Von Thorsten Eggeling

In Teil 1 des Beitrags haben Sie gelesen, wie Sie die Office 2010 Migration vorbereiten und welche Tools es dafür gibt. Der nächste Schritt ist die Anpassung der Office 2010 Installation an die besonderen Bedürfnisse Ihres Unternehmens und die anschließende Verteilung der Dateien im Netzwerk. Diese kann bei Bedarf auch zusammen mit einer Windows 7-Installation erfolgen.

Office 2010 Installation individuell anpassen

Die Installation des Büropakets auf den PCs im Unternehmensnetzwerk soll in der Regel vollautomatisch, also ohne Notwendigkeit des Benutzereingriffs erfolgen. Wer bereits ein Office 2007-Rollout durchgeführt hat, kann auf diese Erfahrungen zurückgreifen. Bei Office 2010 hat sich nicht viel geändert. Es gibt aber einen wichtigen Unterschied: Office 2010 erfordert in jedem Fall Office Volume Acitivation Technologien, etwa den Key Management Service (KMS), Multiple Activation Key (MAK) oder MAK Proxy. KMS ist die empfohlene Methode bei mehr als 25 Rechnern, MAK können Sie auch bei weniger PCs verwenden.

Administrativen Installationspunkt erzeugen: Kopieren Sie die Dateien von der Office 2010-Installations-DVD in einen beliebigen Ordner. Am besten Sie verwenden gleich den Ordner, den Sie später als Netzwerkfreigabe für die Verteilung zur Verfügung stellen wollen. Kopieren Sie (wenn vorhanden) den Ordner „x86“, wenn Sie die 32-Bitversion einsetzen möchten, für ein 64-Bit-Office kopieren Sie den Ordner „x64“.

Microsoft Office-Anpassungstool starten: Rufen Sie dann auf der Kommandozeile oder über „Ausführen „ (Windowstaste + R) den Befehl „[PfadZumSetup]\Setup.exe /admin“ auf, um das Microsoft Office-Anpassungstool (OAT) zu starten. In der englischsprachigen Version nennt sich das Programm Office Customization Tool (OCT). Sollten Sie eine Fehlermeldung sehen, haben Sie die Dateien nicht von einer Office-Volumenlizenzversion kopiert. Sie erkennen das am fehlenden Ordner „Admin“ im Hauptverzeichnis. In diesem Fall können Sie die fehlenden Dateien über Office 2010 Administrative Template files (ADM, ADMX/ADML) and Office Customization Tool herunterladen, entpacken und den Ordner „Admin“ in das Verzeichnis mit den Installationsdateien kopieren.

OAT

Im Microsoft Office-Anpassungstool (OAT) nehmen Sie dann die gewünschten Änderungen für die Bereitstellung vor. Das Programm zeigt für die Anpassungen vier Hauptbereiche, jeweils mit mehreren Unterabschnitten.

Setup: Hier tragen Sie den Standardinstallationspfad und den Namen der Organisation ein. Außerdem legen Sie weitere Installationsquellen, den Produktschlüssel und die Art der Aktivierung fest. Stellen Sie unter „Lizenzierung und Benutzeroberfläche“ unter „Anzeigeebene“ den Wert „Keine“ ein, damit die Installation im Hintergrund erfolgt. Unter „Frühere Installationen entfernen“ bestimmen Sie, ob eine vorherige Microsoft Office-Version entfernt werden soll oder ob Sie alle oder einzelne Programme behalten möchten. Unter „Installation hinzufügen und Programme ausführen“ können Sie Programmpakete angeben, die vor oder nach der Office-Installation gestartet werden sollen. Das ist vor allem dann praktisch, wenn Sie Zusatzprogramme oder Add-ins für Office 2010 automatisch einrichten wollen.

Features: In diesem Bereich legen Sie die Benutzereinstellungen und Features für die einzelnen Programme fest. Sie können beispielsweise bestimmen, dass die Registerkarte „Entwicklertools“ im Menüband angezeigt wird.

Weitere Inhalte: Wenn Sie zusätzliche Dateien auf den Rechner des Benutzers kopieren oder Dateien/Ordner löschen müssen, legen Sie das hier fest. Außerdem lassen sich REG-Dateien importieren, die Sie in der Registry des PCs hinzufügen möchten. Sie können auch festlegen, welche Registrierungseinträge gelöscht werden sollen.

Outlook: In diesem Bereich passen Sie das Outlook 2010-Standardprofil an. Sie können die Konteneinstellungen beispielsweise für POP3, IMAP oder Exchange vorkonfigurieren.

Zum Abschluss gehen Sie im Menü auf „Datei, Speichern“ und legen die MSP-Datei im Ordner „Updates“ Ihres administrativen Installationsordners ab. Bei der Installation wird die MSP-Datei vom Setup-Programm automatisch eingebunden. Sie können die MSP-Datei aber auch in einem beliebigen Ordner ablegen. In diesem Fall müssen Sie das Setup dann beispielsweise mit der Befehlszeile

\\Server\Freigabe\Office2010Install\setup.exe /adminfile \\Server\Freigabe\ Office2010Install\Anpassungen\Custom.msp

aufrufen.

Weitere Informationen zur Steuerung des Office 2010-Setups finden Sie in den Artikeln Setupbefehlszeilenoptionen für Office 2010 und Office-Anpassungstool in Office 2010.

Anpassungen in der Datei Config.xml: In der Regel sollte das Office-Anpassungstool alle wichtigen Bereiche abdecken. Bei Bedarf können Sie aber auch Anpassungen in der Datei Config.xml vornehmen. Sie können die Datei Config.xml verwenden, wenn Sie schnell eine Anpassung vornehmen müssen, aber nicht erst eine MSP-Datei mit dem Office-Anpassungstool erstellen wollen. Die Config.xml ist auch nötig, wenn Sie über eine Netzwerkfreigabe unterschiedliche Produkte verteilen möchten.

Sie finden die XML-Datei im Ordner [Kernproduktname].WW der Office 2010-Installationsdateien, beispielsweise in „ProPlus.WW“. Standardmäßig enthält die Datei nur Kommentare. Mit der Zeile

<COMPANYNAME Value=" Firmenname " />

Können Sie beispielsweise den Firmennamen verändern und mit

<AddLanguage Id="en-us" ShellTransform="Yes" />

Eine Sprache hinzufügen.

Das Setup-Programm erstellt nach dem Aufruf zuerst eine lokale Installationsquelle im Verzeichnis „\MSOCache\All Users“ und startet die Installation dann von dort aus. Bei großen Netzen oder einer langsamen Netzwerkverbindung empfiehlt es sich, die Einrichtung der lokalen Installationsquelle und die eigentliche Installation voneinander zu trennen. Dafür tragen Sie in die Config-xml

<LIS CACHEACTION="CacheOnly" />

ein. Weitere Infos zur Config.xml finden Sie im Artikel Datei "Config.xml" in Office 2010.

Office 2010 im Netzwerk verteilen

Für die Verteilung von Office 2010 im Netzwerk gibt es mehre Möglichkeiten. Eine Übersicht mit den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Methode finden Sie in der PDF-Datei Deployment Options for Microsoft Office 2010. In diesem Artikel möchte ich nur auf die Methode „Bereitstellen über eine Netzwerkfreigabe“ eingehen.

Es empfiehlt sich, die Installation zuerst auf einem Referenz-PC oder einer virtuellen Maschine zu testen. Starten Sie hier, beispielsweise über ein Anmeldescript, Setup.exe von der Netzwerkfreigabe. Wenn Sie eine Config.xml verwenden, benutzen Sie die Zeile

\\Server\Freigabe\Office2010Install\setup.exe /config \\Server\Freigabe\Office2010Install \ProPlus.WW\config.xml

Sollte die CacheOnly-Option in der Config.xml gesetzt sein, starten Sie das eigentliche Setup anschließend beispielsweise über

"C:\MSOCache\All Users\{91140000-0011-0000-0000-0000000FF1CE}-C\setup.exe" /adminfile "\\Server\Freigabe\Office2010Install\Anpassungen\Custom.msp" /config "\\Server\Freigabe\Office2010Install\ProPlus.WW\config.xml"

Den Schlüssel für die Produkt-ID (hier {91140000-0011-0000-0000-0000000FF1CE}) ermitteln Sie über die Datei Setup.xml. Diese liegt im gleichen Verzeichnis wie die Config.xml, etwa in in „ProPlus.WW“.

Beachten Sie, dass für die Ausführung des Office 2010-Setups in jedem Fall lokale Administratorrechte erforderlich sind. Wenn das in Ihrem Netzwerk nicht der Fall ist, müssen Sie ein Gruppenrichtlinienskript verwenden oder die Verteilung über ein Softwareverwaltungstool wie System Center Configuration Manager vornehmen. Eine ausführliche Anleitung und ein Beispielscript finden Sie im Artikel Bereitstellen von Office 2010 mithilfe von Gruppenrichtlinienskripts zum Starten des Computers.

Office 2010 zusammen mit Windows 7 installieren

Sie wollen nicht nur auf Office 2010 aktualisieren sonder bei der Gelegenheit auch beispielsweise von Windows XP oder Vista auf Windows 7 wechseln? In diesem Fall sollten Sie das Microsoft Deployment Toolkit (MDT) 2010 verwenden. Die nötigen Vorarbeiten sind bei diesem Tool allerdings relativ umfangreich, weshalb sich der Einsatz wohl nur für größere Unternehmen lohnt.

MDT

Das Microsoft Deployment Toolkit beherrscht den gesamten Umfang der Verteilungsaufgaben. Sie können damit Referenzinstallationen erstellen, Sysprep ausführen, zusätzliche Treiber, Service Packs und Updates einbinden sowie beliebige Software in die Windows-Installation einbinden. MDT verwendet dazu einige externe Tools, beispielsweise das Windows Automated Installation Kit (AIK). Nachdem Sie MDT gestartet haben, sehen Sie unter „Components“ die benötigten Komponenten, die sich auch gleich über die Schaltfläche „Download“ herunterladen können.

Ausführliche Informationen zu MDT finden Sie in der dreiteiligen, englischsprachige Anleitung „Deploying Windows 7 + Office 2010 Using Microsoft Deployment Toolkit (MDT) 2010“. Weitere Infos gibt es auf der MDT-Site im Technet.

Der Autor Thorsten Eggeling ist Systemadministrator, Buchautor und Verfasser von Fachartikeln zu Hardware, Windows, Linux und Software. Er arbeitete als Redakteur unter anderem für die PC-WELT.