Viele Partner und Kunden haben mich spontan angefragt, was denn Microsoft zu diesem Deal meint. Eine offizielle Microsoft Antwort habe ich natürlich nicht, aber innerhalb dieses BLOGs kommen ja auch persönliche Meinungen zum Zuge (natürlich etwas vom allgemeinen Microsoft Denken "eingefärbt") -- ergo hier meine Gedanken und Anregungen dazu -- bin auch gespannt auf Ihren Feedback und Meinung dazu!

es ist schon erstaunlich wie sich der BI-Markt immer schneller konsolidiert. Der letzte grosse Coup von Oracle -- für "läppische" 3300 Millionen USDollar (!...) kauft sich Oracle Hyperion ein -- schon unglaublich mit welchen Summen hier namhafte Firmen übernommen werden. Oracle hat in den letzten 3 Jahren für rund 20 Milliarden USD 25 Firmen aufgekauft und bastelt hier tüchtig am Neuausbau der Marke Oracle (hmmm -- 25 Firmen mit unterschiedlichen Architekturen und Ansätzen zu integrieren und in eine gesamtheitliche Plattform zu bringen -- wow, viel Spass, Geduld und Ausdauer!...). Natürlich ist die Oracle hier nicht alleine tätig, das grosse Fressen hat also schon lange begonnen - wer kennt z.B. die genaue Anzahl von Produkten welche unter der Marke "WebSphere" fungieren (aprospos Integrations-Aufgabe -- auch hier viel Spass...)? -- Nicht mal Kollegen, welche beim blauen Mitbewerber arbeiten können mir hier eine einfache, klare Antwort geben. Die Walldorfer haben sowieso je länger je mehr keine Freude mehr an Larry's Expansions-Gelüsten und es ist ein offenes Geheimnis, dass dieses ehemalige "Traumpaar" sich mehr und mehr von einander wegbewegen und sich sogar hier eine neue gegenseitige Lieblingskonkurrenz auftut. War es Glück oder clever geplant, dass Hyperion nun erst kürzlich die SAP-Zertifizierung erhalten hat und nun diese Uebernahme stattfand -- ich spekuliere ob eine solche Zertifizierung auch unter dem neuen Herren möglich gewesen wäre? Ein grosser blauer Mitspieler verhält sich nach meinem Gedanken sehr still -- ist hier ein neues Traumpaar am entstehen? -- Börsenspekulanten lieben ja solche Gerüchte ;-) Man stelle sich nur vor: "Websphere MySAP" als neuer ERP Standard?

Warum hat Microsoft nicht selber eine Firma wie Hyperion übernommen? -- Microsoft hat enorm viel in die Plattform investiert (TWC, Interop). SQL Server ist ein wesentlicher Baustein gerade im BI-Workload. Das spannende an SQL-Server ist die Vielschichtigkeit, Flexibilität, Interoperabilität und Ausbaubarkeit dieses Server Produktes zu einem unglaublichen tiefen Preis. Aus meiner Sicht leider nicht optimal benannt (SQL steht ja für relationale Datenbank) -- dieses Server Produkt sollte eigentlich "Microsoft Data Platform" oder ähnlich heissen. Viele Kunden setzen SQL-Server ein, OHNE die relationale Datenbanken im eigentlichen Sinne einzusetzen -- z.B. mittels SSAS (Analysis Services), SSIS (Integration Services) und auch SSRS (Reporting Services). Gerade SSAS ist ein PowerHorse für BI -- kein Wunder, dass SSAS auch ein zentrales Element für die Microsoft BI Platform benutzt wird -- z.B. werden dank SSAS Excel Pivot Tabellen wieder durch die IT kontrollierbar und die Excel Sheets bieten dass, wofür sie ursprünglich auch gedacht waren: End-User Flexibilität, aber OHNE dass hier die End-Benutzer die Informationen replizieren und verteilen und dadurch mehrere Wahrheiten kreiern (-> single Point of Truth). Mittels Microsoft Office PerformancePoint Server 2007 baut Microsoft konsequent auf dieser Plattform (SSAS) auf und ermöglicht hier eine PerformanceManagement Lösung für Budgetierung/Planung, Monitoring und Analyse. Als UserInterface wird Excel konsequent verwendet, welches notabene in diesem Umfeld das weltweit meistbenutze Werkzeug ist. Leider fehlt aber gerade im Planungs/Budgetierungs/Forecasting Workload eine clevere Lösung, um all diese Excel Sheets wieder (automatisch) zu konsolidieren. Diese Aufgabe ist natürlich wie gemacht für SSAS und Excel wird hier "nur" als User-Interface benutzt. Die benötigten Workflows sind ja sowieso Bestandteil der .NET Platform (Anm. PPS V1 wird noch nicht auf standard WF basieren).

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den Möglichkeiten, aber diese zeigen hoffentlich auf, dass ein Aufkauf einer fremden Server Architektur mit den entsprechenden Integrationsproblematiken hier aus Microsoft Optik überhaupt kein Value-Add bringt und sogar potentiell die gesamte Architektur ins Schaukeln bringen könnte.Time-to-Value is das Motto, immer schneller Lösungen zur Verfügung zu stellen. Buy vs.Build ist natürlich immer die Frage auch bei Microsoft. Der grosse Unterschied von Microsoft Aquisitionen sind aber, dass eine übernommene Firma und deren Lösung wirklich in die strategische Plattform passen muss. So ist denn z.B. im BI-Umfeld nicht ohne grosse Ueberraschung die Firma ProClarity übernommen worden. ProClarity bietet eine hochstehende Analyse Funktionalität auf Basis von SSAS als Quelle an. Eine Integration von ProClarity in die Microsoft BI-Plattform ist deshalb störungsfrei möglich. Natürlich können aber beliebige andere Datenquellen zur Analyse "angezapft" werden. Plattformübergreifend heisst die Microsoft Story ganz klar "INTEROPERABILITAET". Ist kein Wunder, dass wir im Gartner Quadranten unter WebServices als DER Leader fungieren und wer Microsoft Anlässe verfolgt, der weiss, dass SOA, XML und WS bei Microsoft nicht nur ein kurzfristiges Marketing Bubble, sondern eine strategische und breits hoch-integrierte Funktionalität der Plattform sind.

Zurück zum Titel -- Oracle kauft Hyperion - was sind die Optionen mit Microsoft?

Der BI-Stack von Microsoft unterstützt vollständig Daten welche in Oracle liegen durch eine erweiterte Integration mit SQL Server 2005 SP2. Uebrigens: gemäss dem OLAP REPORT ist SQL Server Analysis Services auch der bevorzugte OLAP Server für Oracle Kunden!

Wenn Sie Hyperion heute einsetzen gibt es auch hierzu mittels SQL Server 2005 SP2 die Möglichkeit mittels SSRS auf Hypeiron Essbase cubes zuzugreifen und Reports zu erstellen (Hyperion-MSFT Partnership Announcement / whitepaper). Ob auch unter Oracle die weitergehenden Integrationspläne weitergeführt werden ist zu beobachten.

Kunden, welche von den Vorzügen von SSAS überzeugt sind, heute aber noch Hyperion einsetzen, können mittels verschiedenen 3rd party ISVs (z.B. ExoLogic, KeyPulseSymmetry) von Essbase zu SQL Server Analysis Services migrieren. Uebrigens -- es gibt hierzu eine offerte (50% discount auf SQL Server lizenz)

:-) Marcel