Björn I. (Marketing Manager/ SEOlytics GmbH):

Die Vorfreude war groß, als es hieß, dass ich eines der beiden Tickets für die Next-Conference gewonnen hatte und wusste, dass es in ein paar Tagen nach Berlin gehen würde. So wurde schnell das Programm durchforstet und eifrig angemarkert, welche Tracks ich mir denn anschauen wollte. Doch nicht nur das Vortrags-Programm schien ziemlich reizvoll, sondern auch die Aussicht, viele neue und einige altbekannte Gesichter zu treffen, ließ die Spannung wachsen.

Das Programm der Next 2011 stand in diesem Jahr unter dem Motto “Data Love“. Kurzum: Es ging also darum, was man mit Daten alles so anstellen kann, wie man sie verarbeiten, verbreiten und austauschen kann. Im thematischen Fokus stand der Umgang mit Daten in den Kategorien Commerce, Media, Social, Mobile, Branding und Technology.

Zu den Highlights am ersten Tag gehörte natürlich der spannende Vortrag von Ralf Herbrich, der bei Microsoft Research für die Suchmaschine Bing zuständig ist. In seinem Vortrag stellte er zum einen das neue Feature “Bing Social“ vor, das auch am selben Tag gelauncht wurde, und blickte im zweiten Teil auf das von ihm maßgeblich betreute Projekt "Emporia“: Ein Dienst, der die stetig wachsende Flut von Nachrichten-Streams kategorisierbar und individualisierbar machen soll.

Mit “Bing Social“ hat Ralf Herbrich die neue soziale Suche von Bing vorgestellt, bei der, sofern ein Facebook-Account vorhanden, die Suchergebnisse innerhalb von Bing durch die Bewertungen (Kommentare und Likes) ergänzt werden. So werden innerhalb von Bing bei Suchanfragen zu Personennamen die Daten aus dem Twitter- und/oder Facebook-Account zur Verfügung gestellt und auch eine Kontaktanfrage oder eine Nachricht kann direkt per Knopfdruck aus der Suchmaschine heraus gesendet werden. Ein weiteres Beispiel ist die Suche nach bestimmten Produkten, die von den eigenen Freunden unter Umständen schon “geliked“, bewertet oder “geshared“ wurden: Die Ergebnisse werden mit den jeweiligen Daten aus dem eigenen Freundeskreis angereichert. Noch ist das Ganze leider in Deutschland nicht auf dieser Art verfügbar, aber es exisitert u.a. schon eine Twitter-Verknüpfung in "Bing Social", so dass man auch via Bing Maps eine Twitter-Suche starten kann - aber ich freue mich jetzt schon auf die hoffentlich baldige Integration mit Facebook.

Bei dem Projekt "Emporia“ handelt es sich um eine Plattform, über die Nachrichten-Streams gebündelt werden können, und zwar nach verschiedenen Kriterien. Die zeitliche Folge steht hierbei nicht unbedingt im Vordergrund, sondern eher die Kategorisierung der Streams nach Themen oder nach Anzahl der “Likes“, “Shares“ und “Tweets“ zu einem bestimmten Artikel. Durch die Anbindung an Twitter und Facebook ist natürlich auch die Komponente der “Sozialen Kontakte“ eingebunden, so dass der User erkennen kann, welche seiner Kontakte zu welchen Themen regelmäßig twittern, sharen usw.

Über beide Themen unterhielt ich mich sehr ausführlich beim Meet and Greet mit Ralf Herbrich und seinem Kollegen Jens Garberding – der sich bei Microsoft Deutschland hauptsächlich mit dem Thema „Mobile“ beschäftigt. Das Treffen war spannend und lehrreich. An dieser Stelle noch mal einen großen Dank an Ralf und Jens, die sich die Zeit genommen haben, mit meinem „Mitgewinner“ Johan (TRG) und mir etwas zu fachsimpeln. Johannes betrachtet übrigens in seinem Blogbeitrag zur Next unser Meet und Greet etwas näher.

Ein weiteres Highlights des ersten Tages war aus meiner Sicht der Vortrag von Florian Heinemann (Rocket Internet). Der Vortrag beschäftigte sich mit der Frage, wie Webcontrolling in einem Unternehmen effektiv gestaltet werden kann. Schwerpunkt war die Frage, mit welchen Strategien man Daten gewinnt und wie man die wichtigen von den unwichtigen Daten unterscheidet. Dabei gab er den einen oder anderen interessanten Einblick in das Unternehmen Zalando, in das er als Marketing-Chef aktuell den Großteil seiner Arbeitszeit investiert.

Beendet wurde der erste Tag mit der MeetUp-Veranstaltung am Abend, bei der dann neben Live-Musik und dem ein oder anderen Tisch-Kicker-Match das Networking im Vordergrund stand.

Am zweiten Tag war aus meiner Sicht vor allem der Track "Performance – Be fast and scale“ mit Vorträgen von Contendo und Google sehr sehenswert. Hier stand die Problemstellung im Vordergrund, dass einerseits die Performance, und hier besonders der Page Speed, von Websites immer wichtiger wird, diese aber oftmals negativ durch die immer stärkere Lokalisierung und Personalisierung der Angebote beeinflusst wird.

Mein Fazit der diesjährigen Next Conference in Berlin fällt durchweg positiv aus. In den beiden Tagen hat mir die Veranstaltung einen umfassenden Einblick in verschiedene Problemstellungen und Lösungsansätze bezogen auf die steigende Datenflut im World Wide Web verschafft. Neben den wirklich spannenden Vorträgen, aus denen ich viel Neues mitnehmen konnte, habe ich eine Menge interessanter Leute kennen gelernt und viele inspirierende Gespräche geführt.

An dieser Stelle noch mal vielen Dank an das Team vom Microsoft Presse-Blog, das mir den Besuch der Next 2011 ermöglicht hat.

Und vielleicht: “See you all NEXT year at Next 2012”.

Johan v. H. (Projektmanager / TRG)

Microsoft hatte mir die Möglichkeit gegeben zur Next zu fahren und ein Meet&Greet mit Jens Garberding und Ralf Herbrich. Dieser Blogbeitrag soll DANKE sagen und die Gesprächsinhalte ein wenig aus meiner Sicht dokumentieren und kommentieren.

Project Emporia
Ralf stellte das Project Emporia (https://www.projectemporia.com/) vor. Ein News-Hub für (englische) Nachrichten auf Basis von Social Media Links. Personalisierte News auf Basis des eigenen Netzwerks. Dauernd neu gerankt mit eigenen Prioritäten und einem lernenden Algorithmus.

Ralf hat uns mit viel Enthusiasmus in die Hintergründe eingeweiht. Mit Entwicklern über ihre Projekte zu sprechen ist immer spannend. So auch hier: Das Sicherheitskonzept wirkt sehr durchdacht. In den Ranking-Algorithmus scheint viel Gehirnschmalz geflossen zu sein. Spannend fand ich, dass man sich für die thematische Sortierung der Nachrichten nur der Linkquellen, des Titles und der Description bedient. Es scheint aber zu funktionieren. Nice work.

Das Projekt ist aber noch nicht fertig. Lokalisierung ist noch nicht drin und ich hatte auch angeregt über das Thema „Anti-Individualisierung“ vertieft nachzudenken. Das Problem mit der Individualisierung von News-Streams ist ja, dass ich immer stärker nur noch in meinem eigenen Saft koche und in der eigenen Welt gefangen bin. Ein Problem, für das meines Erachtens nach noch keiner einen schlauen Algorithmus entwickelt hat, der aber dringend Not tut. Ralf argumentierte, dass ja immer alle Nachrichtenrubriken eingeblendet werden und man sich ja ausloggen kann, aber das ist glaube ich nur ein Workaround. Ein Filter, der auf Basis der eigenen Lesegewohnheiten bewusst (und markiert) Nachrichten einspielt (zu einem Prozentsatz, den ich selbst wählen kann), die ich sonst nicht lesen würde, weil sie nicht innerhalb meines gewöhnlichen Leseverhaltens liegen fänd ich enorm wünschenswert.

Zum Enthusiasmus von Ralf: Zu Demonstrationszwecken Leute auf einer Konferenz auf Twitter nicht zu folgen, um zu zeigen, welche Auswirkungen das auf das Nachrichtenranking hat, ist schon beachtenswert. Hut ab, müsste ich vorher länger drüber nachdenken.

Modell Mobile
Jens stellte uns kurz seinen Vortrag zum Thema Mobile vor. Thema war die Möglichkeit sinnhafte Apps auf dem Telefon zu bauen und die theoretischen Grenzen eines solchen Vorhabens. Die Schlussfolgerung aus seinem Modell ist simpel: Es gibt keine Grenzen mehr. Telefone bestehen aus 5 Aspekten (Jens' Namen der Aspekte hab ich nicht mehr präsent. Bei ihm klang das noch eine Runde schlauer):

Rezeption - Telefone können derzeit Gesten, Bilder und Ton selbst wahrnehmen und verarbeiten. Ein bisschen Sensorik für Kontaktintensität ist auch schon drin. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Geruch und Gefühl hinzukommen.
Aktion - Mobile Devices können antworten. Ton, Grafik und ein bisschen Geschüttel sind schon drin
Personalisierung - Mobile Devices sind individuell und mit persönlichen Daten bis an die Dachkante geladen (Mail, Social Media - Passwörter, Netzwerke, Zahlungsinformationen)
Schnittstellen - Klar: Internet ist drin. Über Bluetooth, Wlan und NFC sind der Interaktion mit anderen Geräten (und deren Fähigkeiten) keine Grenzen gesetzt. Herzschrittmacher, Blutdruckmesser, Fernseher, Hauselektronik… Das ist alles keine Zukunftsmusik, sondern wird heute schon gespielt. Und: Dadurch, dass das mobile Endgerät immer dabei ist, ist es der ideale Hub für sämtliche Geräte, die man so nutzt. Personal extender sozusagen…
App - Der zentrale Bestandteil. Hier kann ich mich austoben, um sinnige und unsinnige Anwendungen zu bauen, die die anderen 4 Elemente miteinander verbinden. Über die App kann ich auch alle Unterfunktionen der Aspekte miteinander verbinden. Schöne neue Welt.

Das Modell bewegt nicht die Welt. ABER: Es ist einer der besten Denkansätze —  die ich bisher gesehen habe — um die Gedanken zu neuen Produkte zu strukturieren und als Ideenquelle herzuhalten, die ich mit meiner App zu Realität werden lassen kann. Insbesondere in den Schnittstellen ist noch deutlich mehr drin, als bisher umgesetzt wird (insbesondere, weil auf den anderen spannenden Geräten derzeit noch zu wenig „Empfangsbereitschaft“ besteht. Die Ideen sprudelten aber direkt. Notruf inklusive GPS-Signal des Handys, wenn der Herzschrittmacher aussetzt oder der Blutdruck nicht stimmt, um nur eine zu nennen.

Wettbewerbsfelder
Aus der Diskussion über Jens' Mobile-Modell entwickelte sich eine spannende Diskussion über Wettbewerbsfelder der „großen 5“. Der Machtkampf im IT-Bereich ist unübersichtlich geworden. Die großen konkurrieren auf fast allen Wettbewerbsfeldern gemeinsam. Das erfordert jeweils eine durchdachte Strategie. Ob es wirklich für alle 5 sinnvoll ist auf allen Bereichen zu konkurrieren, oder ob sich nicht doch wieder ein Trend zu Dienstleistern mit Schwerpunkten entwickeln wir und man sich Stück für Stück aus Nicht-Kern-Märkten wieder herausziehen wird, wird wohl eine der spannendsten und wichtigsten Fragen der Netz- und Computer-Ökonomie der nächsten Jahre sein.

Insgesamt war es eine spannende und unterhaltsame Stunde. Ralf und Jens gaben eine Menge Einblick in die Arbeit von Microsoft, strategische Vorhaben und vor allem ihre persönliche Einschätzung. Das Gespräch hätte durchaus noch länger sein können, wenn nicht das nächste Panel gerufen hätte.

Danke Jens, Danke Ralf und Dank an Microsoft für das Next11-Ticket.

PS: @Ralf: projectemporia.com ist nur über die www-Subdomain erreichbar. Ein 301 von https?://profectemporia.com auf https://www.projectemporia.com wäre hilfreich für Schnelltipper. ;)

 

Posted by Microsoft Newsservice