Seit mehr als 100 Jahren feiert die deutsche und internationale Arbeiterbewegung den 1. Mai als "Tag der Arbeit". Doch so beständig der Feiertag im Kalender ist, so grundlegend hat sich seitdem die Arbeitswelt verändert. War früher die körperliche Arbeit entscheidend, dominiert heute mit 62 Prozent die IT-gestützte Wissensarbeit in den Unternehmen. Tendenz steigend.

Begleitet wird die Veränderung durch eine Diskussion über Chancen, aber auch Risiken und Nebenwirkungen moderner Kommunikationstechnologie. Führt das „Digitale“ einen bedrohlichen Eroberungsfeldzug, oder ist es eine Befreiungsbewegung von lästigen und zeitraubenden Routinen?

Letzte Woche hatte ich Gelegenheit in Köln an einer Paneldiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung über „Digitale Arbeit in Deutschland“ teilzunehmen. Ausgangspunkt der Diskussionsrunde war eine aktuelle Studie (http://www.fes.de/medienpolitik/digitale-arbeit-in-deutschland.php) von Michael Schwemmle und Peter Wedde, aus der sich eine spannende Diskussion über Chancen und Handlungsfelder in der „digitalen Arbeitswelt“ ergab - quer durch Bereiche wie Arbeits-, Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Bei allen Facetten und mitunter auch emotionalen Momenten, die eine solche Diskussion durchläuft, so gab es doch eine gemeinsame Erkenntnis: Die IT-gestützte, räumlich und zeitlich flexible Arbeitswelt, wird die dominante Arbeitsform der Zukunft sein. Denn: Nicht nur Unternehmen, auch Arbeitnehmer wollen sie!

Bereits heute geben laut einer BITKOM-Studie 20 % der befragten Erwerbstätigen  an, sie würden gerne täglich von zu Hause aus arbeiten, weitere 37 % würden es zumindest an einigen Tagen der Woche bevorzugen, zur Arbeit nicht ins Büro gehen zu müssen, und zusätzliche 10 % gaben an, bereits jetzt gelegentlich von zu Hause aus zu arbeiten.

Doch welche Geister rufen wir somit - mehr oder weniger freiwillig? Einen „digitalen Dämon“  der uns auf Schritt und Tritt folgt - „anywhere“ und „anytime? Droht die Entgrenzung des Privaten und Beruflichen?

Ein latentes Unbehagen ist spürbar in der Debatte über die digitale Unternehmenskultur. Für manche sind Smartphones, Tablett-PCs und Cloud-Computing „Instrumente und Plattformen nie geahnter Selbstverwirklichung“ für andere „Werkzeuge zur absoluten (Selbst-) Ausbeutung“.

Sicher ist: Der kollektive „Maschinensturm“ wie in den Anfangszeiten der Industrialisierung wird in der neuen digitalen Arbeitswelt ausbleiben, denn die ist individueller, vielseitiger, dezentraler – kurz: Sie entzieht sich der Pauschalisierung! Allerdings sollte klar sein: Auch diese neue Arbeitswelt ist keine heile Welt ohne Stress oder Konflikte. Überforderung bleibt nicht ausgeschlossen. 

Zwar leitet die IT-Branche den endgültigen Abschied von der traditionellen Büroarbeit ein. Zwar schafft sie neue Chancen, uns von geistlosen Routinen und unproduktiven Wartezeiten zu befreien. Sie bietet bessere Chancen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ermöglicht flexible Arbeitsplatz- und Arbeitszeitmodelle, die vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und des damit verbunden „Kampfes um Talente“ im globalen Wettbewerb scheinbar „alternativlos“ sind.

Dass aber die moderne Arbeitswelt zu einem Vorteil aller gereicht, kurz dass sie „menschlicher“ bleibt oder wird, kann Technologie nicht garantieren. Wie auch? Dazu bedarf es dann doch noch des Menschen: seiner Fähigkeit, unterschiedliche Interessen vernünftig zum Ausgleich zu bringen.

Es mag Bereiche geben, in denen das tradierte Arbeitsrecht auf die Anforderungen des digitalen Zeitalters angepasst werden muss. In Anbetracht der rasanten Entwicklung sind aber vor allem die Unternehmen aber auch die Mitarbeiter selbst gefordert. Wollen beide die unbestreitbaren Chancen und Notwendigkeiten der neuen Arbeitswelt wirklich ausschöpfen, müssen sie die gelebte Unternehmenskultur fortlaufend anpassen. Ein „Passe-Partout“ für alle Branchen oder Unternehmensgrößen gibt es dabei leider nicht –– allerdings pragmatische Orientierungshilfen und Erfahrungswerte.

Microsoft hat zusammen mit dem Beratungsunternehmen Gallup einen Leitfaden für die Einführung flexibler Arbeitsmodelle entwickelt. Die zehn Regeln (http://download.microsoft.com/download/A/3/1/A316CD42-AE2B-4C4F-91A9-87E01D608FF4/Flexibles_Arbeiten.pdf) reichen von „klare Zielvereinbarungen treffen“ von Unternehmensseite bis hin zu „Selbstmanagement“ des Mitarbeiters. Bewusst wird hier zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern unterschieden, denn der Wandel hin zu einer neuen Arbeitszeitkultur gelingt nur, wenn beide Seiten gemeinsam dazu beitragen.

Im eigenen Unternehmen scheint uns dieser Ausgleich der Interessen jedenfalls zu gelingen. Das belegen nicht zuletzt regelmäßige Toppositionen bei nationalen und internationalen Wahlen zum „Besten Arbeitgeber“ oder „Great Place to Work“.

Ein Ruhekissen sind solche Auszeichnungen freilich nicht. Bestenfalls die Mahnung, dass wir wohl auch noch in 100 Jahren am 1. Mai den Interessensausgleich als soziale Konstante thematisieren müssen. Aber dank moderner IT, können wir dies innerhalb und außerhalb der Unternehmen transparenter und nachhaltiger machen als in der Vergangenheit: Denn soziale Netzwerke, Kollaborationsplattformen und mobile Kommunikation fördern vor allem eins: “Teilhabe“! Egal an welchem Ort oder in welcher Lebenssituationen ich mich gerade befinde. Das gilt auch für meine Kinder, die mich gerade hier im Büro angechattet haben. Recht haben sie, genug gebloggt für heute. Feierabend, Deckel zu und ab nach Hause. CU!

Posted by Dr. Marianne Janik
Senior Director Public Sector Microsoft Deutschland