Am Wochenende wählen die Niedersachsen ihren Landtag. Viele Bürger schauen mit Spannung nach Hannover, auch weil sie ein erstes Signal für die Bundestagswahl im September erwarten. Spannend ist aber nicht nur, wer künftig in Hannover regiert, sondern auch, ob es gelingt, die Menschen überhaupt zum Urnengang zu motivieren. Die Wahlbeteiligung ist in Niedersachsen – und nicht nur dort –  seit Mitte der siebziger Jahre kontinuierlich gesunken: Von 84 Prozent im Jahr 1974 auf den historischen Tiefstand von nur noch 57 Prozent bei den Landtagswahlen 2008. Immer mehr und insbesondere junge Menschen können mit der klassischen Parteipolitik nicht mehr viel anfangen. Das zeigt sich nicht zuletzt auch am Alter der Parteimitglieder – die Mitglieder der beiden großen Volksparteien sind im Schnitt fast sechzig Jahre alt.

Bei Wahlen spiegelt sich die Altersstruktur unserer Gesellschaft besonders deutlich wider: Schon bei der letzten Bundestagswahl 2009 stellte die Generation über 60 Jahre knapp ein Drittel aller Wahlberechtigten – fast doppelt so viele wie die jüngere Generation unter 30 Jahren. Dazu kommt, dass sich mehr ältere als jüngere Menschen an Wahlen beteiligen: 2009 gingen nicht einmal 60 Prozent der 21- bis 24-Jährigen aber 80 Prozent der 60- bis 69-Jährigen Bundesbürger zu Wahl.

Wie können wir mehr Bürger – also vor allem auch die jüngeren – für demokratische Prozesse begeistern? Welche Rolle können neue Technologien bei der Beteiligung der Bürger am politischen Geschehen spielen? Im Rahmen der Initiative Chancenrepublik hat Microsoft zusammen mit forsa mehr als 1.000 wahlberechtige Deutsche über ihre Einstellungen zum Thema Online-Wahlen und E-Partizipation, also der Beteiligung an politischen Prozessen über das Internet, befragt.

Die Ergebnisse belegen: Die Menschen in diesem Land trauen digitalen Technologien auch in der Politik viel Positives zu. Jeder zweite Deutsche würde schon bei der Bundestagswahl 2013 online wählen, wenn alle Sicherheitsprobleme gelöst wären. 33 Prozent aller Bundesbürger und 38 Prozent der unter 30jährigen glauben, dass eine Beteiligung an politischen Entscheidungen via Internet (E-Partizipation) das Vertrauen in die Politik stärken kann. 37 Prozent der Deutschen und 45 Prozent der so genannten Digital Natives sind davon überzeugt, dass Online-Wahlen auch Nichtwähler zur Stimmabgabe ermutigen könnten.

Digitale Technologien sind also nach Meinung vieler Menschen durchaus ein probates Mittel gegen Politikverdrossenheit. Sie haben das Potential, Bürger bei den Themen abzuholen, die sie wirklich  interessieren. Das zeigt ein weiteres Umfrageergebnis: 61 bzw. 54 Prozent der Deutschen unter 30 würden sich online an Diskussionen und Abstimmungen in ihrer Gemeinde bzw. auf überregionaler Ebene beteiligen. Die neuen Medien bieten Politikern und Parteien gerade auch auf lokaler oder regionaler Ebene viele Chancen, die Menschen zu erreichen. Sie sollten sie gut nutzen, wenn sie die Generation der Digital Natives nicht endgültig verlieren wollen.

Posted by Henrik Tesch
Leiter Politik und gesellschaftliches Engagement Microsoft Deutschland