Pressekonferenz zum Auftakt der Cebit mit Bitkom-Präsident Professor August Scheer (2. v. l.) und Messe-Chef Ernst Raue (3. v. l.). Für 58 Prozent der Deutschen ist ein Leben ohne das Internet undenkbar. Das hat eine aktuelle Studie des Branchenverbands Bitkom, des Branchenverbandes der IT- und Telekommunikationswirtschaft, ermittelt. Da ist es nur zu verständlich, dass sich die diesjährige Cebit intensiv mit dem Netz der Netze auseinandersetzt.

"Es ist eine Plattitüde, dass IT unser Leben bestimmt", sagte denn auch Professor August Scheer, Präsident des Bitkom, in der Pressekonferenz einen Tag vor der Eröffnung der weltgrößten IT-Messe. Messe-Chef Ernst Raue unterstrich die Bedeutung der Cebit - allen Problemen und Unkenrufen zum Trotz. Die IT-Messe in Hannover ist zwar in diesem Jahr mit gut 4150 Ausstellern kleiner als im Vorjahr, doch er rechne damit, dass ein Auftragsvolumen von 7,5 bis 10 Milliarden Euro an den fünf Messetagen von Dienstag, 2. März, bis Samstag, 6. März, gezeichnet werden. "Die Cebit bringt Angebot und Nachfrage zusammen. Allein die CIOs, die hier nach Hannover kommen, repräsentieren ein jährliches Budget von 40 Milliarden Euro." Die niedersächsische Landeshauptstadt wird in dieser Woche also das Zentrum des weltweiten IT-Geschäfts.

Bei vielen Ausstellern und Referenten wird sich alles rund ums Internet drehen. Web 2.0, Communitys, IT-Services per Internet, Cloud-Computing sind die Stichworte, die in allen Hallen, Sälen und Gängen fallen. Dabei treibt viele Messeteilnehmer die Frage um, ob unsere derzeitigen Netze ausreichend Kapazitäten bieten, um multimediale Inhalte und Anwendungen an jeden Ort und auf jedes Endgerät bringen zu können.

Dass das Internet längst auch in vielen noch vor kurzem schwer vorstellbaren Bereichen eine faszinierende Rolle spielen kann, zeigte Bitkom-Präsident Scheer auf: Über das Internet können Unternehmen relativ leicht Kunden in die Entwicklung neuer Produkte einbinden, könnten sie nach Wünschen und Funktionen fragen und deren Vorschläge und Lösungen abfragen. Der italienische Automobilkonzern Fiat habe das bei der Entwicklung seines Kleinwagens Fiat 500 gemacht. Mehr als 100.000 Internetnutzer hätten über eine Website ihre Anregungen eingebracht.

Eine andere Entwicklung zeigte Scheer auf, die die Bitkom-Umfrage mit harten Zahlen belege: Die Grenzen zwischen Lebens- und Arbeitswelt schwinden. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit per E-Mail, Handy oder Smartphone fürs Unternehmen erreichbar sind. Doch nicht nur das Berufliche ragt ins Privatleben hinein, das Ganze gilt auch umgekehrt. Mehr als 40 Prozent nutzen das Internet auch während ihrer Arbeitszeit für private Zwecke. Scheer empfiehlt Unternehmen, diese Entwicklung intelligente zu nutzen. "Das Leben ist hier weiter als die Tarifpartner. Unternehmen sollten mit Großzügigkeit Regeln aufstellen, wie Mitarbeiter das Internet auch während der Arbeit nutzen dürfen. Das gibt den Beschäftigten Sicherheit, und die Unternehmen können von der Erreichbarkeit ihrer Mitarbeiter auch außerhalb der Arbeitszeit profitieren", so Scheer.