In wenigen Wochen wird Windows Vista mit der Beta 2-Ausgabe erstmalig der breiten Öffentlichkeit zum Testen zur Verfügung gestellt. Wer mit Vista dann zum ersten Mal in Berührung kommt, wird viele neue Dinge finden. Eines der Neuerungen ist die Möglichkeit, Energie zu sparen.

Energiesparen klingt im ersten Moment natürlich nicht wirlich wie ein Killerfeature. Was ist daran aber im Hinblick auf Windows Vista daran interessant?

Sleep und Hibernate funktionieren mit Vista wesentlich besser als unter Windows XP. Vista bietet standardmäßig einen kombinierten Energiespar-Modus, der sehr wenig Energie verbraucht, die Daten des Arbeitsspeichers trotzdem sicher ablegt und aus dem Vista sehr schnell wieder arbeitsbereit ist.

Aus diesem Zustand kann der Rechner auch jederzeit durch eine geplante Aufgabe wieder aufgeweckt werden, so daß er nicht rund um die Uhr laufen muß, nur um vielleicht Software Updates zu empfangen oder als Media Center Videoaufnahmen zeitgesteuert durchzuführen.

Die Energiesparoptionen sind mit Vista wiederum über Gruppenrichtlinien steuerbar, so daß sich hier im Hinblick auf zentrales Management ganz neue Möglichkeiten eröffnen. In vielen Unternehmen habe ich oft beobachten können, daß die meisten Rechner Tag und Nacht angelassen werden, da Benutzer am nächsten Arbeitstag die Wartezeit für das Hochfahren des Rechners einsparen möchten.

Wenn wir einmal von 5 Arbeitstagen in der Woche mit zehn Stunden pro Arbeitstag ausgehen, sind diese Rechner die meiste Zeit ihres Lebens mit dem Abspielen eines mehr oder weniger schönen Bildschirmschoners beschäftigt. Was wäre, wenn diese Rechner in den Zeiten, in denen sie nicht benutzt werden, automatisch schlafen gehen würden?

Das ist keine Aufgabe für höhere Mathematik: Ein Jahr hat 365 Tage. Jeder Tag hat 24 Stunden. Von den 8.760 Stunden eines Jahres muß der Rechner nur 10 Stunden an 5 Arbeitstagen pro Woche wirklich aktiv sein. Von diesen 2.600 Stunden können wir noch sechs Wochen für Urlaub und Feiertage in Deutschland abziehen. Das ergibt dann also 10 Stunden x 5 Tage x 46 Wochen = 2.300 Stunden.

Im Umkehrschluß bedeutet das, daß jeder Rechner, der 24*7 im Betrieb ist, obwohl er es nicht wirklich müßte, von den 8.760 Stunden pro Jahr 6.460 Stunden im Sleep-Modus verbringen könnte. Das Ergebniss ist in Wirklichkeit möglicherweise noch besser, da nicht wirklich 10 Stunden am Tag gearbeitet werden. Auch in der Mittagspause oder während einer Abwesenheit bedingt durch Meetings könnte Vista im Sleep-Modus betrieben werden.

Wenn wir jetzt einen durchschnittlichen Rechner samt LCD-Bildschirm mit 135 Watt Energiebedarf veranschlagen und im Sleep-Modus dieser auf konservativ geschätzte 15 Watt reduziert werden könnte, beträgt das Einsparpotential 0,12 kW x 6.460 h = 775,2 kWh pro Jahr.

Wenn man die Kostenseite betrachtet und 18,50 Cent/kWh ansetzt, kommt man auf beachtliche EUR 143,41 pro Rechner pro Jahr! Neben der monetären Betrachtung kann man aber auch einmal eine andere Rechnung aufstellen:

Mein Energieversorger Lichtblick informiert mich immer auf den Abrechnungen über die CO²-Einsparung durch die Nutzung von "grünem Strom". Die Herstellung von 1 kWh elektrischer Energie durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe erzeugt demnach ungefähr 0,43 kg CO² als Abfallprodukt. Unsere eingesparten 775,2 kWh entsprechen also ungefähr einer drittel Tonne CO² pro Jahr. Wenn man diesen Betrag auf die vielen Millionen PCs hochrechnet, die weltweit im Einsatz sind, bekommt man einen Eindruck von der Dimension der Einsparmöglichkeiten.