Veröffentlichung des Originalartikels: 15.01.2013

Im Artikel OAB in Exchange Server 2013 im Exchange-Teamblog wurde die neue Architektur für die Generierung und Verteilung des Offlineadressbuchs (OAB) in Exchange Server 2013 beschrieben. Bitte lesen Sie sich diesen Artikel durch, falls Sie ihn sich noch nicht angesehen haben, bzw. lesen Sie ihn erneut durch, um Ihr Gedächtnis aufzufrischen.

Die OAB-Verwaltung in Exchange 2013 weicht aufgrund von Änderungen an der Architektur von den Vorgehensweisen in früheren Versionen ab. Darüber hinaus stehen derzeit im Exchange Admin Center keine Optionen für die Verwaltung von OABs zur Verfügung. Deshalb benötigen Sie momentan die Exchange-Verwaltungsshell, um Aufgaben mit Bezug zu OABs auszuführen.

In diesem Artikel werden einige Aufgaben beschrieben, die im Rahmen der OAB-Verwaltung häufig auszuführen sind. Zum besseren Verständnis der Aufgaben finden Sie hier zudem eine Reihe von praxisnahen Beispielszenarien.

Hinweis: Wenn Sie Teil einer Gesamtstrukturumgebung mit Active Directory-Domäne sind, stellen Sie sicher, dass ViewEntireForest in der Shellsitzung aktiviert ist. Andernfalls wird bei einigen Befehlen in diesem Artikel keine Ausgabe zurückgegeben.

Befehl zum Aktivieren von „ViewEntireForest“:

Set-ADServerSettings -ViewEntireForest $true

Generieren eines neuen OAB

Beim Generieren eines neuen OAB in Exchange 2013 wird der Parameter „-Server“ nicht mehr eingesetzt. Geben Sie zur Generierung eines neuen OAB nur die erforderlichen Adresslisten an.

Mit dem folgenden Beispielbefehl wird ein OAB für die Adressliste „Global Address List FAB“ generiert:

New-OfflineAddressBook -Name OAB-FAB -AddressLists "Global Address List FAB"

Identifizieren der Server, auf denen OABs generiert werden

Den Vermittlungspostfächern in Exchange Server 2013 ist ein bestimmter unveränderlicher Funktionsumfang („Persisted Capability“) zugewiesen, der den Zweck bzw. die Funktion des jeweiligen Vermittlungspostfachs definiert.

Ein Vermittlungspostfach, bei dem der Parameter für den Funktionsumfang auf „OrganizationCapabilityOABGen“ festgelegt ist, ist für die Generierung von OABs verantwortlich. In diesem Artikel werden wir ein solches Postfach als „Organisationspostfach“ bezeichnen.

Der Exchange Server 2013-Postfachserver, auf dem das Organisationspostfach gehostet wird, generiert alle in der Umgebung definierten OABs.

Verwenden Sie in einer Nicht-DAG-Umgebung den folgenden Befehl, um die Server zu identifizieren, auf denen OABs generiert werden:

Get-Mailbox -Arbitration | where {$_.PersistedCapabilities -like "*oab*"} | ft name,servername

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In einer DAG-Umgebung besteht die Vorgehensweise zum Identifizieren eines oder mehrerer Server für die OAB-Generierung aus zwei Schritten.

Schritt 1: Identifizieren des Organisationspostfachs mit OAB-Generierungsfunktionalität, das die Postfachdatenbank hostet

Lassen Sie sich mithilfe des folgenden Befehls alle Vermittlungspostfächer anzeigen, deren unveränderlicher Funktionsumfang „OABGen“ ist, sowie die Datenbank, die dieses Postfach hostet:

Get-Mailbox -Arbitration | where {$_.PersistedCapabilities -like "*oab*"} | ft name,database

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Schritt 2: Identifizieren des Postfachservers, der die Datenbank mit dem Organisationspostfach bereitstellt

Identifizieren Sie mithilfe des folgenden Befehls die aktive Kopie der Postfachdatenbank:

Get-MailboxDatabaseCopyStatus db1

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Der Server, für den der Datenbankstatus als „Bereitgestellt“ angegeben wird, ist derzeit der Server zur OAB-Generierung.

Ändern des OAB-Generierungsservers

Sie haben zwei verschiedene Möglichkeiten, einen anderen Server zur OAB-Generierung festzulegen.

Verschieben des Postfachs

Verschieben Sie das Organisationspostfach in eine Postfachdatenbank auf einem Server, den Sie zum Server für die OAB-Generierung machen möchten.

Beispiel:

„DB1“ ist eine Datenbank mit einer einzelnen Kopie auf dem Server „Exch1“, die das Organisationspostfach enthält. „DB2“ ist eine Postfachdatenbank auf dem Server „Exch2“.

Mit dem folgenden Befehl können Sie das Organisationspostfach auf „DB2“ verschieben und „Exch2“ zum Server für die OAB-Generierung machen.

Get-Mailbox -Arbitration -database db1| where {$_.PersistedCapabilities –like “*oab*”} | New-MoveRequest -TargetDatabase db2

Diese Methode eignet sich eher für Umgebungen mit einer einzelnen Kopie der Postfachdatenbank, die das Organisationspostfach hostet.

Aktivieren der Postfachdatenbank auf einem anderen Server

Diese Methode eignet sich für Umgebungen mit mehreren Kopien der Postfachdatenbank, die das Organisationspostfach hostet.

Beispiel:

„DB1“ hostet das Organisationspostfach und verfügt über Kopien auf den Servern „Exch1“ und „Exch2“. „DB1“ ist derzeit auf „Exch1“ aktiv.

Mit dem folgenden Befehl können Sie „DB1“ auf „Exch2“ aktivieren und „Exch2“ damit zum Server für die OAB-Generierung machen:

Move-ActiveMailboxDatabase DB1 -ActivateOnServer Exch2

Hinweis: Lesen Sie sich die Richtlinien unter „Speicherort des Organisationspostfachs“ unten durch, bevor Sie den Server für die OAB-Generierung ändern.

Erstellen eines neuen Organisationspostfachs

Administratoren können zusätzliche Organisationspostfächer erstellen, um Fehlertoleranz zu gewährleisten oder um Benutzer in einer geografisch verteilten Exchange-Bereitstellung zu bedienen.

Zur Erstellung eines neuen Organisationspostfachs sind zwei Schritte erforderlich:

Schritt 1: Erstellen eines neuen Organisationspostfachs

New-Mailbox -Arbitration -Name "OAB Seattle" -Database DB2Seattle -UserPrincipalName oabs@contoso.com –DisplayName “OAB-Postfach für Seattle”

Schritt 2: Aktivieren der OABGen-Funktion

Set-Mailbox -Arbitration oabs -OABGen $true

Hinweis: Lesen Sie sich die Richtlinien unter „Speicherort des Organisationspostfachs“ unten durch, bevor Sie zusätzliche Organisationspostfächer erstellen.

Ändern des OAB-Generierungszeitplans

Bis Exchange Server 2010 basierte die OAB-Generierung auf einem Zeitplan, der über die OAB-Eigenschaften festgelegt wurde. Möglicherweise sehen Sie, dass in den Eigenschaften eines OAB in Exchange 2013 ein Zeitplan definiert ist. Die OAB-Generierung in Exchange Server 2013 erfolgt jedoch nicht gemäß dem Zeitplan, der in den OAB-Eigenschaften festgelegt ist:

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Stattdessen erfolgt die Generierung von OABs in Exchange Server 2013 anhand der Eigenschaften „OABGeneratorWorkCycle“ und „OABGeneratorWorkCycleCheckpoint“, die auf dem Postfachserver konfiguriert sind.

Beispiel:

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Die Werte im obigen Screenshot bedeuten, dass einmal am Tag ein OAB erstellt wird.

Welcher Postfachserver hat die OAB-Downloadanforderung verarbeitet?

Die CAS-Rolle in Exchange Server 2013 übergibt die OAB-Downloadanforderung an einen entsprechenden Server mit Postfachrolle. Die CAS-Rolle zeichnet jede Anforderung, die sie verarbeitet, in den Protokolldateien im Ordner %Exchange-Installationspfad%\Logging\HttpProxy\OAB\ auf.

Mithilfe dieser Protokolldateien können Sie leicht ermitteln, an welchen Postfachserver der CAS die Anforderung weitergeleitet hat.

Informationen zu einigen wichtigen Feldern in der Protokolldatei:

FeldBeschreibung
UrlStem Nützlich zur Identifikation des OAB, das heruntergeladen wird. Gibt auch Aufschluss darüber, ob es sich um einen vollständigen oder einen inkrementellen Download handelt.
AuthenticatedUser Name des Benutzers, der das OAB anfordert
AnchorMailbox DN des Organisationspostfachs, das als am nächsten gelegen identifiziert wurde, um die OAB-Anforderung zu verarbeiten
ServerHostName Name des CAS-Servers, der die Anforderung verarbeitet
HttpStatus Statuscode für die Proxyaktion
ProxyAction Aktion, die der CAS-Server für die Anforderung ausgeführt hat (im Fall von OABs für Exchange 2013 überwiegend „Proxy“)
TargetServer Name des Postfachrollenservers, an den die Anforderung weitergeleitet wurde

Sie können die Protokolldatei in Excel importieren, um sie dort leichter auszuwerten.

Beispiel:

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Erzwingen der OAB-Generierung

Sie haben zwei verschiedene Möglichkeiten, den sofortigen Start der Generierung von OABs für Exchange Server 2013 zu erzwingen.

Methode 1: „Update-OfflineAddresBook“

Mit dem unten gezeigten Befehl können Sie die Generierung eines OAB mit der Bezeichnung „Standard-Offlineadressbuch“ in allen Organisationspostfächern erzwingen.

Update-OfflineAddressBook "Standard-Offlineadressbuch"

Hinweis: Mit diesem Befehl wird RPC-Anforderung an jeden Postfachserver initiiert, der ein aktives Organisationspostfach hostet.

Methode 2: Neustarten des Postfach-Assistentendiensts

Der Microsoft Exchange-Postfach-Assistentendienst mit der Postfachrolle ist für die OAB-Generierung verantwortlich. Bei einem Neustart dieses Dienstes werden alle in der Umgebung definierten OABs auf einem bestimmten Postfachserver generiert, sofern dieser ein aktives Organisationspostfach hostet.

Speicherort des Organisationspostfachs

Die CAS-Rolle in Exchange Server 2013 übergibt die OAB-Downloadanforderung an den „nächstgelegenen“ Postfachserver, der ein aktives Organisationspostfach hostet. Die Übergabe der Anforderung kann nach dem Roundrobin-Prinzip erfolgen, wenn an einem AD-Standort mehrere aktive Organisationspostfächer gefunden werden. Dies kann dazu führen, dass häufig ein vollständiger OAB-Download durchgeführt wird.

Daher empfehlen wir derzeit, den Speicherort des Organisationspostfachs so zu planen, dass an einem AD-Standort jeweils ein Organisationspostfach aktiv ist. Dies gilt sowohl für die Erstellung eines neuen Organisationspostfachs als auch für die Erstellung von Kopien der Postfachdatenbank, die ein Organisationspostfach hostet.

Szenarien

In den folgenden Szenarien werden die neuen Methoden zur OAB-Verwaltung anhand einer praxisnahen Situation ausführlicher erläutert.

Szenario 1: Erstellen eines neuen Organisationspostfachs

Contoso verfügt über Exchange Server 2013-Server mit der Postfachrolle und der CAS-Rolle, die in den Büros in Dallas und Seattle bereitgestellt sind. John, der Exchange-Administrator von Contoso, analysiert die HTTP-Proxy-Protokolldateien von CAS-Servern und stellt fest, dass die OAB-Downloadanforderung für Benutzer in Seattle an die Server in Dallas weitergeleitet wird. Bei eingehender Untersuchung stellt John fest, dass nur in Dallas ein Organisationspostfach existiert, sodass die OAB Downloadanforderungen aller Benutzer an den Server in Dallas übergeben werden.

Er erstellt mit den folgenden Befehlen ein neues Organisationspostfach auf dem Server in Seattle:

Schritt 1: Erstellen eines neuen Vermittlungspostfachs

New-Mailbox -Arbitration -Name "OAB Seattle" -Database DB2Seattle -UserPrincipalName oabs@contoso.com –DisplayName "OAB-Postfach für Seattle"

Schritt 2: Aktivieren des Vermittlungspostfachs mit OABGen-Funktion

Set-Mailbox -Arbitration oabs -OABGen $true

Szenario 2: Anpassen des OAB-Generierungszeitplans

Ben ist ein Administrator der Exchange 2013-Bereitstellung bei Tail Spin Toys. Der standardmäßige OAB-Generierungszeitplan ist für das Unternehmen ungeeignet. Stattdessen soll das OAB etwa alle 4 Stunden generiert werden.

Ben ändert mithilfe des folgenden Befehls die Eigenschaften des Postfachservers, der das Organisationspostfach hostet.

Set-MailboxServer Exch1 -OABGeneratorWorkCycle 01.00:00:00 -OABGeneratorWorkCycleCheckpoint 04:00:00

Einige Tage später analysiert John die Ereignis-ID 17002 im Anwendungsprotokoll und stellt sicher, dass das OAB alle vier Stunden generiert wird.

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Bhalchandra Atre

Es handelt sich hierbei um einen übersetzten Blogbeitrag. Sie finden den Originalartikel unter Managing OAB in Exchange Server 2013.