geld geflossen? ;)
    Spaß beiseite, meiner Meinung nach ist und bleibt Windows 7 das bisher schönste und beste Windows!

  • Ich muss mich Moe anschliessen, das Kacheldesign will keiner ausser Microsoft selber. Wenn ich ein sschlechtes App Windows wollte würde ich mir von Microsoft ein Tab kaufen.

  • Lieber Rico: Da ist leider (!) kein Geld geflossen. ;-) Ich finde aber in der Tat - wie viele Designer auch - dass Windows 8 sehr "schön" geworden ist. Ich finde das Design sehr klar und im Vergleich zur Apple-Welt schlicht. Aber wie viele alte Windows-Anwender hänge ich an der alten Oberfläche. Ich hänge ja sogar noch am START-Block. Das ist eine Marotte. Aber ich meine eben auch, dass für solche Marotten im Computerleben noch ein wenig Platz sein sollte.

  • Mein dickes Plus gibt es für den Olivetti24 - vielleicht habe ich die CPU davon ausgebucht in der Logistik per Lochstreifenkarte damals im Schülerferienjob ;) ... Aber diese Unlogik des Start für Beenden hat mich immer schon gestört, den trauere ich nicht nach.

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