Veröffentlichung des Originalartikels: 27.10.2012

Entwicklung des OAB

Offlineadressbücher, die auch als OABs bezeichnet werden, sind seit langem eine wichtige Komponente in der Exchange-Infrastruktur. Ein OAB wird von Microsoft Outlook-Clients im Exchange-Cache-Modus für das Nachschlagen im Adressbuch verwendet, wenn die Clients offline sind. OABs spielen auch beim Reduzieren der Arbeitsauslastung auf Exchange-Servern eine wichtige Rolle, da Outlook-Clients im Cache-Modus immer zuerst das lokale OAB abfragen.

Das OAB wurde im Laufe der Exchange-Versionen weiterentwickelt. Zuletzt wurde das OAB in Exchange Server 2007 gründlich überarbeitet. In Exchange Server 2007 wurde die Webverteilung des OAB eingeführt, und der Clientzugriffsserver-Rolle wurde die Verteilung des OAB übertragen. Der Vorgang für die OAB-Generierung selbst ist jedoch weitgehend unverändert.

Bis jetzt jedenfalls.

Mit der in Exchange Server 2013 eingeführten Änderung der Serverrollenarchitektur haben wir auch die Art und Weise geändert, wie OABs generiert und an Clients verteilt werden. Schauen wir uns einmal das neue OAB in Exchange 2013 an, indem wir es mit seinen Vorgängern vergleichen.

Änderungen bei der OAB-Generierung

Von welchem Server wird das OAB generiert?

In allen vorherigen Exchange-Versionen wurde die OAB-Generierung mithilfe der Server-Eigenschaft an einen bestimmten Exchange-Server gebunden. Bei der Installation des ersten Exchange-Postfachservers wird dieser von Setup als OAB-Generierungsserver festgelegt. Bei Bedarf können Sie neue OABs erstellen. Beim Erstellen eines neuen OAB muss der OAB-Generierungsserver angegeben werden.

OAB in Exchange Server 2010:

Get-OfflineAddressBook "Default Offline Address Book" | fl name,server
 
Name : Default Offline Address Book
Server : MBX1

Diese Vorgehensweise hatte den Nachteil, dass nur ein Server für die OAB-Generierung konfiguriert wurde und dass dies eine einzelne Fehlerquelle darstellte. Falls dieser Server längere Zeit nicht verfügbar war, war die OAB-Generierung davon betroffen.

In Exchange 2013 wird das OAB von jedem Exchange 2013-Postfachserver generiert, der ein spezielles Vermittlungspostfach hostet, das so genannte Organisationspostfach. Die OAB-Generierung ist nicht mehr an den Server-Parameter gebunden.

OAB in Exchange Server 2013:

Get-OfflineAddressBook "Default Offline Address Book (Ex2012)" | fl name,server
 
Name : Default Offline Address Book (Ex2012)
Server :

Durch das Aufheben der Bindung des OAB an einen bestimmten Server kann dasselbe OAB von mehreren Postfachservern generiert werden. Diese neue Architektur bietet eine höhere Resilienz bei der OAB-Generierung.

Von welcher Komponente wird das OAB generiert?

Die Microsoft Exchange-Systemaufsicht war in früheren Exchange-Versionen in erster Linie für die OAB-Generierung zuständig. Bei der OAB-Generierung handelte es sich um einen geplanten Prozess. Das heißt, die OAB-Generierung wurde zu dem für die OAB-Eigenschaften konfigurierten geplanten Zeitpunkt gestartet, und zwar unabhängig von der Arbeitsauslastung des Servers.

In Exchange 2013 generiert der OABGeneratorAssistant, ein unter dem Microsoft Exchange-Postfach-Assistentendienst ausgeführter Postfach-Assistent, das OAB. Wie die meisten anderen Postfach-Assistenten ist auch der OABGeneratorAssistant ein gesteuerter Prozess – er wird in Abhängigkeit von der Arbeitsauslastung auf dem Server ausgeführt oder angehalten.

Wo werden die OAB-Dateien gespeichert?

In früheren Exchange-Versionen wurde das vom Postfachserver generierte OAB im Ordner %ExchangeInstallPath%\ExchangeOAB gespeichert. Dieser Ordner war freigegeben, sodass der CAS die OAB-Dateien für die Verteilung an Outlook-Clients abrufen konnte.

In Exchange 2013 werden die OAB-Dateien zunächst im Organisationspostfach generiert und gespeichert und später in den Ordner %ExchangeInstallPath%\ClientAccess\OAB\ kopiert.

Änderungen bei der OAB-Verteilung

In Exchange 2007 und 2010 wurden zwei Methoden der OAB-Verteilung unterstützt: Webverteilung und Verteilung in Öffentlichen Ordnern. Exchange 2013 unterstützt nur die Webverteilungsmethode. Schauen wir uns einmal die Änderungen bei der Webverteilungsmethode an.

Der Clientzugriffsserver (Client Access Server, CAS) in Exchange 2007/2010 rief die auf dem entsprechenden Postfachserver gespeicherten OAB-Dateien ab und speicherte sie lokal. Der Microsoft Exchange-Dateiverteilungsdienst in der Clientzugriffsserver-Rolle übernahm das Abrufen der OAB-Dateien.

Dies war der Datenfluss beim clientseitigen OAB-Download:

  1. Outlook empfängt die OAB-URL von der AutoErmittlung und kontaktiert einen Clientzugriffsserver.
  2. Der Clientzugriffsserver authentifiziert den Benutzer und stellt OAB-Dateien auf dem lokalen Datenträger bereit.

Mit dieser Methode sind einige Nachteile verbunden:

  1. Der OAB-Download schlägt fehl, falls die OAB-Dateien nicht lokal auf dem CASgespeichert sind.
  2. Wenn der Dateiverteilungsdienst auf dem Clientzugriffsserver nicht ordnungsgemäß ausgeführt wird, erhalten die Clients veraltete OAB-Dateien, d. h., sie erhalten die Updates nicht.

In Exchange 2013 werden OAB-Dateien nicht lokal auf dem CAS gespeichert. In CAS 2013 werden alle OAB-Downloadanforderungen an den entsprechenden Exchange 2013-Postfachserver weitergeleitet. Durch diese Architekturänderung wird der Microsoft Exchange-Dateiverteilungsdienst aus der Zugriffsserver-Rolle entfernt.

In Exchange 2013 sieht der Datenfluss beim OAB-Download wie folgt aus:

    1. Outlook empfängt die OAB-URL von der AutoErmittlung und kontaktiert den zugewiesenen Clientzugriffsserver über die OAB-URL.

Der Clientzugriffsserver führt die folgenden Aktionen aus:

  1. Die erste Authentifizierung für das OAB wird ausgeführt.
  2. Active Directory wird abgefragt, und das nächstgelegene Organisationspostfach für den anfordernden Benutzer wird bestimmt.
  3. Active Directory wird erneut abgefragt, um die Postfachdatenbank zu bestimmen, von der das Organisationspostfach gehostet wird.
  4. Active Manager wird abgefragt, um den Postfachserver zu bestimmen, auf dem die Postfachdatenbank aktiv (bereitgestellt) ist.
  5. Die Anforderung wird an den in Schritt 4 identifizierten Postfachserver weitergeleitet.
  6. OAB-Dateien werden abgerufen und an den Client übergeben.

Durch diesen neuen Workflow werden die Nachteile des OAB-Downloadworkflows von Vorversionen beseitigt.

Das Organisationspostfach

Das Organisationspostfach ist eine neuer Typ von Vermittlungspostfach, der in Exchange 2013 eingeführt wurde. Das Vermittlungspostfach mit permanenter Kapazität OrganizationCapabilityOABGen wird als Organisationspostfach bezeichnet. Es spielt eine zentrale Rolle bei der OAB-Generierung, ‑Speicherung und ‑Verteilung.

Jede Exchange Server 2013-Postfachrolle, von der ein Organisationspostfach gehostet wird, generiert alle in der Umgebung definierten Exchange 2013-OABs. Das OAB wird zunächst im Organisationspostfach generiert und später auf den Datenträger kopiert.

Verwenden Sie den folgenden Befehl zum Identifizieren des Organisationspostfachs:

Get-Mailbox -Arbitration | where {$_.PersistedCapabilities -like "*oab*"}

Beispiel:

Get-Mailbox -Arbitration | where {$_.PersistedCapabilities -like "*oab*"}
 
Name Alias ServerName ProhibitSendQuota
---- ----- ---------- -----------------
SystemMailbox{bb558c35... SystemMailbox{bb5... mbx1 Unlimited

Durch das Speichern der OAB-Dateien im Organisationspostfach wird die Resilienz der OAB-Dateien erhöht.

Zusammenfassung anhand eines realistischen Szenarios:

Im folgenden Szenario werden die bisher gelernten wichtigen Punkte noch einmal zusammengefasst:

  1. MBX1 und MBX2 sind Exchange 2013-Postfachserver und gehören einer DAGan. CAS1 ist ein Exchange 2013-Clientzugriffsserver.
  2. Das Organisationspostfach ist in der Postfachdatenbank DB1 vorhanden. Von DB1 gibt es Kopien auf MBX1 und MBX2.
  3. DB1 ist derzeit auf MBX1 aktiv.
  4. Der Microsoft Exchange-Postfach-Assistentendienst auf MBX1 generiert das OAB.
  5. Das OAB wird zunächst im Organisationspostfach generiert und später auf den Datenträger von MBX1 kopiert. Zu diesem Zeitpunkt spielt MBX2 keine Rolle bei der OAB-Generierung.
  6. Ein Outlook-Client versucht, das OAB herunterzuladen und kontaktiert CAS1 über die OAB-URL.
  7. CAS1 fragt Active Manager ab und stellt fest, dass die Datenbank, von der das Organisationspostfach (DB1) gehostet wird, auf MBX1 aktiv ist.
  8. CAS1 leitet die OAB-Downloadanforderung an MBX1 weiter und übermittelt die Dateien an den Client zurück.
  9. Zu diesem Zeitpunkt fällt MBX1 aufgrund eines Stromausfalls aus, und DB1 wird auf dem Server MBX2 aktiviert.
  10. CAS1 empfängt eine weitere OAB-Downloadanforderung, führt erneut eine Abfrage für Active Manager aus und leitet die Anforderung dieses Mal an MBX2 weiter, da DB1 nun auf MBX2 aktiv ist.
  11. MBX2 extrahiert im Organisationspostfach vorhandene OAB-Dateien auf den Datenträger, um sicherzustellen, dass dem Client die neuesten Dateien bereitgestellt werden.
  12. MBX1 wird wieder online geschaltet, aber DB1 bleibt auf MBX2 aktiv.
  13. Beim nächsten OAB-Generierungszyklus generiert der Microsoft Exchange-Postfach-Assistentendienst auf MBX2 das OAB.

Im nächsten Artikel dieser Artikelreihe befassen wir uns mit der Verwaltung des neuen OAB in Exchange 2013.

Bhalchandra Atre

Es handelt sich hierbei um einen übersetzten Blogbeitrag. Sie finden den Originalartikel unter OAB in Exchange Server 2013.