Sonntagnachmittag. Ein Stück Kuchen. Kaffee. Und der Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Eigentlich kann mich dabei nicht sonderlich viel aus der Ruhe bringen. Rainer Hank und Winand von Petersdorff, die beide seit vielen Jahren zu meinen sonntäglichen Favoriten gehören, haben das dieses Mal geschafft. Surface an, Tastatur angesteckt und los.

„Haben ist seliger als Teilen!“ heißt ihr Aufmacher für den Wirtschaftstitel. Weiter schreiben sie:

Share Economy ist eine neue Mode: Die Leute wollen teilen und pfeifen auf Besitz, sagt man uns. Wenn das mal stimmt.

Wenn ich vier Wochen nach der CeBIT, die 2013 unter dem Motto „Shareconomy“ stand, eine Distanzierung und Infragestellung des vermeintlichen „Megatrends“ lese, weiten sich meine Pupillen. Dabei ruht Hanks und von Petersdorffs Gemeinschaftswerk auf einer soliden Grundlage. Nachhaltigkeitsprofessor Harald Heinrichs ist gleich zu Beginn angeführt, gefolgt von Harald Weinrich mit seinem Essay „Über das Haben“ und Psychoanalytiker Erich Fromm mit „To have or to be“. Die Autoritäten sind 1A. Das Weinrich Essay steht schon lange auf meiner Leseliste.

Erstaunt war ich hingegen darüber, dass Share Economy auf einen Konsumtrend verkürzt wird. Maßgeblich dafür soll Heinrichs Studie „Sharing Economy. Auf dem Weg in eine neue Konsumkultur“ sein. Dass die Studie der Universität Lüneburg eine starke Perspektive in der Shareconomy Debatte darstellt, dem stimme ich sofort zu. Nur deckt diese Perspektive wirklich die gesamte Idee hinter Share Economy ab? Ist Share Economy wirklich nur ein Anglizismus für etwas, dass es schon lange gibt? Betrifft das Buzz-Wort tatsächlich nur Konsumenten als letztes Glied in der Schöpfungskette? – Ich habe meine Zweifel.

Share Economy: Eine neue, IT getriebene Innovationskultur

Denn für mich ist Share Economy weit mehr als eine neue Konsumkultur. Mit mannigfaltigen Lösungen auf der CeBIT haben wir gezeigt, dass es um eine neue Innovationskultur geht. Die Idee hinter Share Economy speist sich nicht zuletzt aus dem Umstand, dass heute viele Innovationen, die uns Zugang und Teilhabe an so verschiedenen Dingen wie Lernen, Reisen, Smart Home oder Gaming gewähren, IT getrieben sind.

So erzählte mir Martin Vesper, CEO von Aizo und verantwortlich für das „digitalSTROM“-Geschäft, auf der CeBIT, wie er die Cloud als zentrale Zugriffs- und Verwaltungsplattform für die Linux-Server in den Sicherungskästen nutzt. Mit der Anknüpfung eines Linux-Servers an die Microsoft Cloud Plattform Windows-Azure lässt digitalSTROM einen Marktplatz für Smart-Home-Applikationen entstehen. Dieser vereint Services aus Bereichen wie Sicherheits- oder Energiemanagement auf sich. Indem Open- und Closed-Source Technologien, Dienste von verschiedenen Anbietern wie Sicherheitsfirmen und Pflegedienste in der Cloud miteinander verbunden werden, wird die Idee hinter Share Economy lebendig und um eine Dimension erweitert: eine neue, IT getriebene Innovationskultur. Deutschland ist gehalten, genau diese für sich nutzen und seine Ideen in die Welt zu exportieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Plattform-Gedanke

Technologisch fordert die Idee hinter Share Economy aus meiner Sicht daher offene Plattformen, die Unternehmern absoluten Freiraum für Ideen, Abrechnungsmodelle und Expansionen lassen. Entwickler müssen in der Sprache ihrer Wahl und mit den ihnen vertrauten Werkzeugen programmieren könne. Gleichzeitig muss die Geschäftsgrundlage, die technologische Plattform, verlässlich sein. Gestaltungsfreiraum, Qualität und Innovationpotential bietet Microsoft zum Beispiel mit Windows Azure, wie Kunden wie Agheera, MobileBits oder digitalSTROM erzählen.

Neue Geschäftsideen speisen sich daraus, dass Mauern zwischen physischer und digitaler Welt rissig werden und Cloud Technologien lokale Angebote weltweit skalieren. – Das ist die Idee hinter Share Economy.

@Rainer Hank und Winand von Petersdorff: Wenn Sie mögen, nehme ich Sie gerne mit zu dieser neuen Innovationskultur und stelle Ihnen einige Unternehmen vor, die mit Share Economy in der Cloud eine neue Ära einläuten.

Posted by Werner Leibrandt
Leiter der Markt- und Wettbewerbsstrategie bei Microsoft Deutschland