Die Zeiten waren hart im Oktober 2001, als Windows XP das Licht der Welt erblickte. Am 11. September 2001 hatte es den schrecklichen Terror-Angriff auf das World Trade Center gegeben, Amerika und die Welt standen unter Schock. Bill Gates eilte nach New York und traf dort den damaligen Bürgermeister der Stadt, Rudolph Guiliani, der beim Windows XP Launch eine Spende entgegennahm. Sting gab ein kostenloses Konzert. Begleitet wurde die Produkteinführung von einer millionenschweren Kampagne mit dem Slogan „Yes you can“. Übersetzt: „Alles wird leichter“. Wer sich den Spot mit dem Madonna Song „Ray of Light“ nochmal ansehen will, findet ihn hier. Die Produktbotschaft war so einfach wie eindeutig: Spätestens jetzt kann jeder mit einem PC umgehen, MS-DOS gehört endgültig der Vergangenheit an.

Große Begeisterungsstürme löste dies alles nicht aus. Manche erinnerten sich wehmütig an die Zeiten, als Windows 95, der strahlende Vorgänger, gefeiert wurde. Ein Produkt, das monatelang alle Titelseiten füllte und wofür sich die Menschen in langen Schlangen vor den Geschäften anstellten. 

Es gab also Wichtigeres damals als die Einführung eines Betriebssystems. Und dem PC-Markt ging es mal wieder schlecht, was die Frage aufwarf, ob Windows XP den ersehnten Aufschwung bringen wird. Spiegel Online war wie die meisten Medien skeptisch und urteilte: „Doch so wie es aussieht, wird es keinen XP-Effekt geben. Die ersten Erfahrungen der Computerhersteller, die bereits seit einem Monat Computer mit XP anbieten dürfen, sind enttäuschend. Die Nachfrage zieht nicht an." Für viele Analysten keine Überraschung: "Selbst in einer brummenden Wirtschaft könnte XP nicht das Wachstum der PC-Industrie beeinflussen", sagt Drew Brosseau von SG Cowen Securities.“ Die Bedrohung hieß aber nicht nur schwächelnder PC-Markt. Man war auch der Meinung, dass Microsoft der Bedeutung des Internets zu wenig Rechnung trage.

12 Jahre und 6 Monate später kann man das alles gar nicht glauben. Heute stehen wir vor einem der erfolgreichsten Produkte der IT-Geschichte. Und fragen uns, wie wir es möglichst schnell und endgültig um die Ecke bringen können.

Posted by Irene Nadler
Communications Manager Consumer